Das obligatorische Interview nach Schlusspfiff war eigentlich schon beendet, da wollte Verls Trainer Tobias Strobl am Mikrofon bei MagentaSport noch Grüße loswerden: "Ich war gestern bei einer Weihnachtsüberraschung für Reinhild. Bei jedem unserer Tore trinkt sie einen Eierlikör. Ich hoffe, dass die beiden Eierliköre heute geschmeckt haben, Reinhild, und wir dir eine Freude machen konnten."
Grund genug dazu hätte sie auf jeden Fall gehabt, überraschend dominant trat "ihr" SCV im Topspiel bei 1860 an der Grünwalder Straße von Beginn an auf, sodass Reinhild schon nach elf Minuten zum ersten Eierlikör des Tages - dem bereits 43. in der laufenden Saison - greifen durfte. In Führung liegend, gerieten die Ostwestfalen nur kurzzeitig ins Schwimmen, sodass Strobl insbesondere die "Ganzheitlichkeit" seiner Mannschaft hervorhob, die ihn in diesem Spiel sehr imponierte. "Es macht mich stolz, das so begleiten zu dürfen."
Wenig überraschend beantwortete Strobl die Frage nach der einen, entscheidenden Qualität seiner Elf, wegen der sie mindestens auf dem Aufstiegsrelegationsrang überwintern wird, auch mit "alle. Ich kann nicht eine herausheben." Sein Team gehe "unfassbar gut miteinander um. Das ist eine Gemeinschaft, in der jeder für jeden durchs Feuer geht. Auch in der Branche, in der es ja eigentlich auch um Einzelpersonen geht, haben sie sich als Gruppe echt gut gefunden. Fußballerisch ist es in allen Facetten etwas Besonderes".
Jacobsens Platzverweis als "Genickbruch"
Wenig von ihren Qualitäten konnten dagegen die Löwen auf den Platz bekommen. Florian Niederlechner, der aufgrund der Personalsorgen erstmals seit Ende Oktober in der Startelf stand, bemängelte speziell das zu zaghafte Auftreten. "Die erste Halbzeit war einfach nicht gut", bilanzierte der Angreifer. "Ich würde sagen, da waren wir einfach ein bisschen zu feig, nicht mutig genug."
In der Pause hätte man sich dann eigentlich viel vorgenommen, Thore Jacobsens Gelb-Rote-Karte machte diesen Plänen aber frühzeitig einen Strich durch die Rechnung. Aus Sicht von Niederlechner der "Genickbruch" in dieser Partie.
Trotz der ersten Niederlage nach vier Siegen in Folge liegen die Löwen weiter in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen. "Vollangriff" laute Niederlechner zufolge deshalb das Motto zum neuen Jahr - damit es dann womöglich am letzten Spieltag in Verl zum Showdown um den Aufstieg kommt? Klar ist: Sollte den Löwen die lang ersehnte Rückkehr ins Unterhaus gelingen, dürfte auch bei ihnen ordentlich Alkoholisches fließen.