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Wenn der Anspruch verloren geht: Sturm im freien Fall

kicker

Pfiffe für die eigenen Spieler hatte es vom Sturm-Anhang schon lange nicht mehr gegeben. Das 1:3 gegen die WSG Tirol brachte das Fass in Graz-Liebenau jedoch zum Überlaufen - denn anders als noch in der Vorsaison, als die Schwarz-Weißen in Salzburg (2:1) oder gegen die Austria (0:1) in Unterzahl heroisch gekämpft hatten, gab es diesmal nach dem Ausschluss von Emanuel Aiwu (45.) überhaupt kein Aufbäumen mehr. Die zweite Hälfte fügte sich damit nahtlos in das erschütternde Gesamtbild des Vereins ein.

Das Team ist nach dem Umbruch im Sommer nicht mehr wiederzuerkennen. Der Hintermannschaft unterlaufen teils haarsträubende Fehler, im Angriff fehlt es mehr denn je an Durchschlagskraft. Dass Mittelfeldmann Otar Kiteishvili mit acht Bundesliga-Treffern der mit Abstand torgefährlichste Spieler ist - Leon Grgic und Seedy Jatta trafen je dreimal -, spricht Bände.

Sturm muss Verfehlungen im Sommer Tribut zollen

Fehlt es an Kiteishvilis Geniestreichen, fehlt es an Ideen. Sturms einfallsloses Spiel durch die Mitte ist für die Gegner zu leicht ausrechenbar. Über die Außenverteidiger Emir Karic und Arjan Malic geht nach vorne nahezu nichts, im Mittelfeld laufen Jon Gorenc Stankovic, Tochi Chukwuani und der zu Saisonbeginn so starke Tomi Horvat seit Wochen ihrer Form hinterher. Dieses kollektive Tief können auch die bemühten Talente Filip Rozga und Jacob Peter Hödl nicht kaschieren.

Dass die Kaderqualität im Vergleich zur Vorsaison abgenommen hat, ist in Fußball-Österreich hinlänglich bekannt. Erschwerend kommt hinzu, dass Sportchef Michael Parensen im Sommer auch nicht genügend in die Breite investierte. Trainer Jürgen Säumel, der bereits kurz vor Transferschluss öffentlich Alarm geschlagen hatte, ließ im Anschluss an die Niederlage gegen die WSG durchklingen, dass die Spieler den intensiven Wochen nun Tribut zollen müssten. Eine neuerliche Kritik an Parensen? Überraschend kam die Dreifachbelastung aus Bundesliga, Cup und Europa League jedenfalls nicht.

Säumel setzt sich mit verbalem Eigentor unter Druck

Von einer Mitschuld an der aktuellen Misere der Grazer - von den jüngsten sieben Spielen gewann der Meister nur eines - kann sich Säumel naturgemäß nicht freisprechen. Er ist es, der der Mannschaft den Spielplan auf den Rasen mitgibt. Er ist es, der während der Partien mit taktischen Adaptierungen eingreift. Und er ist es auch, der Spiele mit entsprechenden Wechseln beeinflusst. All das erledigt Säumel im Moment nicht auf meisterlichem Niveau.

Sechs Bundesliga-Niederlagen, 19 Gegentore, Letzter in der Heimtabelle - Sturm befindet sich augenscheinlich in der Krise. Für Säumel ist aber offenbar alles in bester Ordnung. Er wisse nicht, woher die hohen Ansprüche kommen, wunderte sich der 41-Jährige nach der fünften Heimpleite dieser Saison. Wie bitte? Säumels verbales Eigentor wird beim erfolgsverwöhnten schwarz-weißen Anhang vermutlich kaum zur Entspannung beitragen - und bringt ihn vor dem hochbrisanten Derby gegen den GAK (Sonntag, 17 Uhr, LIVE! bei kicker) in eine denkbar unangenehme Ausgangsposition.