New York Knicks: Was wurde in der Offseason gemacht?
Tom Thibodeau war in New York nicht mehr unumstritten, dennoch war seine Entlassung nach dem Aus in den Conference Finals (2-4) eine kleine Überraschung. Schließlich hatten die Knicks zuvor den amtierenden Meister Boston ausgeschaltet, welcher zumindest vier Spiele in Bestbesetzung antrat, bevor sich Jayson Tatum die Achillessehne riss.
Thibodeaus Basketball wirkte dennoch oft monoton und zu sehr auf Jalen Brunson ausgerichtet. Das Management traf sich schließlich mit einigen Spielern und entschied sich dann für den Wechsel auf der Kommandobrücke. Es folgte eine teils kuriose Phase mit zahlreichen Absagen. Jason Kidd (Dallas), Chris Finch (Minnesota) und Ime Udoka (Houston) durften nicht vorsprechen, stattdessen fiel die Wahl auf Mike Brown, der Anfang des Jahres von den Sacramento Kings geschasst wurde.
Ansonsten verlief der Sommer ruhig, da New York nach dem Trade für Karl-Anthony Towns im Vorsommer sowie den Verlängerungen von Brunson und O.G. Anunoby wenig Spielraum hatte. Im August wurde schließlich auch der Vertrag von Mikal Bridges verlängert, er steht nun bis 2030 unter Vertrag und wird über vier Jahre 150 Millionen Dollar einstreichen.
Letztlich ist es kein Maximalvertrag, aber eben doch eine Menge Holz für Bridges, der nach seinem Trade aus Brooklyn nur bedingt überzeugen konnte und defensiv im Vergleich zu alten Suns-Zeiten etwas einbüßte. Neu sind dagegen Guerschon Yabusele sowie Jordan Clarkson. Letzterer übernimmt die Payne-Rolle für Scoring von der Bank, während Yabusele als Allrounder für die großen Positionen kommt. Beide bringen etwas Tiefe, mehr aber auch nicht.
Im Gegenzug verließ ein Quartett die Knicks, wovon aber keiner viel Spielzeit erhielt. Aus deutscher Sicht war es dagegen erfreulich, dass die Team-Option von Ariel Hukporti (ca. 2 Mio. Dollar) wahrgenommen wurde. Der deutsche Big dürfte erneut als dritter Center hinter Towns und Mitchell Robinson eingeplant sein.
New York Knicks: Überblick Zu-/Abgänge
Zugänge: Guerschon Yabusele (Sixers), Jordan Clarkson (Jazz), Mohamed Diawarra (Draft)
Abgänge: Precious Achiuwa, Delon Wright, Cam Payne, P.J. Tucker (alle unbekannt)
* Spieler-Option, ** Team-Option, *** nicht garantiert, UFA = Unrestricted Free Agent, RFA = Restricted Free Agent
New York Knicks: Was ist die Ausrichtung der Franchise?
Die Knicks jagen ihre erste Meisterschaft seit 1973 sowie die erste Final-Teilnahme seit 1999. Mit Brunson, Bridges, Towns, Anunoby und Josh Hart steht der Kern mindestens bis 2028 unter Vertrag, dies dürfte das Fenster sein, in dem die Knicks realistische Chancen auf den Titel haben.
Die Voraussetzungen sind auch günstig. Dauer-Rivale Indiana und der ewige Platzhirsch aus Boston sind durch Verletzungen gebeutelt und fallen in der kommenden Saison aus dem Titelrennen. So ist die Eastern Conference wieder komplett offen und die Knicks müssen als einer der Top-Favoriten gesehen werden.
New York Knicks: Wo liegen die Schwächen?
So gut die Starting Five auch ist, dahinter fehlt weiter Qualität, vor allem auf dem Flügel. Zudem bleibt Perimeter-Defense ein Thema, weil zumeist Bridges die besten Guards verteidigen muss. Das zählt jedoch nicht (mehr) zu seinen Stärken, auf dem Flügel wäre er besser aufgehoben.
Dazu kommt die Frage, ob Coach Brown tatsächlich ein Upgrade ist? Auch er gilt trotz seiner guten Jahre in Sacramento nur bedingt als Offensiv-Guru und kreativer Kopf. Gleichzeitig ist Brunson der mit Abstand beste Ballhandler im Team, vom Rest kommt da zu wenig. Das ist Meckern auf hohem Niveau, aber aufgrund der Ambitionen der Knicks sind es valide Punkte.
New York Knicks: Prognose
Zusammen mit Cleveland und womöglich mit Abstrichen Orlando sind die Knicks der Top-Favorit auf den Einzug in die Finals in der Eastern Conference. Das Team kennt sich nun ein gutes Jahr, lediglich der Coach ist die neue Variable im System. Brown hat bewiesen, dass er mit balldominanten Guards (Fox) arbeiten kann, dazu ist Brunson nun in der Prime seiner Karriere und dürfte erneut eine Saison auf All-NBA-Niveau spielen.
Die Herausforderung wird sein, Towns besser in die Offense einzubinden, um mehr Flexibilität zu gewinnen. New York hat das Potenzial, eine Top-5-Offense zu stellen, und damit auch die Chance, einen Titel zu gewinnen. Ob es aber gegen die Schwergewichte aus dem Westen reicht? Das ist fraglich, dennoch sollte diese Saison als goldene Chance für die darbenden Fans im Big Apple angesehen werden. "Leichter" wird es vermutlich nicht mehr.