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Anthony Blacks Entwicklung: Franz Wagner profitiert, Curry staunt

kicker

Besonders explosive Athleten unterliegen gerade zu Beginn ihrer Karrieren gern - und irgendwie auch zurecht - der Versuchung der geraden Linie. Da sie schlicht schneller sind als die meisten ihrer Gegenspieler, benötigen sie deutlich seltener Richtungs- oder Geschwindigkeitswechsel, um in die Zone zu kommen. Sie explodieren so brachial, dass sie selbst auf der geraden Linie nur die wenigsten einbremsen können.

Weshalb also etwas verändern?

Weil es neue Möglichkeiten öffnet. Weil es aus vielversprechenden, gute bis sehr gute Offensivoptionen macht.

Anthony Black: "Keine Grenzen gesetzt"

Anthony Black fanden die Magic beispielsweise auch deshalb so interessant, weil er eine besondere Mischung aus Länge, Explosivität und Geschmeidigkeit mitbringt. Er hat die berühmten Tools dabei, Voraussetzungen, die kaum erlernbar sind, und deshalb den Bereich des Möglichen in der Theorie nahezu ungebremst ausdehnen.

Nachdem Black den Warriors Mitte November 21 Punkte eingeschenkt und Orlandos Sieg mit seinem aggressiven Spiel, seinen Cuts und Zügen zum Korb mitgestaltet hatte, bescheinigte ihm Teamkollege Tyus Jones grenzenloses Potenzial. "Ihm sind keine Grenzen gesetzt", sagte Jones. "Er kann so gut werden, wie er möchte. Auf dem Court kann er alles, an beiden Enden. Mit seiner Größe und Länge ist er ein Mismatch-Problem." Nun mag man Teamkollegen gern eine gewisse Voreingenommenheit unterstellen. Doch Jones erhielt gewissermaßen Unterstützung von höchster Stelle.

"Er ist super lang, athletisch, schnell auf den Füßen, und er hat diesen Willen und Drive", kommentierte Steph Curry Blacks Spiel, nachdem er sich aus nächster Nähe hatte überzeugen dürfen. "So bleibt er auf dem Feld. Offensiv war er heute auch gut. Er bringt sein Spiel auf die nächste Stufe." Ein entscheidender Punkt.

Anthony Blacks Weg zum Feinschliff

Während seiner ersten beiden Jahre galt Black vor allem als Versprechen. Die Theorie schenkte ihm gerade physisch alles, die Praxis verlangte noch Zeit. Als Defensivspezialist, der gegnerische Ballführende in Fehler hetzen, Passwege zusprinten und hinten Druck erzeugen kann, galt Black schon immer. Vorne, so das größtenteils einhellige Urteil, fehlte noch der Schliff.

Black nutzte die gerade Linie, kam in die Zone, schloss dort auch durchaus verlässlich ab. Gleichzeitig wirkte alles ein wenig erratisch. Die Explosivität eröffnete Möglichkeiten, mit feinerem Ballhandling und mehr Finesse in den Bewegungen, mit einem stabileren Wurf, so der Eindruck, wäre doch aber sicher noch mehr möglich. Ist es.

Blacks Spiel gegen Golden State ist nur ein Beispiel von vielen, die illustrieren, dass in Central Florida einer seine Tools nicht nur für das Offensichtliche, für die gerade Linie, nutzt, dass einer seine Voraussetzungen als Chance statt als Freifahrtschein begreift. Auf seinem Weg Richtung Zone baut Black mittlerweile vermehrt Richtungswechsel ein, verlangsamt plötzlich sein Tempo, um direkt nach innen zu beschleunigen und so genügend Raum für einen schnellen Abschluss zu gewinnen.

Orlandos Guard nutzt Eurosteps, Step Throughs, täuscht Pässe an, öffnet kurz seinen Körper, um der Defense eine Idee vorzugaukeln, ehe er blitzschnell eine andere in die Tat umsetzt. Gepaart mit seiner Explosivität, die Black weiter Alley-Oops vollenden, Layups treffen und Dunks durch den Ring drücken lässt, ist er für Defenses damit deutlich schwerer ausrechenbar.

Anthony Black: Mehr Anteile, mehr Output - doch entscheidend ist das Wie

So macht es der 21-Jährige Coach Jamahl Mosley leichter, ihm Spielzeit zu geben und gibt gleichzeitig zurück. 30,3 Minuten steht Black bislang im Schnitt auf dem Feld, vergangene Saison waren es noch 24,2. Dabei darf er 4,3 Würfe mehr nehmen (12,2 vs. 7,9); auch, weil er verlässlicher trifft (46,5 Prozent aus dem Feld vs. 42,3 Prozent). Versuche direkt am Ring rutschen dabei regelmäßiger durch die Reuse als während der ersten beiden Jahre des Guards (68 Prozent). All das kulminiert derzeit in 15,7 Punkten im Schnitt; 6,3 mehr als im Vorjahr.

Seit Wagners Knöchelverletzung schultert Black zudem immer mehr Verantwortung. Auch indem er immer wieder die Zone attackiert und den Welt- und Europameister so zwar nicht imitiert, aber den Magic doch ein Stilmittel gibt, das sie ohne einen ihrer Besten gebrauchen können. Den Nuggets schenkte Black dabei beispielsweise 38 Punkte ein, den Blazers 22, den Pacers 27, den Pelicans 26. Über den gesamten Dezember servierte er 18,9 im Schnitt Punkte.

Entscheidend bleibt dennoch, wie Black seine Ergebnisse erzwingt. Über die vergangenen Jahre hieß es gern, die Magic könnten noch einen auf den Guard-Positionen vertragen, der Möglichkeiten, Würfe, Punkte kreieren kann. Für sich und für seine Mitspieler. Deshalb holte Orlando unter anderem Desmond Bane aus Memphis. Nun haben die Magic zusätzlich Black. Doch nicht nur das.

Manchmal wackeliger Schütze, außer…

Ein Kollektiv aus Scharfschützen sind die Magic immer noch nicht. Tatsächlich treffen nur die Mavs unverlässlicher von draußen (33,8 vs. 33,9 Prozent 3FG). Diejenigen, die zum Korb ziehen, um Defenses Belastungsproben zu unterziehen, benötigen jedoch Platz, den wiederum Schützen schaffen sollen. Können Verteidiger nicht aushelfen, halten sie sich näher an der Dreierlinie auf. Wege öffnen sich. Beispielsweise für Franz Wagner.

Nur galt Black während seiner ersten beiden Jahre nicht gerade als Scharfschütze - und so viel vorweg: Er ist es immer noch nicht. 35 Prozent von draußen sind solide. Allerdings entstehen sie in Wellen. Phasen mit heißem Händchen aus der Distanz folgen auf kalte Episoden wie kürzlich, als Black gegen Washington und Brooklyn aufeinanderfolgend insgesamt einen von neuen Dreiern traf, um in den nächsten beiden Spielen sechs seiner elf Dreier durch den Ring zu schicken.

Einen Aspekt, einen entscheidenden Aspekt, hat er sich dagegen verlässlich angeeignet. Aus den Ecken verwandelt Black 48 Prozent seiner Dreier. Ein sehr guter Wert. Einer, der ihn noch wertvoller macht. Verlässliche Schützen aus der Ecke gelten spätestens seit den Houston Rockets um James Harden und seine Armada aus stationären Shootern wie PJ Tucker als gern genommene Raumschaffer. Bleibt Blacks Eckendreier so verlässlich, hilft das sowohl Wagner als auch Paolo Banchero und Bane.

Gleichzeitig kann Black selbst Angriffe einleiten und abschließen, Chaos stiften, Druck auf Defenses erhöhen. Inwieweit Coach Mosely all das zusammenfügt, wenn Franz Wagner zurück ist, muss sich natürlich zeigen. Zumal Jalen Suggs, Orlandos wichtigster Guard, derzeit wegen einer Knieverletzung fehlt. Blacks Entwicklung schenkt den Magic neue Möglichkeiten. Er kann das Feld breit machen oder selbst mit Ball kreieren, er kann Räume schaffen oder sie selbst nutzen - vor allem, weil er längst nicht mehr der Versuchung der geraden Linie erliegt.

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