Die Minutenverteilung war in der vergangenen Saison ein Dauerthema bei den Bayern - und am Ende zeigte es sich auch warum. Zahlreiche Leistungsträger pfiffen aus dem letzten Loch, Topscorer Carsen Edwards (Rücken) und Backup-Big Elias Harris (Knieverletzung) fehlten am Ende ganz.
"Wir haben in den BBL-Playoffs nicht unseren besten Basketball gespielt - weil einige Jungs richtig erschöpft waren", sagte Herbert im vereinseigenen Sommer-Interview und ließ aufhorchen: "Ich glaube, wir brauchen künftig eine 15-Mann-Rotation - und ich muss viel mehr im Hinterkopf haben, dass nicht alle immer jedes (BBL-)Spiel bestreiten können."
Im ersten Herbert-Jahr war es zumeist eine Zehner-Rotation, die in beiden Wettbewerben das Gros der Minuten abrissen. Selbst in der BBL erhielten Spieler wie Yam Madar, Kevin Yebo, Onuralp Bitim oder auch Youngster Ivan Kharchenkov nur wenige Minuten, sie alle verließen das Team, teilweise sogar früh während der Saison.
Bayern: Jessup bringt mehr Tiefe
"Bei mir muss man sich Minuten verdienen. Ich schenke sie nicht her", betonte Herbert mehrfach während der Saison. Angesichts der noch einmal steigenden Belastung könnte nun jedoch ein Umdenken stattfinden. 83 Pflichtspiele waren es 2024/25, für die kommende Spielzeit sind es bereits 73 fixe Termine ohne jegliche Playoffs und weiteren Pokalrunden.
Der Kader muss breiter werden, vor allem die Verpflichtung von Justinian Jessup ist ein erstes Indiz dafür. Der ehemalige Ulmer spielte eine gute Saison, ist auch EuroLeague-Niveau allerdings noch ein unbeschriebenes Blatt. Der 27-Jährige ist ein guter Shooter mit Playmaking-Qualitäten, ob er sich in Europas bester Liga durchsetzen kann, ist ungewiss.
Auf BBL-Niveau ist Jessup schon mal ein weiterer Qualitätsspieler, der vor allem Andi Obst Pausen verschaffen könnte. Der setzte im Vorjahr nur einmal aus - und das war dem Vize-Kapitän anzumerken. Besserung ist auch nicht in Sicht, dass die Saison für die Bayern schon knapp zwei Wochen nach der EuroBasket beginnen wird.
Bayern: Das Problem mit den deutschen Positionen
Neun Spieler haben die Bayern damit fix unter Vertrag, eingerechnet ist auch der langzeitverletzte Harris. Bei Finals-MVP Shabazz Napier gibt es eine Option, gleiches gilt für Carsen Edwards, bei weiterhin völlig offen ist, wie es weitergehen wird. Sie würden aber nur Ausländerspots besetzen, während es auf den deutschen Spots eng wird.
Yebo, Nick Weiler-Babb und Kharchenkov sind alle weg, ohne die Youngster Ivan Volf und Marco Frank (auch ihre Verträge sind ausgelaufen) sind es derzeit nur fünf fitte Deutsche (Hollatz, Obst, Giffey, da Silva, Voigtmann), die der Kader hergibt. Da aber sechs "Inländer" im Aufgebot stehen müssen, würden die Deutschen zwangsläufig zumeist dabei sein.
So haben die Bayern wohl unter anderem bei Leon Kratzer angeklopft, der aber nicht dritter Center sein wollte. Maodo Lo zieht es Kaunas, während die Zukunft von Ex-Bayer Karim Jallow noch nicht geklärt ist. Auch dem deutschen Meister schadet die NIL-Entwicklung auf dem College, mögliche Alternativen wie Sananda Fru, Hannes Steinbach oder eben Eigengewächs Kharchenkov verdienen in den USA ein Vielfaches davon, was die Bayern hätten zahlen können.
Bayern: Ein Ersatz für Weiler-Babb wird benötigt
Eine weitere Option könnte Tibor Pleiss sein, der während der Playoffs bereits in München zu Gast war und dessen Vertrag bei Panathinaikos ausgelaufen ist. Der Nationalspieler zeigte schon da, dass er sich im Zweifel auch ohne zu murren auf die Bank setzt. Als dritter Center hinter Johannes Voigtmann und Neuzugang Wenyen Gabriel wäre er eine gute Lösung.
Viel mehr gibt der deutsche Markt auch nicht mehr her, anders sieht es auf den ausländischen Positionen aus. Hier dürfte sicherlich ein Ersatz für Weiler-Babb Priorität genießen, dazu fehlen noch auf dem Flügel Alternativen für die gesetzten Vladimir Lucic, Niels Giffey und Oscar da Silva. Es wartet also noch viel Arbeit auf Sportdirektor Dragan Tarlac, die ersten kleineren Lücken wurden zumindest schon gestopft.
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