Es war beinahe das perfekte Spiel. Ein Notwurf mit Ablauf der Wurfuhr sowie ein vergebener Freiwurf, alles andere ging durch die Reuse. 29 Punkte legte Franz Wagner im abschließenden Testspiel der deutschen Basketball-Nationalmannschaft in Köln gegen Spanien auf, neun der zehn Feldwürfe waren drin, dazu traf der Berliner auch zehn von elf Freiwürfen.
Es war eine überragende Vorstellung des NBA-Profis, der das machte, was er am besten kann. Der 23-Jährige attackierte immer wieder den Korb, Spaniens Verteidiger fanden gegen den Magic-Forward keine Lösungen und wussten sich letztlich nur mit Fouls zu behelfen.
"Er ist sehr stark und stabil, dazu hat er eine gute Beinarbeit und verzögert immer sehr clever", analysierte Andi Obst nach der Partie, warum es so schwer ist, Wagner trotz des wackligen Wurfs aus der Zone zu halten. "Er hat dann auch die Größe, um sich da durchzutanken und dann die langen Arme, um gut abschließen zu können."
Wagner profitiert vom neuen Spielsystem
Hinzu kommt ein neues Element unter Alex Mumbru. Es soll viel mehr gelaufen werden und Wagner ist dafür prädestiniert. So kann der Flügelspieler selbst den Fastbreak einleiten oder aber konsequent mitlaufen. Erhält er dann erstmal den Ball, ist er mit seiner Länge kaum noch zu stoppen, sechs Zähler erzielte er gegen Spanien auf diese Weise.
Es ist ein Aspekt seines Spiels, der oft etwas zu kurz kommt. Orlando spielt in der NBA sehr langsam, ähnlich war es im DBB-Team unter Gordon Herbert. Mumbru will dagegen laufen, er will mehr Risiko und Wagner nimmt hier eine Schlüsselrolle ein. Selbst wenn er dann den Ball nicht bekommt, übt seine Präsenz schon Druck auf die Verteidigung aus.
Mit durchschnittlich 21 Punkten ist Wagner auch Topscorer der Vorbereitung, in allen Partien waren es zumindest 17 Zähler. Aus dem Zweierbereich verwertet Wagner fast 70 Prozent, auch das sollte erwähnt werden. Manchmal fällt das ein wenig runter, da der Fokus auf den Wurf so groß ist. Das bleibt ein Thema, in der Vorbereitung waren es nur vier Treffer bei 26 Versuchen.
Wagner: Bestes Plus-Minus aller deutschen Spieler
Das Spiel in Köln lieferte keine neuen Erkenntnisse. Ein Versuch war drin, der zweite war ein Notwurf. An diesem Abend brauchte Wagner den Dreier schlichtweg nicht. Dennoch versprühte er nach dem Spiel bei MagentaSport Optimismus: "Der Wurf fühlt sich gut an. Er ist flüssiger als letzte Saison und dann vertraut man der Arbeit, die man im Sommer investiert hat."
Das will Wagner niemand absprechen, doch die Zahlen der vergangenen Jahre sprechen eine andere Sprache. Man hofft, ihm zu vertrauen, denn in den Duellen mit den absoluten Top-Nationen muss der Wurf einfach besser fallen. Es könnte der Unterschied zwischen einem Star und einem MVP-Kandidaten sein. Der NBA-Legionär hat über die sechs Partien den besten Plus-Minus-Wert aller deutschen Spieler, im Schnitt erzielt das DBB-Team mit dem Berliner rund 9,2 Punkte mehr als der Gegner.
In der Vorbereitung war Wagner dies für den DBB, gefühlt ist der Ball nun häufiger in seinen Händen und bisher macht der Berliner auch viel daraus. Wagner will mehr führen und Verantwortung übernehmen - aus deutscher Sicht kann das nur Gutes heißen. Die Vorbereitung zeigte dies sehr gut.
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