Es könnte ein Abschied werden. Ein Abschied, ohne Blumenschmuck und warme Worte, sondern mit Pfiffen und Unmutsbekundungen, nicht nur von der Waldemar-Klein-Tribüne. Kickers Offenbach hat auf dem anvisierten Weg in die 3. Liga in der bisherigen Saison den Rückwärtsgang eingelegt und steht in der Regionalliga Südwest nach 19 Spielen nur noch einen Punkt über dem potenziellen Abstiegsrang 14.
Der neue Sport-Geschäftsführer Martin Pieckenhagen bemüht sich seit seinem Amtsantritt am 21. November erst gar nicht, irgendwelche Treuebekenntnisse oder branchenübliche Floskeln zu strapazieren, sondern nimmt Mannschaft und Trainer in die Pflicht. Bis zur Winterpause, so der Plan, werde sich Pieckenhagen alles ansehen und dann werden Entscheidungen gefällt. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu erahnen, zu welchen Schlüssen Verantwortliche eines emotional aufgeladenen Traditionsklubs kommen, wenn es auf ganzer Linie nicht läuft.
„Ich werde kämpfen, ich habe schon immer gekämpft.“ (OFC-Trainer Kristjan Glibo)
Coach Kristjan Glibo ist somit schwer angezählt. Das Heimspiel am Freitag gegen den 1. FSV Mainz 05 II bietet ihm und seiner Mannschaft noch eine letzte Chance, auf das wacklige Gebilde einen stabilen Baustein für eine gemeinsame Zukunft zu legen. "Ich werde kämpfen, ich habe schon immer gekämpft", unterstrich ein sichtlich aufgewühlter Glibo am Donnerstag in einem Interview auf dem vereinseigenen YouTube-Kanal. Der 43-Jährige erwartet von seiner Mannschaft den gleichen Widerstands-Geist, den es auch brauchen wird, da mit der U 23 der Mainzer der Tabellendritte am Bieberer Berg Station macht. Eine ungleich schwerere Aufgabe als zuletzt bei Abstiegskandidat Alzenau, bei der der OFC so gut wie alles schuldig blieb und mit 0:2 die verdiente Quittung erhielt.
"Diese Leistung war nicht akzeptabel", erneuerte Glibo am Donnerstag die Kritik und nimmt seine Mannschaft in die Pflicht: "Jetzt geht es darum, dass jeder Spieler zeigt, warum er dieses Trikot anhat, für was er steht und darum, sich zu zerreißen." Der Offenbacher Trainer präzisiert: "Es wird auf die Grundtugenden ankommen. Wir müssen Gier haben, wir müssen auch eine gewisse Härte an den Tag legen, diese Zweikämpfe zu führen." Nur so gehe es, denn "geredet wurde genug", wie Glibo unterstreicht. Seinen eigenen wackligen Stuhl als Ausrede für einen wackligen Auftritt gegen Mainz anzuführen, das will Glibo nicht gelten lassen: "Es ist nicht damit getan, nur mit dem Finger zum Trainer zu zeigen."
Barry kehrt zurück
Leicht wird es dem gebürtigen Bruchsaler nicht gemacht. Die, die da sind, bringen viel zu selten ihre Topleistung auf dem Platz, dazu erschwert eine lange Ausfallliste die Mission Trendumkehr. Gegen die FSV-Talente wird der kranke Keanu Staude fehlen, Maximilian Rossmann nach Roter Karte und Ronny Marcos nach der fünften Gelben Karte sind von Sperren betroffen. Immerhin hat sich die Erkältung von Ouassim Karada als nicht besonders schwerwiegend herausgestellt. Der 20-jährige Defensivmann wird genauso wie Boubacar Barry im Kader stehen. Barry, mit vier Treffern immerhin einer der vier Top-Torschützen des OFC, hat seine Knöchelverletzung auskuriert und ist nach drei absolvierten Trainingseinheiten zumindest fit für ein paar Minuten.
Auch angesprochen auf die Ausfallliste wischt Glibo alle Ausflüchte beiseite: "Ja, wir haben Personalprobleme, die sind nicht über Nacht gekommen, doch die gilt es wegzublenden." Für den Kickers-Coach steht fest: "Einsatz und Bereitschaft müssen in einem drinnen sein, dann können wir auch Mainz schlagen." Vielleicht könnte damit der befürchtete Abschied auf unbestimmte Zeit vertagt werden und nicht nur die Waldemar-Klein-Tribüne stattdessen Anlass für Freudengesänge haben. Martin Pieckenhagen wird genau hinsehen.