28 Zentimeter liegen zwischen Harvey Elliott und Nick Woltemade, aber nicht deswegen ging eine Szene viral, die sich nach dem U-21-EM-Finale am Samstagabend in Bratislava ereignete: Elliott, der beste Spieler des Turniers, und Woltemade, der Torschützenkönig, umarmten sich voller Respekt und wechselten einige gewiss warme Worte.
"Er ist ein unglaublicher Spieler, er war so gut in diesem Turnier", schwärmte der Engländer, der die Young Lions in Bratislava in Führung geschossen hatte. Damit landete er in der Torjägerliste zwar einen Treffer hinter dem diesmal glücklosen Woltemade, wurde aber zum Spieler der EM gewählt, der in der Vergangenheit nicht immer automatisch aus dem Siegerteam stammte.
UEFA nennt Elliott einen "großen Spieler für die große Bühne"
Er sei "Englands effektivster Spieler" gewesen, der nicht nur mit seinen Scorerpunkten, sondern auch mit "Führungsqualitäten" und einer "großartigen Arbeitsmoral" überzeugt habe, begründete die Technische Beobachtergruppe der UEFA ihre Wahl und nannte Elliott "einen großen Spieler für die große Bühne".
Der 23-Jährige, in Liverpools Meistersaison meist nur als Joker gefragt, war bereits 2021 U-21-Europameister geworden, findet die Titelverteidigung jedoch "viel" bedeutsamer: "Die Erwartungen und der Druck waren groß, aber wie die Jungs damit von Anfang bis Ende umgegangen sind - niemand verdient es mehr als wir", sagte er dem englischen Sender Channel 4. Deutschland habe es der Mannschaft bis zum Schluss sehr schwer gemacht.
Von wegen "verärgert": Elliott hebt Egan-Riley hervor
Elliott, sichtlich emotional, hob den Teamgeist hervor, für den CJ Egan-Riley exemplarisch stehe. Der Verteidiger des FC Burnley hatte in der 98. Minute seine ersten EM-Minuten bekommen und half, den 3:2-Sieg nach Verlängerung über die Zeit zu bringen. "Er hätte komplett anders drauf und verärgert sein können. Aber was für eine Vorstellung von ihm!"
Jetzt will Elliott wie viele andere mit Blick auf die WM 2026 den Sprung ins A-Team zu Thomas Tuchel schaffen, der in Bratislava live vor Ort war. "Das wird nicht leicht, weil es in dieser Mannschaft von oben bis unten Weltklasse-Spieler gibt", weiß der Mittelfeldspieler um das Schicksal vieler seiner Vorgänger und dankte Tuchel vorbildlich für dessen Kommen und Support. "Wir hoffen, dass wir ihm eine Show bieten konnten."
Trainer Lee Carsley, der die U 21 schon 2021 zum Titel geführt hatte, ehe er nach Gareth Southgates Aus und vor Tuchels Übernahme kurzzeitig die Three Lions betreute, denkt dagegen schon an 2027: "Ich nehme an, die Herausforderung besteht jetzt darin, es in zwei Jahren wieder zu schaffen."