Sven Bender (36) blickt im exklusiven kicker-Interview auf potenzielle Stellschrauben in der Rückrunde voraus, schildert Möglichkeiten seines Teams im Rahmen gestiegener Erwartungen und skizziert seine eigene Trainerkarriere-Planung.
Herr Bender, sind in der Winterpause aus personeller Sicht Veränderungen notwendig?
Personell wird sich jetzt erst mal nicht viel tun. Das muss man, glaube ich, auch nicht, wenn man so eine Hinrunde spielt. Und man hat auch gesehen, wir haben trotzdem noch viele Spieler und einen Kader, der breit genug ist. Die Jungs haben es hervorragend gemacht und ich glaube, ihnen muss man auch ein bisschen Vertrauen schenken. Es kann sich in der nächsten Zeit auch noch etwas ändern, aber es ist nicht so, dass es mein Wunsch ist, unbedingt viel zu verändern.
An welcher Stelle lässt sich noch etwas positiv verändern?
Es ist natürlich schon klar geworden, dass wir Probleme hatten, wenn wir die Bälle verloren haben. Da haben die Gegner natürlich auch ihre Chancen gewittert. Das heißt, wir müssen darauf auch einen Fokus legen und es noch stärker verhindern, dass die Gegner zu Torchancen kommen. Das hat uns dann doch den einen oder anderen Punkt gekostet. Gleichzeitig wissen wir auch, wo unsere Stärken liegen. Dass wir immer aktiv waren und intensiv auch gegen den Ball gearbeitet haben, daraus haben wir sehr viel rausziehen können. Und klar ist, dass man diese Dinge dann auch noch mal intensivieren kann im Training. Und vielleicht noch ein bisschen perfektionieren oder ausbauen.
„Das Balltempo muss hoch sein und wir müssen den Gegner schnell bewegen.“ (Sven Bender zum Hachinger Offensivspiel)
Zur Stärke der Mannschaft gehörte nicht, gegen tiefstehende und zweikampfstarke Gegner zu bestehen. Wie lässt sich das verbessern?
Prinzipiell muss man überlegen: Was mache ich mit Ball? Es gibt natürlich verschiedene Herangehensweisen. Eines ist der körperliche Aspekt. Die Duelle und Räume sind eng und das heißt, die Spieler müssen erst mal eine hohe Intensität und Körperlichkeit ins Spiel bringen. Wir haben uns auch oft über das Spiel mit Ball gegen tiefstehende Gegner unterhalten. Das Balltempo muss hoch sein und wir müssen den Gegner schnell bewegen, weil dieser natürlich in seinem kompakten Auftreten Sicherheit bekommt. Die zweite Frage ist auch: Was mache ich, wenn ich den Ball verliere? Das muss ja erst mal nicht das Schlimmste sein, wenn das passiert. Wenn ein Gegner tief und kompakt steht und gut gegen den Ball arbeitet, kann es ja auch sein, dass ich den Ball verliere. Ein Ballverlust kann aber manchmal vielleicht auch gewollt sein. Nicht, dass ich den Ball verliere, sondern aber, dass ich zumindest damit rechne.
Wären im eigenen Angriff mehr große und kopfballstarke Stürmer wünschenswert?
Ich bin in diesem Punkt eigentlich zufrieden. Wir haben gerade mit "Coco" (Stürmer Cornelius Pfeiffer; Anm. d. Red.) einen Spieler, der von seiner Statur her eigentlich gut drinsteht. Für ihn wird es auch in der Rückrunde darum gehen, was er daraus macht. Wie ist sein Timing? Wie setzt er seinen Körper ein, wie schirmt er die Bälle ab und wie kann er robust agieren? Vielleicht sieht man manchmal die fehlende Erfahrung bei ihm, das ist auch völlig legitim. Aber für den nächsten Schritt muss er schauen, wie kann ich mich da durchsetzen und wie werde ich cleverer in solchen Situationen. Das traue ich ihm auch zu, dass er das schafft.
Was ist in dieser Saison für Ihre Mannschaft möglich?
Dass wir dort stehen, wo wir gerade sind, war im Sommer nicht denkbar. Ebenso wenig, dass wir so gut mitspielen. Ich glaube, dass jeder einen Hunger auf mehr hat. Aber: Wenn wir so spielen wie in der Hinrunde, werden wir den Erfolg nicht bestätigen. Wenn aber jeder zwei oder drei Prozent mehr an den Tag legt, dann kann mehr gehen. Das habe ich den Jungs auch gesagt. Leider ist die Hinrunde vorbei und die gleiche Leistung wird in der Rückrunde nicht mehr reichen.
Warum nicht?
Eines ist Fakt: Wir haben eine andere Ausgangssituation als noch im Sommer. Wir werden viel ernster genommen. Die Mannschaften respektieren uns, weil sie merken, dass wir gut und scharf spielen und dass wir sehr bestimmend im Spiel sind. Und ja, die Erwartungshaltung von den Fans wird auch größer. Das ist alles normal, da soll sich jeder Gedanken darüber machen und dann zwei bis drei Prozent noch mehr reinlegen, dann kann alles gut werden. Und dann schauen wir mal was, was am Ende dabei rauskommt.
„Ich muss ja nicht weg, sondern ich denke einfach, dass die Zusammenarbeit theoretisch auch länger gehen kann.“ (Sven Bender über sein Vertragsende 2027)
Wie sieht es mit Ihrer persönlichen Zukunft in Haching aus?
Ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag. Vertragslaufzeiten sind für mich prinzipiell nicht wichtig. Ich muss ja nicht weg, sondern ich denke einfach, dass die Zusammenarbeit theoretisch auch länger gehen kann. Ich habe mitgeteilt, dass ich bei einem Neustart mitgehe und einen Prozess starte. Und solange das auch braucht und man vor allem mich dafür braucht, bin ich da und will das mit antreiben. Deswegen mache ich mir gerade über andere Themen sowieso keine Gedanken. Ich möchte einfach mein Bestes geben und dabei helfen, den Verein wieder besser dastehen zu lassen. Das ist meine Aufgabe.
Wie sind die Planungen bei Ihrer Trainerqualifikation zum Fußballlehrer?
Im Prinzip bin ich aktuell auf dem Level, an dem ich mit meiner A-Lizenz sein darf und trainieren kann. Und ja, ich werde irgendwann vielleicht meine Pro-Lizenz machen, wenn die Strukturen so sind, dass man eine Chance dazu bekommt. Dann würde ich das schon in Betracht ziehen.