Die Worte sind nur etwas älter als eine Woche, aber die Realität hat sie längst überholt. "Kenny", sagte Trainer Stefan Leitl kurz vor dem Rückrunden-Auftakt gegen Schalke (0:0), "macht alles mit einer inneren Ruhe und Überzeugung. Er ist ein phantastisches Talent, das hoffentlich gesund bleibt und einen unfassbaren Weg vor sich hat."
Gesund ist Kennet Eichhorn in den ersten 90 Rückrunden-Minuten nicht geblieben, in der Schlussphase des Schalke-Spiels verletzte sich der 16-Jährige schwer am Sprunggelenk und fällt längere Zeit aus. Hertha BSC muss in den Schlüsselwochen der Saison einen Spieler ersetzen, den der Kader so kein zweites Mal hergibt.
Eichhorn und Seguin - das hat harmoniert
Mit seinem Mix aus herausragender Vororientierung, enormer Ballsicherheit und großer Ruhe lieferte Eichhorn Struktur und Präsenz, er hat seinen Part trotz des jungen Alters mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit geschultert. "Du verlierst jemanden, der sehr ballsicher ist, der sich gut in den Zwischenräumen bewegt, mit dem ersten Kontakt in die Offensive geht und über Tempodribblings Raumgewinn erzielen kann", sagte Leitl in dieser Woche.
Er muss jetzt die Frage beantworten, wem er im Spiel beim Karlsruher SC und in den Wochen danach die Rolle als Partner von Paul Seguin auf der Doppel-Sechs anvertraut. Seitdem Eichhorn und Seguin das defensive Mittelfeld bildeten, hat die Mannschaft von elf Pflichtspielen sieben gewonnen und nur eins verloren. "Das zeigt schon, dass sich da eine gewisse Stabilität entwickelt hat", erklärte Leitl. "Die fehlt natürlich jetzt."
Aus dem Vollen schöpfen kann der Trainer bei der Suche nach dem Eichhorn-Ersatz nicht. Diego Demme (Kopfschmerzen und Schwindel) und Leon Jensen (Rückstand nach Muskelverletzung und Infekt) stehen aktuell nicht bereit. Die verbleibenden vier Kandidaten eint der Nachteil, dass sie wenig Rhythmus haben. Für eine eher defensivere Interpretation der Rolle kommen Pascal Klemens und Boris Mamuzah Lum in Betracht, für eine offensivere Auslegung Kevin Sessa und Jeremy Dudziak.
Sessa wartet immer noch auf den Durchbruch
Dudziak wurde gegen Schalke früh für den am Oberschenkel verletzten Rechtsaußen Maurice Krattenmacher eingewechselt, es war nach einer langwierigen Hüftverletzung sein erstes Zweitliga-Spiel seit August 2024. Der vielseitige, spielstarke Routinier, der erst im Oktober einen neuen Vertrag bekam, kennt Seguin aus gemeinsamen Fürther Tagen.
Er ist ebenso ein heißer Anwärter auf die Rolle wie Sessa, der auch nach eineinhalb Jahren in Berlin noch auf seinen Durchbruch wartet. Der Ex-Heidenheimer kommt bislang auf acht Saisoneinsätze in der Liga, alle als Joker. Womöglich ist Eichhorns Ausfall bereits so etwas wie seine letzte Chance, sich bei Hertha zu profilieren.
In der Hinterhand hat Leitl die Eigengewächse Klemens und Mamuzah Lum. Der 20-jährige Klemens, der wegen einer Sprunggelenk-OP fast die ganze Hinrunde verpasst hatte, verbucht in dieser Saison bisher erst 70 Praxisminuten - verteilt auf einen Startelf-Einsatz für die U 23 in der Regionalliga Mitte Dezember gegen Jena (2:3) und einen Zweitliga-Kurzeinsatz kurz vor Weihnachten gegen Bielefeld (1:1).
Klemens ist gelernter Innenverteidiger, hat aber vor allem unter Pal Dardai oft auf der Sechs gespielt. Der 18-jährige Mamuzah Lum kommt in dieser Saison bislang auf drei Kurzeinsätze in der 2. Liga, er war in der Hinrunde meist in der U23 dabei (zehn Regionalliga-Einsätze).
Cuisance kann Sechser, aber er bleibt auf der Zehn
Auch Michael Cuisance und Michal Karbownik kennen den Part auf der Doppel-Sechs. Beide sind allerdings als Zehner und Linksverteidiger gesetzt. Eine Rückversetzung von Cuisance ins defensive Mittelfeld hat Leitl in dieser Woche ausgeschlossen. "Wir müssen es irgendwann auch mal hinbekommen, Automatismen zu schaffen und die Spieler regelmäßig auf ihren besten Positionen spielen zu lassen", sagte der Trainer. "Ich möchte Micka nicht mehr zurückziehen, er wird auf seiner Zehn bleiben." Zumindest das ist schonmal geklärt.