Die Nachricht schlug im serbischen Lager ein wie eine Bombe. Bogdan Bogdanovic zog sich im ersten Viertel des zweiten Gruppenspiels eine Oberschenkelverletzung zu, am Sonntag bestätigte der Verband, dass der 33-Jährige nach Untersuchungen durch die Ärzte seines NBA-Teams, den L.A. Clippers, nicht mehr auf das Feld zurückkehren wird.
Für Topfavorit Serbien ist das herber Dämpfer. Zwar ist der dreifache NBA-MVP Nikola Jokic weiterhin mit an Bord, doch mit Bogdanovic bricht nicht nur der zweitbeste Scorer weg, sondern auch der unumstrittene Leader der Mannschaft. Das ist eben nicht Jokic, sondern "Bogi", der in seiner Heimat als Legende angesehen wird und stellvertretend für die Generation des serbischen Basketballs steht.
Serbien: Was ist mit Micic?
Im Gegensatz zu Jokic spielte Bogdanovic bei fast allen Turnieren mit, nur 2022 fehlte der Shooting Guard verletzt. Auch damals gingen die Serben wegen Jokic als Top-Favorit in das Turnier - und scheiterte fast schon unerklärlich im Achtelfinale gegen Italien. Neben Jokic war der damalige EuroLeague-MVP Vasilije Micic der große Star im Team, nach der Bogdanovic-Verletzung rückt auch er wieder mehr in den Fokus.
Allerdings: Micic ist nicht mehr der Spieler, der den europäischen Basketball von der Spielmacher-Position dominierte. Sein NBA-Abenteuer blieb ohne Erfolg, nach der EM wird sich der 31-Jährige Hapoel Tel Aviv anschließen, die ihn zu bestbezahlten Spieler der EuroLeague machen. Ob er das wert ist? Das weiß keiner so genau, auch weil sich Micic mit Wehwehchen durch den Sommer schleppt.
In der Vorbereitung absolvierte der Aufbauspieler kein einziges Spiel und sah auch in den ersten drei Partien in Riga äußerst rostig aus. Seinen Platz in der Starting Five hat er an Defensiv-Spezialist Aleksa Avramovic verloren, durchschnittlich steht er keine zwölf Minuten auf dem Feld.
Serbien: Wer kann Jokic entlasten?
Ohne Bogdanovic fehlt ein Scorer vom Perimeter, einer der Jokic entlasten und auch selbst Spiele übernehmen kann. In Denver war es immer ein Alarmsignal, wenn Jokic zum Scorer mutierte. Gegen Lettland nahm Jokic plötzlich 26 Würfe in 32 Minuten für 39 Punkte und zehn Rebounds, Serbien setzte sich denkbar knapp durch. Zum Vergleich: Zum Auftakt gegen Estland schaute der Center kaum in Richtung Korb und begnügte sich mit vier Versuchen aus dem Feld.
Ob Micic helfen kann? Das ist zu bezweifeln, stattdessen beförderte Svetislav Pesic Marko Guduric in die Starting Five. Der Ex-NBA-Spieler ist für seine Nervenstärke bekannt, er ist ein Spieler für große Momente. Das sah man nicht zuletzt im EuroLeague-Finale, als Guduric die entscheidenden Würfe für Fenerbahce zum Titel versenkte. Er ist allerdings nicht so explosiv und auch nicht so konstant wie Bogdanovic, der in FIBA-Turnieren seit Jahren des Ruf eines echten Killers hat.
Serbien: Bleibt Bogdanovics Karriere ungekrönt?
Wie man es auch dreht, dieser Verlust schmerzt. Für Bogdanovic, für den dieses Turnier eigentlich die Krönung seiner tollen Nationalmannschafts-Karriere sein sollte. Nach viermal Silber (Olympia 2016, WM 2014, 2023, EM 2017) und einmal Bronze (Olympia 2024) sollte endlich Gold her, um seinen Legendenstatus endgültig zu zementieren. Und auch für Serbien, die zuletzt 2002 noch als Jugoslawien ihr letztes großes Turnier gewannen (natürlich mit Coach Pesic).
Mit Jokic haben die Serben weiterhin den besten Spieler und noch immer Qualität auf allen Positionen, doch ohne Bogdanovic könnte das gewisse Extra fehlen. Und wenn man dann auch noch die starken Vorstellungen der deutschen Mannschaft sieht, dann ist plötzlich im Kampf um Gold alles komplett offen.
Serbiens Vorteil: Sie haben bereits die ersten drei Spiele gewonnen und entsprechend eine gute Ausgangssituation. Allerdings wartet in der Gruppe auch noch ein Duell um den Gruppensieg mit der Türkei. Sollte Serbien sich durchsetzen, wartet ein womöglich leichter Weg in Richtung Finale, bei Platz zwei könnte es deutlich schwieriger werden.
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