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Wie Di Salvo mit der U 21 die "Menschen in Deutschland berührt hat"

kicker

Von der U-21-EM in der Slowakei berichten Tim Lüddecke und Michael Pfeifer

Die englischen Spieler standen Spalier, und Antonio Di Salvo ging vorweg in Richtung Siegerpodium, wo die deutsche U-21-Nationalmannschaft die Medaillen für den EM-Vizetitel erwarteten. Zweimal hatte der 46-Jährige auf dieser Bühne bereits den Siegerpokal mit entgegennehmen dürfen, bei den Turnieren 2017 und 2021 - seinerzeit allerdings als Co-Trainer.

Die drei Wochen in der Slowakei bedeuteten für die Di Salvo nun wiederum auch die vorläufig erfolgreichste Zeit als Cheftrainer der U 21 - was dem seit 2021 amtierenden Mann in den vergangenen Tagen auch durchaus anzumerken war.

Begünstigt vom erfolgreichen Turnierverlauf war er bei dieser EM durchaus gelöster in Erscheinung getreten als sonst. Im Anschluss an das erfolgreich bestrittene Halbfinale gegen Frankreich (3:0) ließ er sich zu ausgelassenen Jubelschreien hinreißen und dem anschließenden Ausruf innerhalb des Mannschaftskreises "BRA-TIS-LA-VA".

Di Salvo: "Ich sitze hier als sehr stolzer Trainer"

Dass der Titelgewinn in der slowakischen Hauptstadt nun ausblieb, hinterließ zwar auch bei Di Salvo eine "sehr, sehr große Enttäuschung" - zugleich betonte er jedoch: "Und trotzdem sitze ich hier als sehr stolzer Trainer eine U 21, die sich über zwei Jahre gesteigert hat und viele Menschen in Deutschland berührt hat."

Diese EM-Erfolgsgeschichte emanzipierte Di Salvo insbesondere als Cheftrainer, nachdem er sich bei seinem ersten Turnier in dieser Rolle vor zwei Jahren ja durchaus einiger Kritik ausgesetzt sah. Seinerzeit hatte die deutsche Mannschaft bei der EM 2023 einen teilweise erschreckend schwachen Eindruck hinterlassen - und war nach der Vorrunde ausgeschieden.

Di Salvo rechtfertigt den Vertrauensvorschuss

Zuvor hatte Di Salvo seit 2016 als Co-Trainer zwar auch seinen Anteil an den EM-Titeln 2017 und 2021 - doch bei seiner Berufung als Nachfolger von Stefan Kuntz stand durchaus infrage, ob der Mann im Hintergrund auch in der ersten Reihe erfolgreich sein könnte. Und nach dem Aus in Georgien zwischenzeitlich umso mehr.

Allerdings hatte der DFB 2023 bereits im Vorfeld der EM den Vertrag mit Di Salvo für zwei Jahre verlängert, ebenso wie in diesem Jahr - ein Vertrauensvorschuss, den der 46-Jährige nun auch mit Ergebnissen und einer Entwicklung rechtfertigen konnte.

Er schaffte jene Voraussetzungen, die auch Sportdirektor Rudi Völler bei seinen Besuchen in der Slowakei als stilprägend für die DFB-Auswahl ausgemacht hatte: „Der Teamspirit ist alles, was man braucht, um so ein Turnier erfolgreich abschließen zu können."

Reitz über "die menschliche Komponente" bei Di Salvo

Was hat Di Salvo diesmal richtig, vielleicht sogar besser gemacht? Rocco Reitz erklärte gegenüber dem kicker: "Es ist in so einer kurzen Zeit natürlich nicht so einfach, einer Mannschaft seinen Fußball und verschiedene Taktiken beizubringen - aber er hat da sein klares Prinzip, das er uns rüberbringt."

Der Coach fokussiere sich dabei stets auf die "Dinge, die uns stark machen - und daran können wir uns immer festhalten, wenn es mal nicht so läuft. Und wenn die Abläufe besser reinkommen, traut man sich auch noch mal mehr", so der Gladbach-Profi, der zumindest eine Maßgabe von Di Salvo mit einem Lachen verriet: "Die Mitte zumachen."

Oermann: "Das ist gar nicht so leicht als Trainer"

Und dann sei da noch die "menschliche Komponente" des Trainers, betonte Reitz: "Dass er uns mitnimmt, dass er jeden Spieler ins Boot und die Gespräche holt: "Wie wollen wir es machen, wie fühlen wir uns wohl?'" Diese Mischung aus Fachlichkeit und Empathie sei "extrem viel wert", sagte der 23-Jährige: "Deshalb fühlt sich hier jeder sehr wohl."

Auch Tim Oermann bestätigt auf kicker-Frage, dass Di Salvo "es einfach hinkriegt, dass jeder sich wertgeschätzt und wichtig fühlt" - obwohl der Innenverteidiger selbst zunächst als Joker ins Turnier gestartet war. "Und ich glaube, das ist gar nicht so leicht als Trainer, weil am Ende sind wir Spieler alle zu ehrgeizig, als dass wir uns mit wenig zufriedengeben."

Viel Kommunikation und klare Rollen

Der Trainer halte "die Gruppe zusammen", sorge dafür, "dass jeder es dem anderen gönnt" - durch viel Kommunikation, insbesondere über die jeweiligen Rollen der Spieler: "Er hat mit mir schon vor dem Turnier gesprochen, wie er mich sieht - er hat das gut gemacht", so Oermann: "Ich habe mich permanent wichtig und als Teil der Gruppe gefühlt und das konnte ich dem Trainer jetzt auch zurückzahlen." Der Innenverteidiger stand im EM-Finale in der deutschen Startelf - einzig der Titelgewinn blieb letztlich aus.