Klara Bühl fachte die Fans an, als sie nach einer halben Stunde zum Eckball hinausging. Es lief gerade die Phase des großen Powerplays im Hinspiel zwischen Deutschland und Spanien. Nicht unwesentlich hing das an Bühl selbst, die auf ihrem linken Flügel ein ums andere Mal Gegenspielerin Ona Batlle stehen lassen hatte.
Das Problem: Zu einem Tor oder einem Assist reichte es beim 0:0 in Kaiserslautern am Freitag nicht. Damit ist auch die Ausgangsposition vor dem Rückspiel an diesem Dienstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) in Madrid längst nicht so angenehm, wie sie nach der starken deutschen Leistung hätte sein können.
"Natürlich kann man sagen, dass die Effektivität besser werden muss", sagte Bühl selbstkritisch: "Ich habe aber auch als Offensivspielerin gelernt, dass man jede Aktion ein bisschen separiert sehen muss. Du schießt immer aus einem unterschiedlichen Winkel, es sind immer unterschiedliche Spielerinnen da." Das Thema sei "unglaublich detailliert und facettenreich". Anders als etwa im Spielaufbau, wo sich der Gegner normalerweise immer gleich aufstelle.
Nüsken erwartet "wachere, agilere" Spanierinnen
Mit ihrer Beschleunigung, ihren Dribbelfähigkeiten und ihrer Übersicht wird es auch in Madrid stark auf Bühl ankommen, wenn das DFB-Team die Überraschung schaffen und den Titel der Nations League gewinnen will. Eine Einzelaktion wie beispielsweise beim 2:2 gegen Frankreich könnte entscheiden.
"Das werde ich mir auf jeden Fall vornehmen, weil ich glaube, dass das eine meiner Stärken ist, die ich ins Team einbringen kann. Deswegen hoffe ich, dass ich die Räume bekomme." Am Freitag hatte sie diese, obwohl die spanische Hintermannschaft gewiss schon vor Anpfiff um Bühls Gefährlichkeit wusste.
Aber ob das noch einmal so kommt? "Ich denke, dass die Spanierinnen von Anfang an viel agiler, viel wacher sein werden", warnte Mittelfeldspielerin Sjoeke Nüsken. "Gerade zu Hause. Ich glaube, sie haben gemerkt, dass sie viel mehr investieren müssen, als sie vielleicht dachten." Umso mehr muss die deutsche Auswahl die Chancen nutzen, die sich ihr bieten.
„Sie muss Ihre Quantität in Qualität ummünzen.“ (Christian Wück über Klara Bühl)
"Dieses Thema Effizienz vor dem Tor wird nicht innerhalb von Wochen oder Monaten erledigt sein", sagte Bundestrainer Christian Wück nach dem Hinspiel. Und blickte dann auf seine Unterschiedsspielerin in der Offensive.
"Sie muss Ihre Quantität in Qualität ummünzen. Die Häufigkeit, mit der sie ins Eins-gegen-eins geht und durchkommt, mit der sie zu Abschlüssen kommt, die ist top", lobte Wück Bühl: "Die ist auf Weltklasse-Niveau. Jetzt brauchen wir noch die richtige Entscheidung."
Heißt etwa: Wann gehe ich außen an der Gegenspielerin vorbei, um dann mit links zu flanken? Wann spiele ich in den Rückraum? Und wann ziehe ich - wie die beidfüßige Bühl es grundsätzlich am liebsten tut - nach innen, um mit rechts abzuschließen? In manchen Partien versteift sich die 24-Jährige zu sehr auf eine Variante und wird dadurch ausrechenbar.
"Klara ist eine absolute Weltklasse-Spielerin", hob Wück noch einmal hervor. Was also wäre, wenn sie jetzt den nächsten Schritt macht und ihre Torausbeute steigert? "Ich weiß nicht, was dann noch über Weltklasse geht", überlegte der Coach. "Aber dann wäre sie das." Ein passender Zeitpunkt für den Beweis wäre dieser Dienstagabend im Estadio Metropolitano.