New England wirkt nach einem starken Endspurt und einem abgeklärten Wild-Card-Auftritt wieder wie ein echter Contender. Houston dagegen kommt mit einer beeindruckenden Siegesserie - und dem klaren Ziel, zum ersten Mal in ihrer jungen Franchise-Geschichte das Championship Game zu erreichen. Alles deutet auf ein physisches, enges Spiel hin, in dem jede Third-Down-Conversion und jedes einzelne Big Play den Unterschied machen kann.
Vom ersten Start zum Playoff-Kracher
Erzählerisch führt Mayes Weg in diesem Duell zurück zum Anfang: Sein erster NFL-Start kam gegen Houston und endete im Oktober 2024 mit einer deutlichen 21:41-Niederlage. Jetzt trifft er in den Playoffs auf eine Texans-Defense, die sich seitdem weiterentwickelt hat. Gleichzeitig geht auch Maye selbst mit deutlich mehr Erfahrung, besserem Timing und mehr Ruhe in der Pocket in diese Partie.
Die Patriots haben sich über die Saison hinweg aus der Mittelmäßigkeit herausgearbeitet, ihre Offense stabilisiert und zuletzt sowohl effizient als auch explosiv gespielt. Safety Kyle Williams beschreibt, was dieses Team aktuell ausmacht: "Wie gut dieses Team zusammenpasst - die Verbindung zwischen Coaches und Spielern ist wirklich stark. Es fühlt sich hier wie eine Familie an."
Auch an der Seitenlinie bekommt dieses Duell eine besondere Note: Mike Vrabel und DeMeco Ryans sind erst das vierte Head-Coach-Paar der NFL-Geschichte, das in den Playoffs aufeinandertrifft, nachdem beide im selben Jahr als Spieler im Pro Bowl standen (2007). Die Texans wirken dabei wie ein Team, das ihre Bestform genau zur richtigen Zeit gefunden hat - aggressiv, variabel und ohne Angst vor großen Namen. Genau das macht sie in Foxborough so gefährlich.
Wenn die Patriots den Ball haben
Bei New England beginnt alles mit Drake Maye - und mit der Frage, wie sauber er die komplexen Looks und Blitz-Konzepte der Texans liest. Houston liebt es, vor dem Snap ein bestimmtes Bild zu zeigen und nach dem Snap in etwas völlig anderes zu rotieren. Genau diese kurzen Momente des Zögerns können in den Playoffs sofort bestraft werden.
Die Patriots dürften deshalb auf einen Gameplan setzen, der Maye früh Sicherheit gibt: klare Reads, Play Action, eine bewegte Pocket und schnelle Completions, um Rhythmus aufzubauen. Williams unterstreicht dabei auch, wie sehr die Spieler hinter ihrem Quarterback stehen: "Drake als meinen Quarterback zu haben, ist ehrlich gesagt das Beste, was mir je passiert ist. Ich würde für keinen anderen Quarterback spielen wollen. Ich schätze Drake wirklich sehr. Ich hoffe einfach, dass er auch in Zukunft Großes erreicht."
Texans-Defense als Endgegner
Die Herausforderung ist jedoch gewaltig: Maye trifft auf die beste Total Defense der Liga, die im Schnitt nur 277,2 Yards pro Spiel zulässt. In den vergangenen 40 Jahren ist es außerdem nur wenigen Quarterbacks unter 25 gelungen, eine Nr.-1-Defense in einem Playoff-Spiel zu schlagen - darunter C.J. Stroud, Jalen Hurts und Tom Brady. Für die Patriots geht es also nicht nur darum, ein starkes Texans-Team zu besiegen, sondern auch darum, Maye auf höchstem Level durch diese Defense zu navigieren.
Umso wichtiger wird ein balancierter Ansatz sein. New England wird versuchen, Houstons physische Front mit Laufspiel und schnellem Passspiel zu entschärfen. Ein funktionierendes Run Game zwingt die Texans aus ihren komfortablen Looks, öffnet Räume für Play Action - und hilft einer Offensive Line, die angeschlagen ist, aber in dieser Partie halten muss.
Diggs und Henry als Sicherheitsnetz
Dazu kommen klare Ankerpunkte im Passspiel: Stefon Diggs als präziser Route Runner und Hunter Henry als zuverlässige Option über die Mitte geben Maye die Stabilität, die er gegen den konstanten Druck dringend braucht.
Ein möglicher Schlüssel könnten zudem Screens und schnelle, designte Kurzpässe sein - Konzepte, die Houston aggressiv bestrafen können, wenn der Pass Rush zu wild wird. Gelingt es den Patriots, lange dritte Downs zu vermeiden, die Pocket sauber zu halten und Maye im Rhythmus zu lassen, kippt dieses Matchup eher in Richtung New England.
Auch der Ton in der Kabine passt dazu. Williams beschreibt die Mentalität so: "Greif nach den Sternen und lande auf dem Mond - das ist im Moment so ein bisschen unser Motto." Aber: Gerät New England zu häufig in offensichtliche Passing-Situationen, bekommt Houstons Front genau das Spiel, das sie will - und dann kann diese Partie schnell zu einem Turnover-geprägten Fight werden.
Stroud muss sauber spielen
Auch auf der anderen Seite steht ein Quarterback unter Druck. C.J. Stroud leistete sich in der Wild Card gegen die Steelers ungewohnt viele Fehler und brachte Houston mit insgesamt drei Turnovern mehrfach in Schwierigkeiten: drei Fumbles (zwei davon verloren) sowie eine Interception.
Gegen eine offensiv limitierte Steelers-Offense konnte die Texans-Defense das noch auffangen und das Spiel trotzdem stabil halten. Diesmal dürfte die Fehler-Toleranz jedoch deutlich kleiner sein - wenn Stroud erneut Ballverluste produziert, könnte das gegen die Patriots schnell den Unterschied ausmachen.
Foxborough: Historie, Druck - und ein Spiel mit Gewicht
Foxborough bleibt einer der legendärsten Playoff-Schauplätze der Liga. Die Patriots stehen zu Hause bei 24-5 in der Postseason - eine der besten Heim-Bilanzen in der NFL-Geschichte. Houston dagegen reist historisch mit Problemen an: Erst in der Wild Card Round in Pittsburgh gelang den Texans überhaupt ihr erster Road-Playoff-Sieg.
Auch die Divisional Round selbst bringt einen klaren Kontrast mit: New England hat in dieser Runde über Jahre hinweg immer wieder abgeliefert, während Houston bislang noch keinen Sieg in diesem Format feiern konnte.
Diese Spiele der Divisional Round begeistern heute noch
Für die Texans ist die Formel dabei relativ simpel: Sobald Houston mindestens 20 Punkte aufs Board bringt, gewinnen sie seit Monaten extrem konstant. Für die Patriots bedeutet das im Umkehrschluss: Entweder Houston unter dieser Marke halten - oder selbst offensiv in einen Rhythmus kommen, der dieses Spiel auf ihre Seite zieht.
Es ist das typische Divisional-Round-Szenario: Ein Team mit Heim-Macht und Playoff-DNA gegen eine Mannschaft, die gerade zur richtigen Zeit heiß läuft. Und mittendrin ein Quarterback, der genau in einem solchen Spiel seinen nächsten Schritt machen kann.
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