33 Punkte in Summe und 16 Zähler Distanz zum Abstiegs-Relegationsrang hatte der TSV Nördlingen in der Bayernliga Süd bereits zur Winterpause angesammelt. Jene Punktzahl hätte in der Endabrechnung tatsächlich zum direkten Klassenerhalt ausgereicht - so wirklich zufrieden war man bei den Schwaben zum Saisonende aber nicht. Denn nach einem Sieg zum Auftakt des Jahres 2025 beim späteren Vize-Meister aus Erlbach blieb der TSV neun Spiele ohne Dreier und konnte das wenig schmeichelhafte Prädikat der schwächsten Mannschaft des Jahres nur durch einen 3:2-Erfolg bei Schalding-Heining am letzten Spieltag an den Gegner abgeben.
Verletzungsmisere im Jahr 2025
Für Trainer Daniel Kerscher hatte sich die Misere allerdings bereits in der "schlechten" Wintervorbereitung angedeutet: Das Nichtvorhandensein eines Kunstrasenplatzes in Nördlingen hielt die Mannschaft lange von der Arbeit mit dem Ball fern, zudem fehlten immer wieder Spieler krankheits- oder arbeitsbedingt. Mit Top-Torjäger Simon Gruber und Bernd Rathgeber (jeweils Schambeinentzündung), Julian Brandt (krankheitsbedingt) und Manuel Meyer (Leistenprobleme) gesellten sich zu allem Überfluss vier weitere Akteure zur Riege der Langzeit-Ausfälle, der unter anderem Kapitän Jens Schüler (Kreuzbandriss) und Torhüter Daniel Martin (Schienbeinbruch) angehören. Für derlei Nackenschläge war der TSV letztendlich nicht gewappnet - und stürzte sportlich von Rang 7 auf 11 ab.
Überwiegt daher das negative Ende im Rückblick? "Teil, teils", lautet die Antwort von Kerscher, der anschließend erläutert: "Natürlich haben wir in der Zeit nach der Winterpause einfach zu wenig gepunktet. Auf der anderen Seite konnten viele junge Spieler Spielpraxis in der Bayernliga sammeln." Und das sei am Ende das übergeordnete Konzept des Vereins: Mit Spielern aus der Region, die im Optimalfall sogar noch aus der eigenen Jugend stammen, in der fünften Liga zu spielen. Höherklassig erfahrene Akteure oder gar Ex-Profis passen da überhaupt nicht zur Philosophie - und könnten mangels finanzieller Ressourcen wohl auch nicht bezahlt werden. Folglich ist für den Verein das Maximum wohl die Bayernliga - eben jene Liga, in der der TSV nach dem Klassenerhalt ebenso in der Saison 2025/26 wieder antreten wird.
Tarakan mit Horror-Start
Die anstehende vierte Spielzeit in Folge in der fünften Liga dürfte für die Schwaben nun aber recht anspruchsvoll werden: Bis auf Rathgeber kehren die Langzeitverletzten zwar sukzessive zurück, sind allerdings noch nicht zur vollen Belastung fähig. Oder wie der Trainer es beschreibt: "Wir müssen die Spieler auf der einen Seite fit bekommen, dürfen sie auf der anderen Seite jedoch nicht überlasten." Schmerzhaft sind daher vor allem die Abgänge einiger fitter Stammkräfte: Denn mit dem pausierenden Felix Käser verliert der TSV einen "absoluten Führungsspieler", zudem sind Mirko Puscher (Ansbach) und Jonathan Grimm (Eichstätt) in die Regionalliga gewechselt. Als Ersatz war unter anderem Edwin Tarakan eingeplant, der in der vergangenen Saison in der Landesliga in Gundelfingen überzeugte. Doch der 21-Jährige riss sich schon im zweiten Training das Kreuzband. Kerscher sieht seine Truppe dennoch gerüstet für die Saison: "Mit Patrick Högg und Johannes Fiedler haben wir uns gut verstärkt. Auch Jonas Wundel aus der U 19 hinterlässt im Training einen sehr guten Eindruck. Ebenso wie Torhüter Max Fuchs. Dazu soll das ein oder andere Talent aus der U 23 seine Chance in der Vorbereitung bekommen."
Einzig der kürzlich veröffentlichte Spielplan stimmt den Übungsleiter nicht vollends zufrieden: Nicht einmal, weil zum Auftakt mit der Auswärtspartie in Heimstetten einer der Top-Gegner der Liga wartet. Sondern eher, weil für den TSV das große Derby gegen Gundelfingen bereits an Spieltag zwei stattfindet. "Das hätte ich mir zu einem späteren Zeitpunkt gewünscht, da sich einige Spieler zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei 100 Prozent befinden werden", erklärt Kerscher ohne jedoch die Freude auf das brisante Spiel zu verlieren. Als Aufsteiger muss sich schließlich auch der FCG erst einmal in der Bayernliga zurechtfinden - eine Rolle, die die Nördlinger dagegen schon kennen. Und die nur zu gerne frühzeitig die Basis für ein fünftes Jahr fünfte Liga in Folge legen würden.