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Lo über Albas EuroLeague-Ausstieg: "Kann die richtige Entscheidung sein"

kicker

Herr Lô, die Europameisterschaft liegt nun ein paar Wochen zurück. Deshalb die wichtigste Frage vorab: Haben Sie sich bei Johannes Thiemann entschuldigt, nachdem Sie ihn in der Vorbereitung zu Boden gecheckt haben?

Lô: Das war mein erstes Spiel im Sommer, mein Comeback. Ich war da einfach ein bisschen übermotiviert (lacht). Wir haben nochmal darüber gesprochen - und ich habe danach Tempo und Intensität etwas runtergeschraubt.

Nach Berlin, Mailand und Paris spielen Sie jetzt im litauischen Kaunas - eine mit Abstand kleinere Stadt. Wie haben Sie sich eingelebt?

Lô: Es ist eine gute Stadt. Ich werde auch älter und ruhiger, wir erwarten unser zweites Kind. Kaunas passt da: kurze Wege, weniger Ablenkungen und man kann sich mehr auf den Körper und Basketball konzentrieren. Auch die Halle und der Verein - das ist alles sehr professionell, es wird sich um alles gekümmert. Das ist stark.

In Litauen ist Basketball regelrechte Religion. Wie nehmen Sie die Kultur wahr?

Lô: Das ist sehr cool. Man merkt es überall. Auf der Straße wird man oft erkannt - das ist etwas anderes als in der Metropole. Die Atmosphäre in der Halle ist auch sehr, sehr krass. Das macht schon Spaß, diese Leidenschaft für Basketball zu sehen.

Lô nach EM-Sieg: "Hatte vier freie Tage"

Auch sportlich lief die Saison perfekt für Sie an: Wettbewerbsübergreifend haben Sie alle sechs Spiele bisher gewonnen. Darunter auch in der EuroLeague gegen den amtierenden Meister Fenerbahce. Was ist aktuell Ihr Erfolgsrezept?

Lô: Es ist noch sehr früh in der Saison, aber: Kontinuität. Viele Jungs sind geblieben, kennen sich - das ist ein gutes Fundament. Darauf bauen wir auf, die Neuen integrieren sich gut. Ich selbst habe erst fünf Spiele gemacht; für große Urteile ist es zu früh.

Wenn man den EuroLeague-Sieger schlägt, sind die Ambitionen sicherlich hoch, oder?

Lô: Ja, definitiv. Der Verein ist schon sehr ambitioniert. Die Zielstellung ist es, national die Meisterschaft zu gewinnen und in der EuroLeague um die Play-ins/Playoffs konkurrieren und idealerweise die Playoffs erreichen. Das ist natürlich schwer, die Konkurrenz ist groß - aber genau das ist das Ziel.

Sie kommen direkt aus dem Natio-Sommer. Wie viele freie Tage hatten Sie danach?

Lô: Nach der EM hatte ich vier freie Tage. Man spürt den Sommer natürlich. Aber ehrlicherweise kenne ich es fast nicht anders. Irgendwie fühle ich mich nach jedem Sommer so - und ich hatte viele Sommer. Mit dem Alter investiere ich mehr in Regeneration, um so fit und gesund wie möglich zu bleiben.

Lô über NBA Europe: "Würde die europäische Basketballlandschaft extrem verändern"

Zuletzt wurde die Kritik an den europäischen Spielplänen lauter - immer mehr Spiele, die EuroLeague wächst. Schließen Sie sich dem an?

Lô: Ja, auf jeden Fall schließe ich mich der Kritik an. Es sollen noch mehr Spiele ausgetragen werden und dann bestehen auch die nationalen Ligen darauf, keine Spiele zu streichen. Das ist zu viel. Vor allem, weil viele EuroLeague-Klubs zusätzlich lange nationale Playoffs haben. Du spielst bis Ende Juni, im August beginnt schon die Vorbereitung - selbst, wenn du nicht noch in der Nationalmannschaft spielst.

Etwas ändern dürfte sich auf jeden Fall. Spätestens, wenn die NBA in Europa anklopft.

Lô: Wenn die NBA nach Europa kommt, würden sich definitiv einige Sachen umkrempeln. Das würde die europäische Basketballlandschaft extrem verändern. Ob zum Positiven oder Negativen, das weiß ich nicht. Europa hat eine eigene Basketballkultur und Intensität; die NBA hat ein starkes Produkt und Business. Wie sich das mischt, müsste man sehen.

Ein Auge auf den Wettbewerb hat auch Ihr Ex-Klub, Alba Berlin, geworfen. Verfolgen Sie noch die Entwicklung des Vereins?

Lô: Ich verfolge alle meine ehemaligen Stationen genau. Es spielen auch noch viele Freunde von mir da. Ich denke, als Organisation hat Alba in den letzten Jahren viel richtig gemacht. Man darf nicht vergessen, wie erfolgreich die Jahre unter schwierigeren Budgetbedingungen waren, teilweise hat man die EuroLeague-Playoffs nur knapp verpasst. Und das ist noch nicht lange her. Albas Philosophie unterscheidet sich generell von anderen Klubs, die mit großen finanziellen Spritzen arbeiten.

Der Austritt aus der EuroLeague wirkt allerdings riskant ...

Die Entscheidung, die sie jetzt getroffen haben, kann für die Zukunft auf jeden Fall richtig sein. Sportlich muss man Ruhe bewahren. Es gibt immer Höhen und Tiefen - ich kenne keinen Verein, bei dem das anders ist.

Lô noch unsicher über WM-Teilnahme 2027

Am Freitag geht es für Sie in der EuroLeague gegen Bayern München und damit auch gegen fünf ihrer EM-Kollegen. Freuen Sie sich darauf?

Lô: Klar, man freut sich immer, die Jungs zu sehen. Wir sind inzwischen wirklich Freunde geworden. Man kennt sich über Jahre und hat schon so viele Erinnerungen miteinander geteilt. Da freut man sich natürlich - vor allem nach so einem Sommer. Sich nochmal abseits des Spiels zu sehen ist aber schwer. Höchstens nach dem Spiel, aber dann ist es auch schon spät. Am Samstag fliegen wir direkt in der Früh zurück.

Zum Abschluss: Das nächste große Turnier mit der Nationalmannschaft ist erst in zwei Jahren. Sind Sie dabei?

Lô: Ich hoffe, dass ich in zwei Jahren noch lebendig bin (lacht). Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Ich hoffe, dann gesund zu sein - mehr kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass im nächsten Sommer kein Natio-Turnier stattfindet. Und das wird mir persönlich auf jeden Fall guttun. Nach dem letzten Spiel mit Kaunas werde ich versuchen, mal den Sommer zu genießen.

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