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"Das bleibt im Hinterkopf": DBB-Team gegen die Geister der Vergangenheit

kicker

Aus Riga/Lettland berichtet Julius Ostendorf.

Drei Jahre, drei Medaillen. Das Antrittsversprechen vom ehemaligen Bundestrainer Gordon Herbert, zunächst noch belächelt, stand nun vor ziemlich genau 13 Monaten kurz vor seiner Vollendung. Mit einem Sieg gegen Gastgeber Frankreich bei den Olympischen Spielen wäre dem DBB-Team damals zumindest Silber sicher gewesen.

Dabei schien ein Sieg gegen Les Bleus sogar am naheliegendsten. Keine Woche zuvor hatten sich beide Teams schon einmal gegenübergestanden - mit dem klar besseren Ende für Deutschland, die sich mit 85:71 durchsetzten und den Olympia-Ausrichter vor heimischem Publikum fast ein bisschen demütigten.

"Ich erinnere mich noch gut daran", sagte Dennis Schröder am MagentaSport-Mikrofon. "Wir haben in dem Sommer viermal gegen die Franzosen gespielt, zweimal davon gewonnen." Nach dem hohen Sieg in der Gruppenphase habe man das Rematch am 8. August 2024 dann aber "ein bisschen auf die leichte Schulter genommen."

Finnland? "Nicht mehr das Team aus der Vorrunde"

Das Ende vom Lied: Frankreichs (inzwischen Ex-)Nationaltrainer Vincent Collier stellte radikal um, verbannte beispielsweise NBA-Star Rudy Gobert über weite Strecken auf die Bank. Doch der Plan ging auf und man zog Deutschland insbesondere offensiv den Stecker.

13 Monate später ist die Situation durchaus eine ähnliche. Auch Finnland hatten die deutschen Basketballer mit großem Vorsprung aus deren eigener Halle geschossen und daraufhin eine Reaktion provoziert. Auch Finnland gelang anschließend der sportliche Turnaround und mit dem Sieg gegen EM-Topfavorit Serbien auch die wohl größte Überraschung des laufenden Turniers.

Nicht umsonst "haben die gerade sehr viel Selbstvertrauen", sagte Nationalspieler Johannes Thiemann gegenüber basketball-world.news. "Die spielen schnell, spielen richtig gut. Das ist nicht mehr das Team, gegen das wir in der Vorrunde gespielt haben."

Wagner: "Das bleibt im Hinterkopf"

Wie Schröder ruft auch Thiemann sofort den Geist der Vergangenheit herbei: "Wir müssen extrem aufpassen. Letztes Jahr ist uns etwas sehr ähnliches passiert, als wir den Gegner in der Vorrunde stark besiegt und im Halbfinale dann verloren haben", und weiter: "Das war uns hoffentlich eine Lehre."

Ähnlicher Meinung ist auch Deutschlands Topscorer Franz Wagner, der hofft, aus Momenten wie diesem, entscheidende Motivation ziehen zu können: "Ich weiß ja nicht, wie alles gelaufen wäre, wenn wir jedes Spiel gewonnen hätten. Aber solche Erlebnisse prägen einen als Team. Das bleibt im Hinterkopf."

Finnlands Stärke ist Deutschlands Schwäche

In der Tat dürfte das Ergebnis vom 3. September (91:61) das Bild etwas verzerrt haben. Nach vier Spielen mit über 100 Punkten in Folge war Finnland das erste Team der EM, welches Deutschland unter dieser Marke gehalten hatte. Selbst traf man den Dreier mit 19,4 Prozent (6/31) dagegen auffällig schlecht. Darüber hinaus erwischte Starspieler Lauri Markkanen gegen den zugegebenen brillant verteidigenden Isaac Bonga einen gebrauchten Abend.

Man darf durchaus seine Zweifel haben, ob all diese Puzzleteile auch heute wieder für das deutsche Team so ineinander greifen werden.

Im EM-Halbfinale sind die Finnen freilich die klare Überraschung. Ihren Platz unter den besten Vier hat sich die Mannschaft aber trotzdem redlich verdient. Hohes Tempo, großartiges Rebounding (ausgerechnet Deutschlands große Schwäche) und charismatische Spieler. Die Devise des DBB-Teams bringt Schröder daher auf den Punkt: "Das darf uns dieses Mal nicht passieren."

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