Der europäische Basketball expandiert - in allen möglichen Bereichen. Ob Zuschauerzahlen im Fernsehen oder auf Social Media, Einnahmen durch TV-Verträge oder aber eben auch hinsichtlich der Spiele. Seit Jahren nimmt die Anzahl an Spielen über alle Wettbewerbe hinweg stark zu. In der EuroLeague hat diese Expansionspolitik nun das nächste Kapitel erreicht.
Von 18 wurde die Liga nun auf 20 Mannschaften erweitert. Zwei der drei Neuankömmlinge der EuroLeague kommen zwar gar nicht aus Europa, aber darum scheint es schon längst nicht mehr zu gehen. Dass alle anderen 19 Klubs jetzt den langen Flug in den Nahen Osten nach Dubai auf sich nehmen müssen, ist dabei längst nur noch eine Randnotiz.
"Das Thema ist nicht neu, doch irgendwann ist dann doch mal der Punkt, an dem es so nicht weitergehen kann", schrieb der deutsche Nationalspieler Justus Hollatz in seiner Kolumne auf der Website der Bayern. "Es sind zu viele Spiele, wir werden verheizt", machte er unmissverständlich klar.
Bayern-Boss Hainer: "Natürlich gefällt uns das nicht"
Eine Lösung ist aber dennoch nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Nur zwei Tage nachdem Hollatz und Co. von der Europameisterschaft abreisten, waren die fünf Meister bereits zum BBL-Auftakt gefordert. Heute startet die Münchner in die EuroLeague, bereits am Donnerstag wartet dann der zweite Spieltag. Das Pensum ist enorm.
"Wir haben einmal in der Bundesliga jetzt eine Mannschaft mehr und wir haben in der EuroLeague zwei Mannschaften mehr", erklärte Bayern-Boss Hainer. "Das sind schon mal sechs Spiele mehr. Dann haben wir Nationalspieler, die abgestellt werden müssen und dann gut und gerne auf 85, 90 Spiele kommen."
"Natürlich gefällt uns das nicht", so Hainer weiter. "Wir haben das auch schon öffentlich gesagt, dass wir mit der EuroLeague und mit dem deutschen Basketball Lösungen finden müssen, wie wir das in der Zukunft anders machen." Wie genau diese Änderungen aber aussehen sollen, da blieb der Münchner Vereinspräsident zurückhaltend. Auch er ist eben ein Geschäftsmann.
Könnte ausgerechnet die nächste Expansion die Lösung bringen?
Deutlicher drückte sich da Real Madrids ehemaliger Headcoach (jetzt spanischer Nationaltrainer) Chus Mateo aus: "Dieser Kalender ist eine Schande. Wir müssen 90 Spiele bestreiten, dann kommen noch die Nationalmannschaften dazu." Boštjan Nachbar, Chef der EuroLeague-Spielergewerkschaft nannte die Änderungen "nicht akzeptabel." Etwas anderes als es zu akzeptieren, bleiben ihm und den Spielern aber schlicht nicht übrig.
Getrieben durch die europäischen Pläne der NBA denkt die EuroLeague längst an die nächste Expansion. "Das EuroLeague-Board hat uns erklärt, dass 20 Mannschaften nur eine Übergangslösung für ein Jahr seien", plauderte Mailands Trainer Messina kürzlich aus. Die langfristige Lösung seien hingegen 24 Mannschaften.
Klingt die nächste Erweiterung zwar erneut nach mehr Spielen und mehr Ungerechtigkeit, birgt sie eine tatsächliche Lösung. "Wenn wir über 20 Teams gehen, wird sich das System ändern", bestätigte sogar EuroLeague-Boss Paulius Motiejunas selbst. "Es gäbe dann Konferenzen" - ähnlich zur NBA.
Von 38 Spielen der Hauptrunde könnte man - bei zwei Konferenzen mit je zwölf Teams - auf 22 pro Mannschaft zurückgehen. Eine Umsetzung in diese Richtung ist aber immer weit aus schwieriger. Weniger Spiele bedeuten weniger Einnahmen, sowohl durch Zuschauerverkäufe als auch Fersehverträge. Ein Teufelskreis, der aktuell vor allem den Spielern schadet.
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