Ertönt schon bald "Alles neu" von Peter Fox als neue Stadionhymne im Ansbacher Xaver-Bertsch-Sportpark? Unwahrscheinlich, auch wenn der Titel des Liedes die aktuellen Entwicklungen bei der dort heimischen SpVgg Ansbach ziemlich genau auf den Punkt trifft.
An der Rezat bleibt momentan kein Stein auf dem anderen. Personell haben die Nullneuner einen massiven Umbruch zu managen. Mit Stammkeeper Sebastian Heid (TSV Pfofeld), Vize-Kapitän Michael Belzner (TSV Marktbergel), Innenverteidiger Jonas Bayerlein (DJK Abenberg) und Top-Torjäger Michael Sperr (SG Herrieden) waren bereits vier absolute Leistungsträger der letzten Jahre bekannt, die den Regionalligisten verlassen werden. Und damit noch nicht genug. Nach kicker-Informationen steht den Nullneunern ein weiterer schwerwiegender Abgang bevor. Um welche Personalie es sich handelt, wird zeitnah vom Verein veröffentlicht.
Um diesen Aderlass zu verkraften hat Ansbach mit frischem Blut in Person von Luis Althaus (1. FC Saarbrücken U 19), Mirko Puscher (TSV Nördlingen), Lukas Peterson (SpVgg Bayreuth), Johannis Zimmermann (VfB Eichstätt), Noah Zerihun Gebre (TSV Kornburg) nachgelegt. Ein weiterer Stürmer soll zeitnah noch zum Kader dazustoßen.
Flutlicht steht zum Saisonauftakt
Dieses frische Blut wird auch vonnöten sein, um die Zukunft in der Regionalliga, die die Nullneuner nun schon drei Jahre lang ihre Heimat nennen können, zu sichern. Dass sich der Verein enorm verändert und vor allem professionalisiert hat, ist nicht erst seit wenigen Monaten spürbar. Das lang ersehnte Flutlicht wird am 14. Juli - also rechtzeitig zum Eröffnungsspiel gegen die SpVgg Bayreuth - fertiggestellt sein. Die Fans haben im neu gebauten Mader-Fantreff im Erdgeschoss des ebenfalls sanierten Vereinsgebäudes einen neuen Versammlungsplatz erhalten.
Wenn man Ansbachs Sportlichen Leiter und Aufstiegscoach Christoph Hasselmeier nach den aktuellen Entwicklungen bei den Nullneunern fragt, kommt er nicht um das Wort "Quantensprünge" herum. "Und sie hören nicht auf", erklärt der Funktionär. Mit dem "Energie-Technik-Center Loy" ziert ein neuer Hauptsponsor die Ansbacher Trikots, die übrigens auch brandneu entworfen wurden und vom neuen Ausrüster 11Teamsports kommen.
Stadionumbau - VIP-Bereich mit Dachterasse
Und es geht noch weiter. Das Stadion wird schon bald ein neues Gesicht erhalten. Die Gegengerade, bislang eine dreistufige Steintribüne mit Stehplätzen, wird in Zusammenarbeit mit Stadt, Stadtwerken und Sparkasse vergrößert und überdacht. Das Dach der neuen Tribüne soll mit Photovoltaik bestückt werden und das gegenüberliegende Freibad speisen. Baubeginn des neuen 100 Meter langen und sechsstufigen Schmuckstücks ist der 1. November. Bis zum Start der Rückrunde Mitte März soll der Umbau abgeschlossen sein. Parallel dazu soll auch das Vereinsheim umgebaut und mit einem exklusiven Partnerbereich inklusive Dachterrasse und separatem Eingang versehen werden.
Dass Hasselmeier zunächst als Spieler, dann als Trainer und nun als Sportlicher Leiter seinen Herzensklub an die Schwelle des Profifußballs gebracht hat, lässt den 34-Jährigen immer wieder in Erinnerungen schwelgen. "All das wäre so nicht passiert, wenn wir vor sechs Jahren in der Bayernliga nicht begonnen hätten, so intensiv zu arbeiten", ist sich der Funktionär sicher.
Mit 21 Feldspielern sieht er den aktuellen Regionalliga-Kader gut aufgestellt. Seit Mitte Juni lässt Cheftrainer Niklas Reutelhuber seine Schützlinge wieder schwitzen. Der Eindruck ist bislang sehr positiv. "Ich bin echt zufrieden mit den Jungs. Ganz viele Spieler bringen schon eine hohe Fitness mit."
Dennoch ist der Umbruch im Kader spürbar. "Wir sind froh, dass wir noch die zwei Wochen bis zum Saisonauftakt haben. Bei sechs Neuzugängen muss man dafür sorgen, eine totale Einheit zu werden. Aber die Stimmung ist top und die Jungs sind auf dem Weg dahin", so der Chefcoach.
„1:1 werden diese Spieler nicht zu ersetzen sein.“ (Niklas Reutelhuber)
Ganz so einfach wird die Masse an Qualität aber nicht zu ersetzen sein. Vorne fehlen Sperrs 13 Treffer, hinten die Erfahrung von Belzner, Bayerlein und Heid, die zusammen 617 Pflichtspiele für Ansbach bestritten. "1:1 werden diese Spieler nicht zu ersetzen sein", weiß Reutelhuber und führt aus: "Das ist aber auch der falsche Gedanke. Der Ansatz muss im Kollektiv liegen. Es müssen andere Verantwortung übernehmen und das auch wollen."
Darüber hinaus verfüge das Team nach wie vor über individuelle Klasse: "Wir haben immer noch jede Menge Qualität im Kader. Es gibt ein paar Spieler, denen ich 13 Tore in einer Saison zutraue." Mögliche Kandidaten wären Urgestein Patrick Kroiß, Niklas Seefried, oder vielleicht sogar einer der Neulinge? Wenn Ansbach am 24. Juli gegen Bayreuth aufläuft, wird vieles neu sein - das Team, das Flutlicht, vielleicht sogar der Torschütze. Nur Peter Fox muss draußen bleiben.