Der SK Sturm hat am Donnerstag einen durchwachsenen Europacup-Abend aus rot-weiß-roter Sicht ein Stück weit gerettet. Mit einem 2:1-Achtungserfolg über die Glasgow Rangers haben die Grazer nicht nur erstmals in der Ligaphase der Europa League angeschrieben, sondern gleichzeitig auch wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung geholt.
Und der Rest? Ging leer aus. Bereits am frühen Abend kassierte der SK Rapid auswärts bei Lech Posen eine 1:4-Schlappe, rund zwei Stunden später setzte es auch für Red Bull Salzburg eine Niederlage. Auswärts bei Olympique Lyon mussten sich die Bullen mit 0:2 geschlagen geben.
Schweiz sitzt Österreich dicht im Nacken
Problematisch sind die enttäuschenden Auftritte von Rapid und Salzburg nicht nur für die Klubs selbst, sondern auch für das Land, das sie international vertreten. Aktuell liegt Österreich in der Fünfjahreswertung auf einem Schleudersitz. Rang 15, den Österreich derzeit belegt, garantiert fünf Europacup-Startplätze. Sollte man mit Ende der laufenden Europacupsaison tatsächlich einen oder gar mehrere Plätze abrutschen, gäbe es in der Saison 2027/28 nur noch vier rot-weiß-rote internationale Starter. Und keinen Fixplatz in einer der drei Ligaphasen.
Ein Blick auf die Fünfjahreswertung zeigt, wie prekär die Lage wirklich ist. Österreich hält bei 32,150 Punkten, der Vorsprung auf die Schweiz beträgt nur noch 0,450 Punkte. Erschwerend kommt hinzu, dass jeweils der erste Wert mit Saisonende aus dieser Tabelle fliegt (weil dann mit der Saison 2026/27 ein neuer Wert hinzugezählt wird). Österreich verliert damit zeitnah seine beste Saison, holten die Klubs 2021/22 doch unglaubliche 10,400 Punkte. Es war jene Spielzeit, in der Salzburg sensationell bis ins Achtelfinale der Champions League vordrang und der LASK in der Conference League den Sprung in die Runde der letzten 16 schaffte. Rapid erreichte nach dem Aus in der Europa-League-Gruppenphase immerhin die Conference-League-Zwischenrunde. Europaweit sicherte sich man damit die achtmeisten Punkte aller Länder.
Doch vorbei sind die guten alten Zeiten. Bis auf die Saison 2024/25, in der Österreich - nicht zuletzt wegen der Punkte-Inflation durch die UEFA-Reform - 9,550 Punkte erringen konnte, war es in den vergangenen Jahren eine stetige Talfahrt aus rot-weiß-roter Sicht.
Schweiz holt Punktemaximum
Der Grund, warum es im Kampf um Rang 15 für die heimischen Klubs nun richtig eng wird, ist mitunter die perfekte Woche der Schweizer Klubs. Mit Lausanne, den Young Boys Bern und dem FC Basel konnten alle drei Klubs aus dem Nachbarland ihre Spiele gewinnen. Lausanne qualifizierte sich als Vorjahresfünfter der Schweizer Super League für das internationale Geschäft und schaffte es in die Conference League. Dort feierte das Team von Ex-Salzburg-Trainer Peter Zeidler einen 3:0-Sieg über den isländischen Vertreter Breidablik. Zeitgleich jubelten auch die Young Boys in der Europa League. Auswärts beim FCSB Bukarest siegte Bern mit 2:0. Für die größte Überraschung sorgte am späten Abend der FC Basel. Das Team um ÖFB-Legionär Flavius Daniliuc gewann gegen den VfB Stuttgart dank der Treffer von Albian Ajeti und Xherdan Shaqiri mit 2:0.
Während die Schweiz, die wie Österreich die Hypothek des Fünferdivisors trägt, in dieser Woche für ihre drei Erfolge 1,200 Punkte gutgeschrieben bekam, waren es bei Österreich dank Sturm 0,400. Der 13. Polen (37,375 Punkte) und 14. Dänemark (36,481 Punkte) sind für Österreich ohnehin schon weit enteilt und haben zudem einen Vierer- anstelle eines Fünferdivisors. Womit jeder Sieg de facto mehr wert ist.
Es wird nicht einfacher
Schon am kommenden Europacup-Spieltag könnte die Schweiz Österreich überholen. Möglich ist dies beispielsweise schon dann, wenn die heimischen Klubs leer ausgehen und jene aus der Schweiz einen Sieg sowie ein Unentschieden holen. Der gefürchtete 16. Rang würde für Österreich damit (vorerst) Realität werden.
Das Programm mutet eher bedrohlich an. In der Europa League erwartet Sturm ein schwieriges Gastspiel bei Celtic Glasgow, Salzburg empfängt den ungarischen Rekordmeister Ferencvaros und Rapid trifft vor heimischer Kulisse auf Serie-A-Klub AC Florenz. Das Programm der Schweizer Klubs wirkt eine Spur einfacher: Zwar muss der FC Basel in der Europa League zu Salzburg-Bezwinger Olympique Lyon, die Young Boys treffen hingegen vor heimischer Kulisse auf Ludogorets Razgrad. Der FC Lausanne gastiert in der Conference League beim maltesischen Klub Hamrun Spartans.