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Respekt statt Hierarchie: Ex-Profi Herzenbruch ist Velberts leiser Leader

kicker

Felix Herzenbruch ist längst mehr als nur Innenverteidiger. Seine Vita: 74 Drittliga-Partien, 205 Einsätze in der Regionalliga West - unter anderem für den SC Paderborn, Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiss Essen.

Anfang 2024 wechselte er nach Velbert - zu einem Team, das zwar als Favorit in die Oberliga-Saison gestartet war, aber acht Punkte Rückstand auf die SpVg Schonnebeck aufholen musste, um sich am Ende doch noch den Titel zu sichern.

„Uns ist klar: Das wird sehr, sehr schwer.“ (Felix Herzenbruch über die Regionalliga West)

"Wir hatten lange nicht mehr damit gerechnet, aber dass wir den Rückstand noch aufholen und es am Ende in der eigenen Hand hatten, war umso schöner", erinnert sich der 32-Jährige. Nun wartet die Regionalliga - mit jungem Kader und kleinem Etat gegen Gegner mit Profi-Strukturen. "Uns ist klar: Das wird sehr, sehr schwer. Aber jeder Punkt ist doppelt so viel wert - mit unseren Mitteln ist jeder Erfolg etwas Besonderes", bleibt er realistisch.

Für Trainer Ismail Jaouri ist es die Premiere in der Regionalliga. Gleich im ersten Jahr als Seniorencoach gelang der Aufstieg - auch dank des Zusammenspiels mit dem erfahrenen Abwehrchef. "Er ist jemand, der uns zuhört, offen ist und zwischenmenschlich agiert - das ist selten", lobt "Herze" seinen Coach.

Der Wechsel nach Velbert war eine bewusste Entscheidung - raus aus dem Profi-Karussell, hin zu mehr Balance. Trotz Angeboten aus höheren Ligen blieb er in der Region, um sein Studium in Essen zu beenden. Heute steht er im Referendariat an einer Realschule in Velbert - und verfolgt parallel seine sportlichen Ziele mit voller Ernsthaftigkeit.

Blick hinter die Fassade

Auch abseits des Platzes übernimmt "Herze" Verantwortung - als Autor. Sein Buch "55 Gründe, Fußballprofi zu werden" wurde für den DFB-Lesepreis "Lese-Kicker" nominiert. Zehn anonymisierte, ehrliche Anekdoten zeigen das echte Leben als Fußballer - jenseits von Highlight-Videos. "Einige wussten, dass sie gemeint sind und haben sich gefreut - Beschwerden gab es keine", sagt er.

„Fußballprofi zu sein, bedeutet nicht nur Glamour.“ (Felix Herzenbruch)

Gleichzeitig scheut Herzenbruch nicht davor zurück, auch die Schattenseiten zu benennen: "Fußballprofi zu sein, bedeutet nicht nur Glamour. Es gibt auch nervige Zeiten - tägliches Aufwärmtraining oder Beleidigungen von Fans", schildert der Wuppertaler. "Aber insgesamt überwiegen die schönen Momente."

In Velbert geht er voran - durch Vorbild, nicht Lautstärke. "Führungsspieler zu sein, heißt nicht, in der Kabine große Reden zu halten, sondern auf dem Platz und im Alltag voranzugehen - ich trage jedes Mal mit das Tor." Sein Führungsstil: Respekt statt Hierarchie. "Als ich aus der Jugend in die erste Mannschaft des Wuppertaler SV kam, wurden die Jüngeren noch angeschrien und herumgeschubst - so will ich als alter Spieler niemals sein."

Das Verhältnis zu Jaouri basiert auf Augenhöhe: "Der Trainer holt sich gerne meine Einschätzung, auch wenn er nicht immer alles genau so umsetzt." Jaouri bestätigt: "Er hat stets ein offenes Ohr für meine Meinung."

Regionalliga unter anderen Vorzeichen

Die neue Liga bringt neue Maßstäbe - aber unter ganz anderen Bedingungen. Während manche Gegner unter Vollzeitbedingungen arbeiten, trainiert Velbert nach Feierabend. "Natürlich ist es nicht einfach, wenn du nach acht Stunden Arbeit noch auf den Platz gehst", sagt Herzenbruch. "Aber gerade dann brauchst du Charakter - und ein Team, das füreinander da ist. Ich glaube, genau das haben wir."