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Wo Bürger gegen Arnold die Nase vorn hat

kicker

Nervös? Natürlich war er das ein wenig, das gehörte am Samstag dazu, auch wenn es ihm nicht anzumerken war. "Ein sehr aufregender Tag" sei es für ihn gewesen, gestand Jan Bürger nach seinem Deüt in der Bundesliga-Startelf der Wolfsburger gegen den 1. FC Heidenheim. Das Wichtigste jedoch für ihn: "Ich habe es sehr genossen, das Aufwärmen, das Spiel an sich."

Unter anderem, weil Daniel Bauer das Setup des VfL-Matchplans mit einem hochschiebenden Rechtsverteidiger in der Viererkette nicht verändern wollte, Kilian Fischer auf dieser Position aber nach Angaben des Trainers am Ende einer intensiven englischen Woche eine Verschnaufpause benötigte, schlug Bürgers Stunde. "Er ist bereit für die Bundesliga", hielt Bauer, der seinen Schützling selbst in der U 19 des VfL einst selbst schon begutachten konnte, fest und fühlte sich hinterher bestätigt: "Jan hat einen engagierten Auftritt hingelegt. Es hat nicht alles funktioniert. Aber was mir an ihm gefallen hat, war, dass er unglaublich mutig war, Duelle und Tiefenläufe gesucht und gute Zweikämpfe geführt hat."

Zufriedenheit und ein wenig Selbstkritik beim Youngster

Für den 18-Jährigen stand zunächst das Resultat, ein mageres Unentschieden gegen den Abstiegskandidaten, im Vordergrund. "Doof, dass wir nur 1:1 gespielt haben." Ein Spiel zum Vergessen, aber auch ein unvergessliches Erlebnis für das Eigengewächs. Mit seiner eigenen Performance war er zunächst zufrieden, zeigte sich aber auch selbstkritisch. "Ich denke, ich habe mutig gespielt, hätte noch mehr Druck nach vorne ausüben können." Doch nach drei Einwechslungen Ende des vergangenen Jahres nun erstmals beginnen zu dürfen - das wertete der Youngster als gutes Zeichen: "Ich habe nicht so viel verkehrt gemacht in den letzten Wochen. Ich bin dankbar, dass ich die Chance bekommen habe. Man leckt halt Blut. Ich hatte ja schon die Kurzeinsätze. Da bekommt man schon Lust auf mehr."

Ansprüche will der gebürtige Helmstedter zwar nicht lautstark anmelden, seinen Platz aber auch nicht kampflos wieder abgeben und auf jeden Fall eine Alternative zu seinen Konkurrenten bleiben: "Ich denke nicht, dass ich unbedingt nächste Woche gleich wieder starten werde. Aber ich habe gezeigt, was ich kann und dass ich mich empfohlen habe, die zweite Option zu sein. Ich bin 18, habe noch Zeit, bin aber hungrig und will so viele Minuten spielen wie möglich."

Worte, die Pirmin Schwegler gefallen. Nicht zuletzt Wolfsburgs neuer Sportdirektor ist seit seinem Amtsantritt nicht müde geworden, an Einstellung und Einsatzwillen seiner Spieler zu appellieren, um den nötigen Turnaround in der Liga nachhaltig zu schaffen. Die Personalie "Bürger" passt Schwegler hier gut ins Bild. "Es ist nicht das Einfachste, ihn hier reinzuschmeißen. Aber es spricht für den Mut des Trainers", so der Schweizer, und weiter über den Startelf-Debütanten: "Ich finde, er hat es gut gemacht. Grundsätzlich habe ich ihn positiv gesehen. Er war mutig, hat auch Fehler gemacht. Das ist aber kein Thema, das wir zu hoch hängen. Er hat mit Engagement und Energie gespielt. Einen Jungen in der Situation zu bringen, der dann auch stabil spielt, das ist schön."

18 Jahre und 313 Tage für Platz 5 im Ranking

Vielleicht nur ein Zahlenspiel, vielleicht aber auch der Hinweis, eine große Karriere bei den Niedersachsen vor sich zu haben: Am Tag seines ersten Bundesligaspiels von Beginn an war Jan Bürger, geboren am 10. März 2007, exakt 18 Jahre und 313 Tage alt. Nur vier Spieler in der bald 29-jährigen Erstliga-Geschichte des VfL waren bei ihrem Startelf-Debüt jünger - Tolga Cigerci, Luca Itter, Bence Dardai und David Odogu. Die Pointe: Rein in Tagen gerechnet war Bürger am vergangenen Samstag 6888 Tage alt - und ist damit keinem Geringeren als Maximilian Arnold um die berühmte Nasenlänge voraus. Wolfsburgs Kapitän blickte am 6. April 2013 (ebenfalls 1:1, damals in Leverkusen) bei seiner ersten Partie, in der er den Anpfiff auf dem Platz erlebte, auf 6889 Lebenstage zurück, war demnach einen einzigen Tag älter! Heute ist der 31-jährige Arnold als Idol der Rekordspieler der Wolfsburger - und somit sicherlich auch ein Vorbild für seinen jungen Teamkollegen Bürger.