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Das große EM-Favoritensterben: Warum das nur auf den ersten Blick überrascht

kicker

Serbien, Frankreich, Spanien - drei Nationen, die viele Jahre den europäischen Basketball dominierten, sind allesamt nicht im Viertelfinale vertreten. Das gab es zuletzt vor rund 50 Jahren, dass keine dieser Länder noch dabei ist.

Stattdessen haben sich Teams wie Polen, Georgien oder Finnland qualifiziert, Nationen, die man nur bedingt als Basketball-Großmächte auf dem Schirm hat - auch wenn diese Mannschaften durchaus Qualitäten und auch Starspieler haben.

Letztlich deutete sich schon im Vorfeld des Turniers an, dass dieses Potenzial für Überraschungen haben könnte. Zwar mäkelten einige über den aufgeblähten Modus, doch fast alle Länder verfügen inzwischen über NBA-Spieler oder zumindest Akteure aus der EuroLeague. Die "Kleinen" gibt es kaum noch, wenn man mal von Zypern oder Großbritannien absehen möchte.

Basketball-EM: Frankreich fehlte eine Hierarchie

Auf der anderen Seite gibt es große Nationen im Umbruch. Frankreich fehlten alle Center inklusive Mega-Talent Victor Wembanyama, dazu traten Konstanten wie Nicolas Batum oder Nando de Colo zurück. So waren nicht nur viele Neulinge im Kader, sondern auch keine klare Hierarchie erkennbar. Kapitän Guerschon Yabusele ist zwar ein Top-Spieler, aber ein echter Leader war er weder im Klub noch in der Nationalmannschaft.

Diese Hierarchien müssen sich erst noch bilden. Die Franzosen haben unglaublich viel Talent, viele sind aber noch nicht bereit für ein solches Turnier. Man nehme hier nur mal die Guards. Sylvain Francisco, Elie Okobo oder Theo Maledon sind sehr gute EuroLeague-Spieler, hatten aber noch nie eine solche Verantwortung und agierten entsprechend inkonstant. Dazu war nie so wirklich klar, auf wen der neue Coach Frederic Fauthoux eigentlich baut.

Georgien war für ein solch junges Team ein undankbarer Gegner. Die Balance im Spiel fehlte sichtbar, am Ende fehlte ein Spieler, der die Mannschaft auf seinen Rücken packte. Das ist völlig normal für so ein zusammengewürfeltes Team, welches so vermutlich nie wieder zusammenspielen wird. Im Gegensatz zu anderen Nationen gibt es hier aber einen klaren Weg zurück in die Spitze.

Basketball-EM: Spanien im Umbruch

Wembanyama, Zaccharie Risacher, Alex Sarr, Bilal Coulibaly und, und, und - die Franzose haben den größten Talent-Pool außerhalb der USA und werden eher früher als später wieder um Medaillen spielen.

Anders sieht das bei Spanien aus. Die goldene Generation ist nun weg, auch Coaching-Guru Sergio Scariolo konnte seine Magie nicht gewinnbringend einbringen. Die Iberer haben nicht mehr die Gasols, keinen Rudy Fernandez oder Sergio Llull, Spieler, welche "La Familia" mehr als Jahrzehnt prägten. Im Jugendbereich läuft es zwar weiter, aber der nächste Star ist einfach noch nicht in Sicht.

Basketball-EM: Teams mit Identität im Vorteil

Sowohl Spanien als auch Frankreich eint, dass diese Mannschaften sich im Umbruch befinden. Es ist kein Zufall, dass die angesprochenen Georgien, Finnland und Polen (oder auch das alternde Slowenien) einen Stamm haben, die schon einige Turniere auf dem Buckel haben. Das gilt übrigens auch für die deutsche Mannschaft, die sich inzwischen blind versteht.

Das macht das DBB-Team zum Top-Favoriten, weil sie einerseits die Star-Power mit Franz Wagner und Dennis Schröder haben, andererseits aber auch die Tiefe mit vielen Spieler, die schon zum Beispiel bei der WM 2019 dabei waren.

Nicht viele Nationen können das von sich behaupten und auch deswegen herrschte so große Ungewissheit vor dem Turnier. Es gab bei Teams wie Frankreich, Lettland, Spanien, Litauen und wie sie alle heißen, so viele Variablen und so viele Fragezeichen. Das Ergebnis ist dieser bunte Mix im Viertelfinale.

Basketball-EM: Serbien vom Verletzungspech gestoppt

Die große Ausnahme ist Serbien, der eigentliche Topfavorit. Für sie galt eigentlich genau das, was auch für Deutschland galt. Stars, Tiefe, Balance, Konstanz, das alles war da, wurde jedoch durch ein unfassbares Verletzungspech sowie den falschen Gegner zur falschen Zeit torpediert. Umso bitterer, weil nicht klar ist, wie viele Turniere die Mannschaft in dieser Zusammensetzung noch hat.

Das ist letztlich der Reiz solcher Turniere, sie finden eben nicht jedes Jahr statt. Nationalmannschaften entwickeln sich in Zyklen, nur die wenigsten Nationen können sicherstellen, dass man die angesprochenen Checkpoints konstant abhaken kann. Diese EM ist in der Hinsicht eine Anomalie, weil gleich mehrere Top-Nationen größere Umbrüche zu bewältigen haben. Das schafft Platz für "kleinere" Länder und wenn man die Spiele gesehen hat, dann steht es außer Frage, dass sich Georgien, Finnland oder Polen ihren Spot verdient haben.

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