Weihnachten wurde in Kairo aber gar nicht wirklich gefeiert. Im Hotel habe es zwar Weihnachtsbäume gehabt, diese seien jedoch nur für die Touristen, sagt Koller beim Blick. Eine Pause gab es auch nie, denn am 25. Dezember sei jeweils Spieltag gewesen, drei Tage später dann noch ein weiteres. "Es war brutal intensiv. Umso mehr geniesse ich in diesem Jahr die Festtage in der Schweiz mit der Familie."
Die Entlassung im April kam für Koller überraschend, niemand hätte damit gerechnet. "Wenn du in Europa solche Erfolge gefeiert hättest und dann in einem Champions-League-Halbfinal unglücklich rausfliegen würdest, dann würdest du weiter fest im Sattel sitzen." Bei Al-Ahly sei dies jedoch anders, nach jedem Spiel könne der Wind drehen. "Ein paar Tage später hat er den gesamten Staff ins Büro gebeten, um sich persönlich von uns zu verabschieden. Als Andenken gabs dann einen Pokal aus Glas."
Zurück in der Schweiz, verfolgt er natürlich auch den heimischen Fussball. Vor 25 Jahren war er noch der grosse Meistermacher beim FC St.Gallen, obwohl die Konkurrenz mehr Geld hatte. Ob dies auch heute noch möglich wäre, beantwortet Koller mit dem Beispiel des FC Thun. Da sehe man, was als Aufsteiger alles möglich ist. Auch dank Trainer Mauro Lustrinelli und Ruhe im Umfeld. "Bereits vor zwei Jahren kratzte man in der Barrage gegen GC am Aufstieg, nun wird man für die Kontinuität belohnt."
Aber nicht nur in St.Gallen war Koller, sondern auch beim Grasshopper Club Zürich. Dort, wo zurzeit ein Stadion-Projekt läuft, das Jahr für Jahr verzögert wird. Dies macht ihn wütend. "Wir haben zwei Abstimmungen gehabt, das Volk hat sich für das Stadion ausgesprochen und trotzdem wird nicht gebaut. Das ist schade. Weil das Projekt ja zusätzlich mit Wohnraum verbunden ist."
Den Nati-Job lehnte er zweimal ab
Zurzeit wohnt der Zürcher in Laax, geniesst dort die Bergluft und die Natur. Im kleinen Laax kann er runterfahren. Zuletzt gab es allerdings Gerüchte um ein neues Engagement bei der ägyptischen Nationalmannschaft, sollte diese am Afrika Cup nicht überzeugen. Ein grosses Turnier sei immer interessant, sowohl für das Land und die Spieler etwas Grosses. "Etwas, das für immer bleibt. Als wir mit Al-Ahly an der Klub-WM gegen Real Madrid spielen durften, war das ein Highlight der Vereinsgeschichte."
Nationaltrainer war Koller ja bereits in Österreich, nicht aber in der Schweiz, "weil ich zweimal abgesagt habe". Ein erstes Mal wollte er 2000 die Ostschweiz nach dem Titel nicht verlassen, 2014 nach dem Rücktritt von Ottmar Hitzfeld habe er schweren Herzens abgesagt, "weil meine Mission in Österreich noch nicht beendet war". Eine Entscheidung gegen das eigene Land sei zwar schwierig gewesen, er habe aber auf sein Bauchgefühl gehört.