Der Weg war weit. Knappe 200 seiner insgesamt 6040 Meter im Spiel gegen Werder Bremen legte Gregor Kobel in der 83. Spielminute zurück, als er aus seinem Tor zur gegenüberliegenden Eckfahne lief, um mit Serhou Guirassy dessen Treffer zum 3:0 zu feiern. "Nachher muss ich in die Eistonne", scherzte Borussia Dortmunds Keeper sogar.
Dabei hatte der ungewöhnliche Ausflug einen ernsteren Hintergrund. "Ich finde, wir sind eine Mannschaft, wir sind alle füreinander da", begründete Kobel den Sprint. Und in diesem Moment, in dem die komplette Mannschaft um den Guineer versammelt war, ging es darum, dem zuletzt arg glücklosen Offensivmann die kollektive Unterstützung zukommen zu lassen. "Ich freue mich extrem für ihn. Jeder weiß, dass es blöd ist, wenn du als Stürmer auf dein Tor wartest und es dann von Spiel zu Spiel so weiter geht."
In der Liga hatte Guirassy vor dieser 83. Spielminute gegen die Hanseaten in den vergangenen zwölf Partien nur einen Treffer erzielt, zuletzt war die Kritik an der Lebensversicherung der Vorsaison immer größer geworden. Gegen Bremen kam er auch deswegen erstmals in dieser Bundesliga-Saison von der Bank aus ins Spiel, Stürmer-Kollege Fabio Silva hatte den Vorzug bekommen und bildete nach der Einwechslung mit ihm die Doppelspitze in einem neuformierten 3-5-2.
Das funktionierte. Der umtriebige, aber gegen Bremen trotz aller spielerischer Momente erfolglose Portugiese wirbelte weiter, Guirassy brachte mehr Physis und Präsenz im Zentrum. Und dann stand der Angreifer 16 Minuten nach seiner Einwechslung bei einem bösen Fehler vom Amos Pieper, der von Jobe Bellingham unter Druck gesetzt worden war, richtig und vollendete so abgezockt, wie man es eigentlich von ihm kennt.
"So etwas spielt bei einem Stürmer im Kopf eine gewaltige Rolle"
"So ein Tor zu machen, im richtigen Moment, wenn du dann vor der Bank reinkommst, das tut natürlich sehr gut", glaubt Kobel. Der Keeper konnte sich in den vergangenen Wochen durchaus in die Situation seines Mitspielers versetzen. "So etwas spielt bei einem Stürmer im Kopf natürlich eine gewaltige Rolle. Das Mentale oder Emotionale ist im Fußball ein wirklich extrem großer Faktor", findet der Schweizer: "Man hat ihm das nicht wirklich angemerkt. Aber einer wie er, der gewohnt ist, am Fließband die Dinger reinzuknallen, den frustet das natürlich schon."
Und da kann auch der Schlussmann schon einmal den weiten Weg bis ganz nach vorne gehen, um sich mit seinem Mitspieler zu freuen und Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. "Ich habe ihn einfach kurz abgeklatscht. Ich freue mich extrem für jeden, der ein Tor schießt, und in so einem Moment natürlich noch mehr."