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Ried-Sportchef Fiala: "Wenn junge Spieler ihre Chance bekommen, zeigen auch Berater Verständnis"

kicker

Herr Fiala, wie knapp war’s denn, dass die SV Ried ihren Trainer Max Senft an Sturm verliert - und war’s am Ende eine Frage des Geldes?

Unsere Position war relativ einfach. Da es nicht nur um den Cheftrainer, sondern auch um die drei Co-Trainer ging, habe ich Sturm gegenüber die finanzielle Bewertung dieses Trainerteams stets klar kommuniziert. Nachdem von Sturm allerdings nie etwas Schriftliches gekommen ist, haben wir gemeinsam mit Max und seinen Assistenten recht schnell entschieden, dass wir das Angebot ablehnen werden.

Hätten Sie schon Ersatz bei der Hand gehabt?

Es gehört zur professionellen Arbeitsweise eines Sportdirektors dazu, immer den Markt auf dem Schirm zu haben. Bei uns in Ried ist seit einiger Zeit klar, dass der Trainer und sein Team zu unserem sportlichen Konzept passen und sich innerhalb des vorgegebenen Rahmens bewegen sollen. Aber wie gesagt, wir waren in einer starken Verhandlungsposition und bald sicher, dass Max und sein Trainerteam in Ried weiterarbeiten werden.

Ein wenig überrascht hat der Abgang von Max Grosse zum GAK. Ist der Wunsch nach Veränderung vom Spieler ausgegangen?

Mark war in den letzten zweieinhalb Jahren ein wichtiger Spieler für uns und maßgeblich an unseren sportlichen Erfolgen beteiligt. Im Herbst war er aber nicht mehr uneingeschränkter Stammspieler. Die Konkurrenzsituation im Kader ist im Vergleich zur zweiten Liga eine andere geworden ist, was nach einem Aufstieg ja verständlich ist. Er war nicht glücklich mit dieser Situation und nachdem sein Vertrag im Sommer ausläuft, war die Entscheidung zu treffen, dass er uns schon im Winter verlässt.

Dafür wollen Sie Kingstone Mutandwa, der im Herbst mit acht Toren überzeugt hat, fix von Cagliari erwerben. Haben Sie da schon Fortschritte erzielt?

Wir stehen in engem Austausch mit seinen italienischen Beratern, die einen guten Draht zu Cagliari haben. Wir wissen, was wir an ihm haben. Uns ist aber auch bewusst, dass es bei einer Trefferfrequenz wie im Herbst zwar möglich sein könnte, ihn fix zu verpflichten, es jedoch sehr schwierig werden würde, ihn langfristig zu halten.

Mit Aisowieren vom FAC ist es Ihnen gelungen, zu den vier U-21-Nationalspielern der SV Ried einen weiteren dazuzuholen. Was sind Ihre Erwartungen in ihn?

Für Evan Eghosa ist es wichtig, sich bei uns zu akklimatisieren und zu integrieren. Er wird sich sicher an eine andere Dichte an Aktionen gewöhnen müssen, weil die Intensität in unserem Training und in weiterer Folge in der Bundesliga hoch ist. Er ist ein Spieler mit großem Spielverständnis, der viel Gefühl dafür hat, wohin er sich bewegen muss und er hat eine tolle, offene Persönlichkeit. Daher mache ich mir da keine Sorgen. Als österreichischer U-21-Nationalspieler ist er ein Spieler mit spannendem Profil, der gut in unsere Transferstrategie passt.

Wie gelingt es der kleinen SV Ried so viele Nachwuchs-Nationalspieler im Kader zu haben? Normal landen die Top-Talente doch in Salzburg oder bei den anderen Großklubs. Außerdem heißt es immer, sie seien so teuer, weil es für sie Geld aus dem Österreicher-Topf gibt.

Jonas Mayer und Fabian Rossdorfer kommen ja aus unserer Akademie, da haben sie sich gut entwickelt und sind sehr beharrlich und nachhaltig ihren Weg über die zweite Mannschaft gegangen. Da gibt es auch Verständnis von den Beratern, weil sie sehen, dass ihre jungen Spieler hier eine echte Chance kriegen. Dass sie nicht früher von anderen Klubs geholt wurden, war sicher auch darauf zurückzuführen, dass ihre Entwicklung vor ihrem ersten Spiel als Profi so noch nicht abzusehen war. Peter Kiedl und Nicolas Bajlicz haben wir von anderen Klubs verpflichtet, bei denen sie nicht so die Chancen bekommen haben. Wir haben aber ihre Qualität gesehen und es war die Arbeit von Lukas Brandl und mir, die Spieler zu überzeugen, zu uns zu kommen und das Trainerteam hat sie bei uns weiterentwickelt.

Die meisten Klubs scheuen sich junge Spieler einzusetzen, weil sie ihre Ziele gefährdet sehen. Warum ist das in Ried anders?

Der entscheidende Punkt ist der richtige Mix. Es sagt ja niemand, dass wir nur mit jungen Spielern spielen. Laut Statistik waren wir im Herbst mit einem Altersschnitt von 28,2 Jahren sogar eine der älteren Mannschaften in der Bundesliga, obwohl wir die meisten österreichischen U-21-Minuten aller Teams gehabt haben. Wir haben in den letzten Jahren ganz bewusst führungsstarke Spieler wie Andreas Leitner, Michael Sollbauer, Christopher Wernitznig oder Oliver Steurer geholt, die den Jungen mit ihren Leistungen Halt geben können. Nur mit U-20-Spielern wird's nicht gehen, Salzburg vor ein paar Jahren vielleicht ausgenommen.

Kommt jetzt auch noch ein junger Stürmer aus Südafrika dazu?

Es gab einen südafrikanischen Top-Klub (Mamelodi Sundowns; Anm.), der Interesse an unserem Spieler Antonio van Wyk hatte. Sie haben eine Menge Geld geboten, aber wir wollten entweder mehr Geld oder eben einen jungen, talentierten Spieler von ihnen im Tausch zu uns holen. Das wollten sie aber nicht machen.

Aber es scheint, als hätten Sie Südafrika als Markt für sich entdeckt?

Wir wollen eher das gesuchte Spielerprofil sehr genau definieren und bei den Märkten etwas offener bleiben. Das mit unseren Südafrikanern hat sich einfach gut ergeben. Mit dem Abgang von Belmin Beganovic zu Sturm im Sommer 2024 haben wir einen ähnlich schnellen Spieler gesucht, der womöglich noch bessere Fähigkeiten im klassischen Eins-gegen-Eins hat. Da hat unser Co-Trainer Moritz Kossmann, der lange in Südafrika gelebt und gearbeitet hat, den Toni ins Spiel gebracht. Nach unserem Video- und Datenscouting haben wir gesehen, dass er wirklich gut in unser gesuchtes Profil passt.

Besonders glücklich sind wir darüber, dass Yusuf Maart zu uns gekommen ist. Er ist nicht nur ein sehr guter Spieler, sondern auch ein hervorragender Typ. Mittlerweile nimmt er eine äußerst wichtige Rolle ein, weil er sich sowohl mit van Wyk und den anderen Legionären, als auch mit den österreichischen Spielern sehr gut versteht. Wir haben erkannt, wie wichtig es ist, unter den ausländischen Spielern einen Leader zu haben, der als Bindeglied zu den heimischen Akteuren fungiert. Er zieht die anderen mit, sodass alle an einem Strang ziehen.

Südafrika ist insofern für uns ein spannender Markt, weil die Spieler Englisch sprechen und kulturell gut zu uns passen. Gleichzeitig haben wir klar festgelegt, dass wir maximal vier Spieler aus weiter entfernten Drittstaaten - etwa aus Afrika oder Südamerika - im Kader haben wollen, da sonst die Gefahr von Gruppenbildungen besteht.

Für die SV Ried ist der Österreicher-Topf eine wichtige Einnahmequelle, wie sehen Sie die Neuregelung?

Wir setzen Österreicher aus Überzeugung ein, aber der Österreicher-Topf hat schon geholfen, diese Überzeugung zu stärken. Wenn die Liga jetzt acht, neun Millionen Euro weniger Fernsehgelder im Jahr erhält, ist es klar, dass der Kuchen kleiner wird. Die Klubs haben sich auf dieses neue Modell geeinigt. Für uns heißt das, dass wir schauen müssen, das fehlende Geld über Transfers hereinzubringen. Aber auch das ist ein Anreiz, mit vielen jungen Spielern zu arbeiten, weil diese einen besseren Markt haben als ältere Spieler.

Sie haben in einem Sky-Interview vor einigen Wochen von einer Spielerbeschreibung gesprochen, die Ihre Trainer alle sechs Monate durchführen. Was hat es damit auf sich?

Das ist für Lukas Brandl und mich die Basis für unsere Kaderplanung. Niemand kennt die Spieler besser als die Trainer, deshalb beschreiben sie alle sechs Monate die Spieler innerhalb der Logik unseres Konzepts. Das heißt, sie beschreiben den Status quo, aber auch die Potenziale der Spieler und definieren daraus die individuellen Trainingsschwerpunkte und die passenden Spielerrollen in unserer Idee. Manchmal kommt man dann erst auf eine Idee, wie man einen Spieler noch einsetzen könnte. Das ist vor allem in der Akademie sehr hilfreich. Ergeben die Spielerbeschreibungen eines Sechsers in der U 16, dass er auf Basis aller beschriebenen Fähigkeiten sich eigentlich auch als Stürmer eignen müsste, probieren wir das auch aus.

Welche Unterscheidung machen Sie zwischen Spielerrolle und Position?

Je höher das Niveau eines Spielers, desto eher hat er die Fähigkeiten mehrere Positionen zu spielen. Wenn ich Joshua Kimmich als Beispiel hernehme, ist der nicht nur ein Weltklasse-Sechser, sondern auch als rechter Verteidiger ein Top-Spieler. Dazu könnte er sicher noch Zehner oder vielleicht ein Innenverteidiger in einer Dreierkette sein. Da reden wir vom Top-Top-Level, auf dem vielleicht ein Prozent der Klubs arbeiten.

Das ist zudem ein zentraler Punkt in der Entwicklung von Stürmern. Eines der häufig genannten Themen in der Ausbildung ist, dass wir in Österreich keinen klassischen "Neuner" hervorbringen. Dabei wird es in Zukunft nicht den einen Typ Neuner geben, sondern viele unterschiedliche Ausprägungen davon. Nehmen Sie Harry Kane her, der im Spiel der Bayern manchmal im Sechser-Raum den Spielaufbau vorantreibt. Seine Fähigkeit als Neuner ist dann, im entscheidenden Moment im Strafraum anzukommen und eine herausragende Schusstechnik zu haben.

Entscheidend ist, genau zu überlegen, welche Spielrolle zu den jeweiligen Fähigkeiten eines Stürmers passt. Es gibt etwa den großen Wandspieler wie Saliou Sane, den "Bulldozer" wie ihn Kingstone Mutandwa verkörpert, den Stürmer mit Tiefgang, der weniger physisch ist oder den klassischen Box-Stürmer. So einer war zum Beispiel Wilfried Eza, unser Top-Torschütze aus der Meistersaison. In der Bundesliga brauchen wir aber andere Ausprägungen eines Stürmers, weil unsere spielerische Dominanz weniger geworden ist. Diesen Kontext muss man bei den Spielerrollen und damit in der Kaderplanung immer mitdenken.

Deshalb versuchen wir, in unserer Akademie mehr Flexibilität in die Ausbildung zu bringen und die Spieler in unterschiedlichen Rollen zu schulen, sodass die Spieler in ihren idealen Rollen spielen und dort vielfältiger werden. Gleichzeitig ist diese Flexibilität auch in der Kaderplanung wichtig, weil wir Spieler mit unterschiedlichen Stärken haben wollen, um in jeder Spielphase die passende Antwort geben zu können.

Um wieder profaner zu werden: Die SV Ried hat auf Platz 6 überwintert, spekulieren Sie mit der Meistergruppe?

Wir streben immer nach dem Höchsten, aber es wäre schon ein absoluter Coup, wenn wir als Aufsteiger in die Meistergruppe kommen. Unser Ziel ist es, uns mittelfristig in der Liga zu etablieren, dafür müssen wir in der Liga bleiben, das bleibt unser Saisonziel. Über alles mehr würden wir uns natürlich freuen.