Mit einem glatten 3:0 gegen den so stabilen Aufsteiger AFC Sunderland ist der FC Brentford auf den fünften Platz der Premier League geklettert, und es wäre nicht verwunderlich, sollte Thomas Frank am Mittwochabend mit einer Portion Wehmut auf die Tabelle geblickt haben. Während sein langjähriger Klub trotz des schmerzhaften Umbruchs im Sommer immer besser in Fahrt kommt, hat er selbst die Tottenham Hotspur kein Stück vorangebracht.
Platz 14 nach 21 Spieltagen ist jedenfalls exakt die Ausbeute, die auch Vorgänger Ange Postecoglou in der vergangenen Saison vorzuweisen hatte. Von den vergangenen elf Ligaspielen gewannen die Spurs nur zwei, am Mittwoch bescherten sie dem kriselnden AFC Bournemouth stattdessen den ersten Dreier seit dem 26. Oktober. Und dann unterlief Frank auch noch ein denkwürdiger Fauxpas.
Vor dem Anpfiff wurde Frank im Stadion mit einem Papp-Kaffeebecher abgelichtet, der das Logo von Tottenhams Erzrivalen Arsenal trug. Offenbar hatte diesen der Spitzenreiter bei seinem Gastspiel vier Tage zuvor (3:2) im Vitality Stadium hinterlassen und ein Mitarbeiter dann Frank unbedacht in die Hände gedrückt.
Frank: "So was Dummes würde ich niemals tun"
"Ich habe das definitiv nicht gemerkt", versicherte Frank, als er nach der 2:3-Niederlage auf das spektakuläre Missgeschick angesprochen wurde. "Es wäre komplett dumm von mir, ihn zu nehmen, wenn ich davon gewusst hätte. So was Dummes würde ich niemals tun." Dass er es gleichzeitig "ein bisschen traurig" fand, überhaupt dazu befragt zu werden, war gut nachvollziehbar, allerdings wird auch er wissen, dass dieses Foto das Letzte war, was er in seiner derzeitigen Situation gebrauchen konnte. Der Shitstorm zog umgehend auf.
Zwar enttäuschten seine Spurs in Bournemouth nicht, zeigten sich gegen einen schwer angeschlagenen Gegner aber einmal mehr zu harmlos vor dem Tor und standen nach Antoine Semenyos Abschiedsgeschenk in der 95. Minute - der Topscorer der Cherries wechselt für 74 Millionen Euro zu Manchester City - gänzlich ohne Punkte da.
Wieder mussten die Spurs-Profis nach Schlusspfiff die Wut aus dem Gästeblock aushalten. Die Stimmung beim Europa-League-Titelverteidiger könnte knapp zwei Wochen vor dem Champions-League-Heimspiel gegen Borussia Dortmund (20. Januar, 21 Uhr) kaum schlechter sein. "Es tut uns allen weh, den Fans auch, das ist ganz natürlich", hatte Frank Verständnis.
Und Joao Palhinha, der für die Spurs in der 78. Minute mit einem herrlichen Fallrückzieher ausgeglichen hatte, appellierte: "Unterstützt uns weiter, denn die Siege werden kommen." Nicht Bournemouth, sondern Tottenham hätte den Sieg verdient gehabt, urteilte die Bayern-Leihgabe: "Wir waren die einzige Mannschaft auf dem Platz, die gewinnen wollte."
Weil das aber mal wieder misslang, wächst der Druck auf Frank weiter. Dass nach dem FA-Cup-Duell mit Aston Villa am Samstag (18.45 Uhr) endlich mal eine ganze Woche Pause ist, bietet ihm die Chance, seine Mannschaft neu auszurichten - oder seinen Bossen eine, zu reagieren. Es würde zu diesem turbulenten Premier-League-Januar passen.