Eine Kolumne von Hannah Nitsche
Mit 14 Jahren packte Lichtlein seine Sportsachen und zog aus Bayern nach Berlin, in die berühmte Talentschmiede "Füchse Town". Eine Entscheidung, die man in dem Alter nicht leichtfertig trifft. "Ich wollte immer alles für den Handball tun. Deswegen war es die richtige Entscheidung, Schule und Handball zu kombinieren", sagt der 23-Jährige heute - als Nationalspieler, als Publikumsliebling, als Symbol für das, was bei den Füchsen gelingt.
Denn Lichtlein ist nicht einfach nur ein Erfolg für den Klub - er ist das Ergebnis eines Systems, das funktioniert. Die Füchse Berlin zeigen, was nachhaltige Nachwuchsarbeit bewirken kann. Doch genau hier liegt die große Frage: Warum schaffen es nicht mehr Clubs, Talente so gezielt in die Profimannschaft zu führen?
Die Antwort ist einfach - und gleichzeitig eine Herausforderung: investieren. Im Idealfall jetzt. Gute Jugendarbeit war noch nie so attraktiv wie in diesem Moment. Warum? Weil sie sich bezahlt macht. Wörtlich.
Die Initiative Dyn Move Your Sport belohnt gezielte Nachwuchsförderung mit einem Ausbildungsbonus. Je besser die Jugendarbeit, je mehr Eigengewächse den Sprung in die Nationalmannschaft oder die erste Liga schaffen, desto größer der finanzielle Bonus. Für die Füchse Berlin bedeutete das in diesem Jahr: 60.000 Euro - ein Spitzenwert und zu einem großen Teil auch Nils Lichtlein und seinen Ausbildungsjahren zu verdanken.
Insgesamt flossen 800.000 Euro an Klubs der ersten und zweiten Handball-Bundesliga. Auch der TSV Bayer Dormagen darf sich freuen - ebenfalls 60.000 Euro für seine exzellente Nachwuchsarbeit. Was viele Fans nicht wissen: Auch sie können konkret ihren Beitrag leisten. Wer ein Dyn-Abo hat, kann im Profil einfach einen Haken setzen - und schon fließen zehn Prozent der Abo-Gebühr direkt in die Nachwuchsförderung des Lieblingssports: Handball, Basketball, Volleyball, Tischtennis oder Hockey.
Anian Eckardt, Jugendkoordinator der Füchse Berlin, bringt es auf den Punkt: "Natürlich hilft jeder Euro - ob für die Verbesserung des Trainerstabs oder ob man die Auswärtsfahrt mit einem kleinen oder großen Bus machen kann. Wir haben einfach den Anspruch, auf bestmöglichem Niveau zu arbeiten - deswegen hilft uns jeder Euro dieser Initiative enorm weiter."
Gute Jugendarbeit lohnt sich also - sportlich und finanziell. Und manchmal schließt sich der Kreis sogar auf besonders schöne Weise. Denn Nils Lichtlein durfte im Rahmen der Dyn Move Your Sport-Initiative Initiative ein Training leiten - nicht als Spieler, sondern als Coach. Die B-Jugend des Polizei-Sport-Vereins, die in der Füchse Town trainiert, gewann das "Meet & Train" mit dem Handballstar.
Für Lichtlein eine neue Erfahrung: "Am Anfang war es ungewohnt, anderen beim Handball zuzuschauen und Anweisungen zu geben. Aber je länger ich dabei war, desto angenehmer wurde es. Man hat angefangen, Dinge zu loben - das ist mir am Anfang noch etwas schwergefallen."
Vielleicht war das auch ein schöner Lerneffekt: Gute Jugendarbeit bedeutet, Wissen weiterzugeben - und dabei selbst immer wieder dazuzulernen. Wie schön, wenn die Profis von heute an die nächste Generation etwas weitergeben können - mit Training, Tipps und Erfahrung.
Hinweis: Der kommende 11. Spieltag in der Daikin Handball-Bundesliga und der 10. Spieltag in der 2. HBL wird sich intensiv mit der Dyn Move Your Sport-Nachwuchsförderung beschäftigen. Rund um die Spielübertragung bei Dyn werden im Vorlauf oder in der Halbzeitpause Gäste geladen, die sich zur eigenen Nachwuchsarbeit, zur Förderung und zum Potenzial äußern - ob Spieler, Trainer oder Projektverantwortliche.
Über die Autorin
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