Es war die 22. Spielminute: Die Essener Ecke schien bereits geklärt, als Jannik Hofmann den Ball aus dem Halbfeld noch einmal scharf in den Strafraum brachte. Gjasula wuchtete per Flugkopfball im Duell mit Ulms Abwehrchef Marcel Seegert in die Flanke, setzte sich durch und traf zum 2:0 für RWE. Während Gjasula, der erstmals seit fast vier Jahren wieder ein Ligator erzielte, gleich in Richtung Fankurve sprintete, blieb sein Gegner Seegert liegen und musste wenig später mit einer Kopfverletzung das Feld verlassen. "Natürlich hat mein Schädel auch gebrummt, aber nach dem Tor ist natürlich auch Adrenalin da", erklärte Gjasula seinen Jubellauf. "Und danach geht’s weiter."
"Bin nicht der Goalgetter"
Für seine Mannschaft ging es dagegen weniger gut weiter: Die Ulmer bestraften die zunehmend passiven Gastgeber und glichen durch Chessa und Löder zum 2:2 aus. Doch Mizuta antwortete mit einem unwiderstehlichen Volley aus dem Rückraum und erzielte den umjubelten 3:2-Siegtreffer. Die Führung wurde - auch dank Gjasula - über die Zeit gebracht. "Ich bin nicht der Goalgetter, ich bin für andere Dinge auf dem Platz zuständig", sagte der Jubilar. Und das zeigte er eindrucksvoll: Mit einer Zweikampfquote von 70 Prozent entwickelte er sich neben Tobias Kraulich zum "Turm in der Abwehrschlacht".
Neben resolutem Abräumen hat Gjasula auch eine etwas kritischere Paradedisziplin: Gelbe Karten. Viele erinnern sich noch an die Bundesliga-Saison 2019/20, als er mit 17 Gelben Karten - damals noch für den SC Paderborn - Rekordsünder in einer Bundesliga-Saison wurde. In dieser Spielzeit stand er vor dem Spiel bei vier Verwarnungen. "Ich habe mir fest vorgenommen, keine mehr zu bekommen", sagte Gjasula. Doch in der Schlussphase holte er sich dann doch die fünfte Gelbe - in einer Rudelbildung. Selbstkritisch bezeichnete er die Aktion als "Dummheit": "Ich hätte einfach wegbleiben müssen, das war eine unnötige Karte."
Koschinat ärgert Verwarnung
Damit wird Gjasula seinem Coach Uwe Koschinat zum Rückrundenauftakt im Topspiel bei 1860 München fehlen. Koschinat nahm seinen Leader jedoch in Schutz: "Es war aus meiner Sicht eine Bestrafung für etwas Übergriffiges, das nicht hätte stattfinden müssen. Er hat ein herausragendes Spiel gemacht." Der Coach wünschte sich von den Schiedsrichtern in solchen chaotischen Situationen mehr Fingerspitzengefühl.
Trotz der selbstkritischen Note dürfte dies die gute Stimmung über die Weihnachtsfeiertage nur geringfügig trüben: Mit dem 3:2-Sieg über den SSV Ulm schließt RWE die Hinrunde mit 34 Punkten ab und bleibt im Aufstiegsrennen voll im Geschäft. Koschinat sagte, dass er das "halbe Jahr über die Feiertage erstmal verarbeiten" wolle. Gjasula wird dies ebenfalls tun - und hat nun genug Zeit, seinen "Brummschädel" auszukurieren. Der Blick auf seinen Jubiläumstreffer und die Tabelle - wo RWE vorübergehend auf Platz 2 sprang - dürfte ihm bei der Genesung helfen.