Nur 17 Spiele absolvierte Dinwiddie für den deutschen Meister, dabei legte er im Schnitt in 24 Minuten 12,1 Punkte sowie 3,1 Assists auf. Dazu kommen Wurfquoten von 39 Prozent aus dem Feld sowie 34 Prozent von der Dreierlinie. Das ist ordentlich, vermutlich hätten sich aber beide Seiten mehr von diesem überraschenden Engagement versprochen.
Folgerichtig wurde der Vertrag vorzeitig aufgelöst, auch wenn die Bayern und Dinwiddie betonten, dass ein "schwerer Krankheitsfall" in der Familie der Grund für die vorzeitige Trennung war. So war sein Kurzeinsatz gegen Hapoel Tel Aviv kurz vor Weihnachten der letzte für die Münchner, danach verabschiedete sich der 32-Jährige wieder in die USA.
Dinwiddie: Bayern gewann die Minuten mit ihm
Zufall, dass die Bayern die folgenden vier Partien ohne den Star-Guard gewannen? Vermutlich ja, gleichzeitig muss man auch sagen, dass Dinwiddie nur bedingt in München ankam. Dafür gibt es mehrere Gründe: Das neu zusammengestellte Münchner Team fand nie wirklich zusammen, der brutale Auswärtstrip in der EuroLeague mit neun Niederlagen am Stück sowie dem Absturz auf den letzten Platz sowie die unklare Ausrichtung auf der Trainerposition durch die Krankheit von Gordon Herbert verunsicherten die Mannschaft spürbar.
Dinwiddie allein ist es nicht anzulasten, dass die Bayern in der EuroLeague durchgereicht wurden. Gleichzeitig hob er das Team auch nicht wie erhofft auf ein höheres Level. Mit Dinwiddie hatten die Bayern in elf EL-Spielen zwar ein leicht positives Net-Rating (+0,4), das können über die Saison ansonsten nur Oscar da Silva (+3,2) und Justinian Jessup (+1,5) von sich behaupten.
Aber: Der scheinbar so perfekte Fit war einfach nicht da und weder Herbert noch dessen Vertreter T.J. Parker fanden die richtige Rolle für den US-Star. Mal spielte Dinwiddie an der Seite eines klassischen Spielmachers wie Stefan Jovic oder Justus Hollatz, mal hatte der frühere Mavs-Spieler selbst die Zügel in der Hand.
Dinwiddie und die Bayern: Es passte einfach nicht
Beides brachte aber nicht die gewünschten Resultate. Als Shooting Guard blockierte Dinwiddie die Position von Andi Obst, dem in dieser Saison vermutlich besten Münchner. Als Spielmacher suchte Dinwiddie dagegen selbst zu häufig den eigenen Abschluss, ohne den Ball großartig laufen zu lassen. Die größte Stärke war das Ziehen von Freiwürfen, aber wirklich besser machte er seine Mitspieler damit nicht.
Dazu kamen zahlreiche unnötige Fouls und Frust über die Linie der Schiedsrichter in Europa. In mehreren Spielen nahm sich Dinwiddie so selbst aus der Partie und fiel auch in der Verteidigung nicht besonders positiv auf. Vielleicht hatte er nicht genug Zeit zur Akklimatisierung in Europa, vielleicht ist Dinwiddie aber auch einfach nicht mehr der Spieler, der vor zwei Jahren für ein NBA-Finals-Team solide Rotationsminuten spielte.
Die Bayern gingen mit dieser Verpflichtung ein gewisses Risiko ein, das sollte sich nicht auszahlen. Immerhin steht wohl schon ein Ersatz für den abgewanderten Aufbauspieler bereit, zu retten wird die Saison (in Europa) aber nicht mehr sein. So ist es logisch, dass diese überraschende Beziehung nach wenigen Monaten endet, auch wenn der neue Coach Svetislav Pesic nach der Partie gegen Trier betonte, wie wichtig Dinwiddie für die Bayern noch werden könne.
Letztlich war es aber schwer vorstellbar, wie Pesic den Guard eingesetzt hätte. In der Vergangenheit rieb sich der 76-Jährige gerne mit US-Guards, bei Dinwiddie wäre es vermutlich nicht anders gewesen. Eine klare Antwort werden wir darauf aber nicht mehr bekommen.