Mit dem Auswärtsspiel in Nürnberg schließt sich für Vincent Wagner am Samstagnachmittag ein Kreis. Gegen die Franken hatte der 39-Jährige am 1. Spieltag der laufenden Saison sein erstes Spiel als Trainer einer Profi-Mannschaft absolviert und mit einem späten 1:0-Sieg erfolgreich gestaltet, zum Auftakt in die Rückrunde hofft der Coach der SV Elversberg nun abermals auf Zählbares gegen die Franken, die zum Re-Start auf einem trügerischen 8. Platz stehen.
Durchaus gute Chancen, in einem engen Spiel in Nürnberg zu punkten, rechnet sich Wagner auch deshalb aus, weil er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Nachwuchsfußball und dort insbesondere bei der TSG Hoffenheim eine ganze Reihe an Spielern des kommenden Gegners kennt, die zudem teils tragende Rollen in der Mannschaft von Miroslav Klose spielen.
Wagner über den FCN: "Wahrscheinlich kenne ich vier von elf ganz gut"
"Ich habe vier Jungs, die am Samstag gegen uns spielen, schon einmal begleiten dürfen und war ihr Trainer", schmunzelte Wagner auf der Pressekonferenz vor dem Spiel über die zu erwartenden Begegnungen mit Tim Drexler, Finn Ole Becker, Julian Justvan und Tom Baack, der im Falle eines Ausfalls des noch angeschlagenen Adam Markhiev erneut in der FCN-Startelf auftauchen dürfte: "Wahrscheinlich kenne ich vier von elf ganz gut, also wissen wir schon ein bisschen, was auf uns zukommt." Wagner erwartet ein "extrem enges" Spiel auf Augenhöhe, für das er einen Abnutzungskampf erwartet. "Schaffen wir es, das auf unsere Seite zu ziehen, können wir erfolgreich sein, wenn nicht, wäre es sicher auch keine Schande, in Nürnberg zu verlieren - aber das ist sicher nicht unser Ziel."
Unklar ist im Moment noch, wie sich Wagners Elf nach der kurzen Winterpause aufstellt. Da wäre zum einen eine Erkrankungswelle, die aktuell um sich schlägt und hinter dem einen oder anderen Spieler noch ein Fragezeichen auftauchen lässt. "Ich denke, wir werden eine sehr gute Elf auf die Platte kriegen", zeigte sich der Trainer aber zuversichtlich, ohne sich in die Karten blicken zu lassen. Das gilt auch für die zweite offene Frage, die die Saarländer nach einem Rekord-Abgang seit Jahresbeginn beschäftigt: Wer ersetzt Younes Ebnoutalib?
Der 22 Jahre alte Stürmer, der mit zwölf Treffern die Torjägerliste der 2. Bundesliga anführt, hat sich für einen hohen einstelligen Millionenbetrag zu Eintracht Frankfurt verabschiedet und hinterlässt mitten im Aufstiegsrennen eine große Lücke im Kader des aktuellen Tabellen-Zweiten. Zwar habe sich Wagner "sehr gefreut" über Ebnoutalibs Traum-Einstand mit Torerfolg beim Debüt gegen Borussia Dortmund (3:3), dennoch gilt es nun, seinen Abgang aufzufangen.
Festgelegt habe er sich dahingehend noch nicht, gesteht Wagner, "aber ich bin mit einer guten Tendenz unterwegs in eine Richtung". Vier Mittelstürmer stehen im Elversberger Kader, sieht man vom noch nicht 100 Prozent fitten Luca Pfeiffer ab, hat Wagner somit drei Optionen: Luca Schnellbacher (ein Hinrunden-Tor), Otto Stange (drei Tore) und Winter-Neuzugang David Mokwa. Letztgennanter hat sich im Testspiel gegen den FC Basel (6:5) mit zwei Toren in Stellung gebracht - und bringt einen Vorteil mit, durch den ihm schnell eine wichtige Rolle zuteilwerden konnte.
Ebnoutalib musste sich erst an Wagners Idee gewöhnen
Denn während Ebnoutalib laut Wagners Aussage im Sommer eine lange Anlaufzeit benötigt hatte, um die Spielidee seines Trainers zu verinnerlichen ("Wir haben drei Monate gebraucht, bis wir es hinbekommen haben, Younes zu erklären, im richtigen Moment nicht zum Ball zu laufen, sondern weg vom Ball"), kennt Mokwa Wagners taktische Herangehensweise bereits gut aus gemeinsamen Zeiten mit dem Trainer bei der TSG.
"Zum Glück hat er schon zwei Jahre unter mir hart gekämpft", erinnert Wagner. "Das hat auch bestimmt ein gutes Jahr gedauert, bis wir gelernt haben, in die richtige Richtung zu laufen." Das laufe beim 21-Jährigen zwar auch noch nicht perfekt, doch eine ähnlich lange Anlaufzeit wie Senkrechtstarter Ebnoutalib droht dem mit der Empfehlung aus drei Drittliga-Toren in acht Spielen gekommenen Mokwa nicht - und darf somit auf ein Startelfmandat in Nürnberg hoffen.