Schalke 04 hätte in Berlin als Verlierer vom Platz gehen müssen, stattdessen haben die Königsblauen ihre Tabellenführung nach den Punktverlusten der Verfolger Darmstadt 98 (3:3 in Bochum), SV Elversberg (2:3 in Nürnberg), SC Paderborn (0:2 in Kiel) und Hannover 96 (1:3 in Kaiserslautern) sogar noch ausgebaut.
Bedeutet auch: Selbst wenn die Schalker ihr erstes Heimspiel des Jahres am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) verlieren sollten, wären sie trotzdem noch alleiniger Spitzenreiter. Die Konkurrenz patzt im großen Stil, und das recht regelmäßig schon im gesamten bisherigen Saisonverlauf. Darauf kann, darauf darf sich der Primus aber nicht verlassen.
Tut er auch nicht. Den Schalkern ist bewusst, dass sie sportlich aus der Spur geraten sind. Der Trend, der sich auf dem Platz bereits vor Weihnachten gegen Nürnberg (1:0), Düsseldorf (2:0) und bei der Niederlage in Braunschweig (1:2) sportlich abzeichnete, hat sich zum Rückrundenauftakt fortgesetzt.
Keine Torchance in Berlin
Besonders bedenklich: Schalke war nicht nur erneut offensiv an Harmlosigkeit kaum zu überbieten (in 90 Minuten gab es für die Elf von Miron Muslic keine einzige Torchance im Olympiastadion), sondern wackelte abermals in der Abwehr. Die mit nur zehn Gegentoren stabilste Defensive der Liga büßt ihren hart erarbeiteten Ruf als sattelfeste Verteidigung immer mehr ein.
Dass die Gelsenkirchener trotzdem bereits zum zehnten Mal in dieser Saison ohne Gegentreffer blieben, war hauptsächlich einem Mann zu verdanken: Loris Karius erwischte seinen nächsten Sahnetag (kicker-Note 1, Spieler des Spiels). Der 32-Jährige wehrte nicht nur reihenweise Herthas Schüsse und Kopfbälle ab, sondern strahlte abermals große Sicherheit aus und bewies nicht zum ersten Mal beeindruckendes Timing bei seinen risikoreichen Ausflügen in die eigene Hälfte, wenn es seiner Meinung nach die Situation erforderte.
Auch der Trainer des Gegners lobte Karius in den höchsten Tönen. "Was Loris Karius gehalten hat, ist sensationell", sagte Stefan Leitl. "Er ist in einer unfassbaren Form." Beim Schlagabtausch der beiden Zweitliga-Giganten im Olympiastadion war bei Schalke 04 "jemand im Tor, der unüberwindbar war".
Karius fordert "den nächsten Gang"
Karius war alles andere als erfreut über den Dauerbeschuss während der 90 Minuten. "Unsere letzte Kette war leider sehr löchrig. Das war ein sehr glücklicher Punkt für uns", sagte der Keeper, um eine Forderung hinterherzuschieben: "Wir müssen wieder den nächsten Gang finden." Abschließend legte er den Finger in die Wunde und schilderte, was offensichtlich ist: "So kann man Platz 1 auf Dauer nicht verteidigen."
Dass Schalke 04 nach vorne nicht brilliert und defensiv auch mal einen schlechteren Tag hat, ist für Muslic zunächst einmal kein Grund zur Besorgnis. Ihm ist wichtiger, dass die Grundvoraussetzungen stimmen: Intensität, Aggressivität, Mut. Nun muss er es als Warnsignal werten, dass seine Mannschaft in diesen Punkten gegen Hertha BSC wenig überzeugend auftrat.
"Nicht die Intensität wie sonst"
"Wir hatten nicht die Intensität wie sonst", gab Innenverteidiger Timo Becker zu, der nach seiner mehrmonatigen Verletzungspause in die Startelf zurückgekehrt war. Auch der Mut im Ballbesitz war nicht derselbe wie in der Hinrunde, wie Karius andeutete: "“Wir waren viel zu hektisch und haben die Bälle nach vorne gekloppt." Er appellierte: "Wir müssen wieder ruhiger werden, wenn wir unsere Momente haben."
Für neue Impulse könnte Edin Dzeko sorgen - wie Sky am Wochenende zuerst berichtet hat, befinden sich die Schalker mit dem 39-jährigen bosnischen Nationalspieler in Gesprächen. Schalke 04 kann zwar nicht mit Geld locken, hat aber sonst ganz gute Argumente.
Sollte eine Verpflichtung tatsächlich zustande kommen, wäre der frühere Meisterspieler des VfL Wolfsburg und spätere Titelträger mit Manchester City und Inter Mailand mit seiner unvergleichlichen Vita auf Anhieb die größte Attraktion der 2. Liga. Eine Entscheidung könnte noch vor dem Spiel gegen Kaiserslautern fallen.