Aus Tampere/Finnland berichtet Robert Arndt.
Isaac Bonga musste gar nicht lange überlegen bei dieser Frage. 100 Punkte erzielen oder nur 61 Zähler zulassen? Zweiteres war die Wahl des Forwards von Partizan Belgrad, der daran mit vier Steals und zwei Blocks einen enormen Anteil hatte.
Bonga war es, der die meiste Zeit NBA-All-Star Lauri Markkanen zu verteidigen hatte und der gut zehn Zentimeter kleinere Ex-Bayern-Spieler machte es so gut, wie man es nur machen konnte. 29 Zähler hatte Markkanen in den vier Spielen im Schnitt gescort, in der Vorbereitung waren es sogar mal 48, doch gegen Bonga und die deutsche Defense wurde es gerade einmal elf bei einer Quote von 4/15 aus dem Feld.
"Er ist unglaublich", staunte Johannes Thiemann im Gespräch mit basketball-world.news über seinen Mitspieler. "Nicht umsonst wurde er in der ABA League zum besten Verteidiger ausgezeichnet. Der Typ ist krass und was er heute wieder geleistet hat, war wirklich beeindruckend."
Markkanen? Das Leben zur Hölle machen
Das bekam auch nicht nur Markkanen zu spüren. Bonga war ständig in den Passwegen und entnervte so das finnische Team, welches vor allem über die eigene Offense kommt. Ein Athlet wie Bonga fehlt Finnland, davor hatte auch der finnische Sportdirektor Henrik Dettmann im Interview mit basketball-world.news gewarnt.
"Wir wollten physisch sein und ihm das Leben zur Hölle machen", verriet Bonga gegenüber MagentaSport. "Man muss verstehen, dass er scoren wird, aber davon darf man sich nicht frustrieren lassen." Nach der Pause erzielte Markkanen nur noch drei Zähler, bereits acht Minuten vor dem Ende hisste Finnlands Coach Lasse Tuovi die weiße Flagge - auch wegen der deutschen Defense.
"Ich habe mich auf das Spiel, aber vor allem auf das Matchup gefreut. Ich nehme sowas persönlich", verriet Bonga bei MagentaSport und erklärte seine Herangehensweise: "Ich gehe da rein und sage: 'Wenn der nach Hause geht, hoffe ich, dass er Albträume von mir hat.'" Zumindest sieht man es selten, dass der Hüne Markkanen beim Sprungwurf geblockt wird, Bonga gelang es und das sorgte bei den sehr fairen finnischen Zuschauern für ein langes Raunen. Ansonsten gab der Flügelspieler kaum Platz ab, war stets hauteng am finnischen Star, oft an der Grenze des Erlaubten.
Bonga: Die deutsche Allzweckwaffe
Laut Bonga sollten die Finnen in Finnland zerstört werden, das Ergebnis von 91:61 spricht Bände. Dazu hielt Bonga auch eine andere persönliche Serie am Laufen: Im fünften Turnierspiel in Serie verwandelte der 25-Jährige einen Dreier. Somit ist seine Offense respektabel genug, um nicht vom Feld gespielt zu werden.
Der Forward ist so etwas wie die Allzweckwaffe der Deutschen, über den Sommer sieht er die viertmeisten Minuten und wurde durch die Verletzung von Johannes Voigtmann in die Starting Five beordert. Eine Situation, die Bonga kennt. Schon beim WM-Titel sprang der ehemalige Lakers-Spieler für den verletzten Franz Wagner in die Bresche, nun gibt Bonga einen mobilen Forward auf einer großen Position.
Das erledigt er bislang vorzüglich und steht damit sinnbildlich für den Speed im deutschen Spiel. Und das nicht nur offensiv. Auch in der Verteidigung gehen seine Arme teils blitzartig in die Passwege, in anderen Situationen war Bonga einfach handlungsschneller, um einen freien Ball zu stibitzen.
Bonga als Starter: Mobilität schlägt Länge
Deutschland verliert zwar so an Länge unter dem Korb - 24 finnische Offensiv-Rebounds sprechen hier eine deutliche Sprache -, doch Interimscoach Alan Ibrahimagic deutete schon an, dass man dies womöglich in Kauf nähme, weil die Vorteile der kleinen Lineups überwiegen würden.
Die Rekorde in der Gruppenphase sprechen eine deutliche Sprache, nun geht es in Riga aber wieder bei Null los. Am Samstag wartet mit Portugal im Achtelfinale ein eher unbekannter Gegner, das gab auch Bonga zu. "Ich weiß bisher nichts, aber wir werden natürlich vorbereitet sein." Womöglich wird in der Nacht auf Sonntag ein Portugiese Albträume haben.
Die perfekte Gruppenphase: Diese Rekorde hat Deutschland aufgestellt
"Jetzt fängt das Turnier an": Ibrahimagic mahnt nach perfekter Gruppenphase