Über die deutschen Personalsorgen unter dem Korb kann Frankreichs Nationaltrainer Frederic Fauthoux womöglich nur lachen. Mit Moritz Wagner und Isaiah Hartenstein fehlen zwar zwei NBA-Center, dazu ist auch Daniel Theis noch nicht fit, doch die Stars um Dennis Schröder und Franz Wagner sind da. Bei Vize-Olympiasieger Frankreich sieht es etwas anders aus.
Nando de Colo und Nicolas Batum haben ihre (Nationalmannschafts-)Karrieren beendet, Evan Fournier gönnt sich den Sommer eine Pause. So weit, so gut, doch die Situation im Frontcourt ist bedrohlich. Mit Victor Wembanyama, Rudy Gobert und Mathias Lessort fehlt die komplette olympische Center-Rotation, dazu verletzte sich zu allem Überfluss auch noch Vincent Poirier und wird die EM wegen einer Knieverletzung verpassen.
Wurde Ex-Coach Vincent Collet für seine Double-Big-Lineups in vergangenen Turnieren noch öffentlich immer angezählt, kann Nachfolger Fauthoux froh sein, wenn er zumindest einen guten Center im Kader hat. Denn: Mit Moussa Diabate (Charlotte Hornets) lehnte ein weiterer Fünfer eine nachträgliche Nominierung ab, was im französischen Lager für Ärger sorgte.
Frankreich: Länge ja, Größe nein
"Wir haben ihn kontaktiert, aber er möchte sich lieber auf die NBA-Saison vorbereiten. Er hat sich mit seinem Camp abgesprochen und eine Entscheidung getroffen. Wir haben uns das notiert." Übersetzt: So schnell dürfte Diabate wohl nicht mehr für Frankreich in Frage kommen. Der 23-Jährige spielte in Charlotte eine ordentliche Saison (5,7 PPG, 6,2 RPG) und wurde im Sommer bereits nominiert, wurde aber vor der Poirier-Verletzung von den Franzosen gestrichen.
Andere Bigs wurden nicht mehr kontaktiert, stattdessen gab Frankreich am Wochenende den finalen Kader für die Europameisterschaft bekannt. Dieser ist nicht nur jung, sondern auch auffällig klein. Mit Mam Jaiteh (Dubai) und dem Nr.2-Pick von 2024 Alex Sarr (Wizards) sind nur zwei Spieler größer als 2,03 Meter.
Die zwei sind auch die einzigen nominellen Center, im Frontcourt könnten bei Bedarf zumindest der neue Kapitän Guerschon Yabusele oder Jaylen Hoard (Maccabi Tel Aviv) aushelfen. Neben Poirier hat auch Youngster Nadir Hifi das Team verlassen, der Shootingstar aus Paris war der letzte Cut von Fauthoux.
Immerhin: Trotz der großen Personalnot konnten bislang alle vier Vorbereitungsspiele erfolgreich bestritten werden, zweimal wurde knapp Europameister Spanien geschlagen. Überzeugend war es jedoch nicht, am kommenden Sonntag gibt es in Athen gegen Griechenland den letzten Härtetest vor der EM.