Die mögliche WM-Teilnahme im Sommer ist natürlich ein großer Antrieb für Igor Matanovic. Daraus machte der 1,95-Meter-Mann nach seinem erlösenden Siegtor gegen den HSV erst gar keinen Hehl. "Seit ich klein bin, ist das der größte Traum, den man sich erfüllen kann. Jetzt ist er zum Greifen nah, aber noch nicht da", sagte der SC-Stürmer bei DAZN und gab sich selbst eine Marschroute mit auf den Weg: "Wir haben viele Spiele vor der Brust, jetzt muss ich weitermachen und einfach weiter Gas geben."
Denn abseits seines Treffers überzeugte Matanovic gegen den HSV auch ansonsten in seiner bisher fast immer ausgeübten Jokerrolle. Er war offensiv mit mehreren Abschlüssen präsent und auch im Anlaufen griffig. Auch, wenn so gut wie jeder Profi am liebsten Stammspieler sein möchte, könnte sich Matanovic auch als treffsicherer und effektreicher Edeljoker für Kroatiens WM-Kader empfehlen. Denn gerade bei solchen Turnieren braucht es auch Rollenspieler und nicht nur gesetzte Leistungsträger.
"Den WM-Traum würde ich ihn natürlich gönnen, weil er einfach ein feiner Junge ist, weil er sehr an sich arbeitet, dabei auch demütig ist und sich was sagen lässt", sagt Vincenzo Grifo. Dem 32 Jahre alten Freiburger Abo-Top-Scorer war eine Teilnahme an einem großen Turnier mit Italien zwar nicht vergönnt, aber im Rahmen seiner neun Länderspiele (vier Tore) spielte er mit einigen Superstars zusammen und hat als Teil des Bundesliga-Inventars insgesamt reichlich Erfahrung vorzuweisen.
Grifos Lob und Erinnerungen an Gladbach
Grifo traut dem zehn Jahre jüngeren Offensivkollegen einiges zu. "Igor bringt unglaublich viel mit, ist groß, in der Luft gut und hat auch Abschlussqualitäten." Von seiner Rolle als Einwechselspieler solle sich Matanovic nicht unterkriegen lassen: "Er muss die Qualität umwandeln in solche Momente wie gegen den HSV." Und der positive Ertrag solle Matanovic anspornen, mit großem Willen weiter für mehr Spielzeit an sich zu arbeiten. Grifo: "Dann bin ich mir ziemlich sicher, wird er auch seine Chancen bekommen."
Zuletzt mahnten Trainer Julian Schuster und Sportdirektor Klemens Hartenbach bei Matanovic zur Geduld. "Er sollte als Einwechselspieler nicht versuchen, in diesen Minuten die Welt einzureißen, sondern sich auf die Anforderungen des Trainerteams konzentrieren. Genauso bei der nächsten Chance in der Startelf", sagte Hartenbach unter anderem.
„So soll es ja irgendwie auch sein, weil no risk, no fun!“ (Vincenzo Grifo)
Den Hang zum Aktionismus in beschränkten Einsatzzeiten kann Grifo allerdings gut nachvollziehen - im Rückblick auf eine andere Phase seiner Karriere. "Das ist ein Stück weit auch normal. Das ging mir auch so mit 23, 24, als ich in Gladbach nicht so zum Zuge kam. Wenn du dann reinkommst und hast nur noch 20, 22 Minuten, gehst du vielleicht eher ins Risiko", sagt der Standardspezialist und fügt mit seinem typischen Schmunzeln hinzu: "So soll es ja irgendwie auch sein, weil no risk, no fun!"
Denn nur Bälle annehmen und "irgendwie alibi-mäßig weiterspielen", davon werde ein Trainer "auch nicht immer überzeugt sein", findet Grifo und sagt: "Deswegen gilt es dann, die perfekte Mitte zu finden." Eine Schluss-Empfehlung sicher ganz nach Hartenbachs Geschmack. Der Sportdirektor fordert schließlich eine "Balance" in Matanovics Spiel für den angestrebten Fortschritt.
Bei allem Verständnis für jugendlichen Sturm und Drang, letztlich spricht auch aus Grifo die große Erfahrung und jahrelange Prägung beim Sport-Club. Seine eindrucksvolle Entwicklung, mit der er bald Freiburger Rekordtorschütze werden dürfte, beruht vor allem darauf, dass Grifo fachkundige Ratschläge und -mahnungen - vor allem von Christian Streich - beherzigt hat und nach wie vor bereit ist, dazuzulernen und sich zu verbessern. Damit taugt er als leuchtendes Vorbild, nicht nur für Matanovic.