Deutsche brilliert für ihr neues Team
Bei den Mercury ist nichts mehr so, wie es vor der Saison war. Nach langen Jahren ist in der Offseason die Brittney Griner/Diana Taurasi-Ära zu Ende gegangen und eine neue Ära wurde prompt eingeläutet. Statt eines prominenten Duos will Phoenix in Zukunft mit einer Big Three überzeugen. Kahleah Copper kam bereits 2024 aus Chicago, im Frühjahr bekam sie dann Unterstützung von Superstar Alyssa Thomas, ehe Sabally das Trio komplimentierte.
Der Plan, direkt mit ihrem neuen Trio in der Liga für Furore zu sorgen, scheiterte allerdings schon vor Saisonbeginn. Copper, vergangenes Jahres Top-Scorerin des Teams, zog sich in der Unrivaled League eine Knieverletzung zu und wartet immer noch auf ihr Saison-Debüt. Bei Thomas dauerte es genau fünf Spiele, bis sie mit einer Wadenverletzung ausfiel und seither zum Zuschauen verdammt ist - bisher ohne Zeitplan für eine Rückkehr.
Zu allem Überfluss verletzten sich auch noch Defensivanker Natasha Mack und Rookie Megan McConnell, sodass Phoenix mittlerweile auf drei Starter verzichten muss. Dazu kam über die letzten Wochen ein harten Stretch von fünf Spielen in neun Tagen, der das Potenzial hatte, den besten Saisonstart des Teams seit 2014 (5-2) zunichte zumachen und die neuformierte Truppe in der Tabelle ordentlich nach hinten zu spülen. Sabally hatte aber etwas dagegen.
Sabally trägt Phoenix' Offensive
Nachdem sie in Dallas über Jahre nur die zweite Geige hinter All-Star-Abonnentin Arike Ogunbowale, ist sie auf einmal in der Verantwortung, die Offensive zu tragen, und scheint sich darin pudelwohl zu fühlen. Über die vergangenen fünf Spiele legt sie 21,2 Punkte, 8,0 Rebounds, 3,8 Assists und 1,8 Steals auf bei einer absurden Usage-Rate von 35,5 % (zum Vergleich: Caitlin Clark liegt auf Platz 2 mit 29,6 %).
Phoenix unglaublich abhängig von Sabally, die immer noch dabei ist, sich im neuen System von Coach Nate Tibbets zurechtzufinden. Die Zahlen zeigen das deutlich. Über die vier Spiele vor der Niederlage gegen die Storm am Sonntag war Phoenix bei +22 wenn Sabally auf dem Feld stand und -34 (!) ohne sie. Das erinnert an die Nuggets und Nikola Jokic. Oben drauf kommt, dass die Deutsche sich eigentlich konstant zwei Gegenspielerinnen gegenübersieht und ihr Dreier, eine ihrer wichtigsten Waffen, bisher überhaupt nicht fällt (25 % über die Saison, im Vorjahr waren es 45,2 %).
Das macht ihre Zahlen umso beeindruckender und zeigt, was für ein offensives Skillset sie mittlerweile mitbringt. "Sie ist eine tolle Anführerin. Sie ist jemand, den du an deiner Seite haben möchtest, vor allem, wenn die Dinge nicht so gut für dich laufen", lobte auch Rookie Lexi Held Saballys Auftritte der vergangenen Wochen.
Phoenix Mercury definieren sich über Defensive
Gleichzeitig ist sie ohne Thomas und Mack auch ein noch wichtigerer Defensivbaustein und macht dabei einen starken Job. Generell sind die Mercury als Team ekelig zu spielen. Sie spielen harte Defense und lassen keine einfachen Punkte zu, stellen die drittbeste Defensive der Liga. Eine mehr als beachtliche Bilanz von 2-3 ist dadurch über die vergangenen fünf Spiele herausgesprungen. Insgesamt stehen die Mercury nach zehn Spielen bei einer Bilanz von 6-4, womit ihr Coach mehr als glücklich ist.
"Bei 6-4 zu stehen, bei der Anzahl von Verletzungen, die wir zu Beginn des Jahres hatten - uns fehlen drei Stammspielerinnen. Ich bin sehr glücklich. Ich bin nicht zufrieden, ich glaube, das ist niemand von uns, aber mir gefällt, wo wir stehen, und ich denke, dass Hilfe kommen wird", sagte Tibbets nach der Niederlage gegen Seattle am Sonntag.
Ohne zwei ihrer drei besten Spielerinnen hat Phoenix sich aus der Not heraus zu einem starken Defensivteam gemausert und bietet seinen vielen Rookies gleichzeitig Platz, sich direkt an der Front zu beweisen. Mit Held, Kathryn Westbeld, Kitija Laksa und Monique Akoa haben die Mercury vier Rookies in ihrem Kader, die allesamt in den Top-8 in gespielten Minuten des Teams auftauchen. Klassische Rookies sind sie jedoch alle nicht. Sie wurden entweder schon früher gedraftet und schafften den Sprung nicht oder spielten die letzten Jahre im Ausland, weshalb sie alle gestandene Spielerinnen sind, die wissen, wie man in Druck-Situationen performt.
Vor allem Held stach dabei zuletzt heraus. Sie ist eine klassische 3-and-D-Spielerin, die die WNBA in Steal Percentage anführte (4 %) und die meisten Dreier aller Rookies getroffen hat. "Ich würde sogar behaupten, dass Held den Titel Rookie of the Year gewinnen könnte", lobte zuletzt auch Sabally. "Nicht nur in der Offensive, sondern auch in der Defensive. Ihre unermüdliche Verteidigung in jedem einzelnen Spiel, ist etwas, das hervorgehoben werden sollte."
Das Potenzial der Mercury ist enorm
Die Mercury sind nach nur wenigen Wochen des Zusammenspiels eine merklich gut funktionierende Einheit, was auch Tibbets beeindruckt. "Wenn man in dieser Gruppe egoistisch ist, sticht man irgendwie heraus. Ich liebe unsere Gruppe. Jeder weiß, dass, wenn man gegen die Mercury spielt, sie einem viel abverlangen werden. Das sagt viel über diese Gruppe aus", schwärmte er.
Natürlich sind die Ansprüche innerhalb des Teams aber größer als, seinem Gegner nur "viel abzuverlangen". Aus der Not heraus haben die Mercury in den vergangenen Wochen jedoch bewiesen, dass sie auch ohne zwei ihrer drei besten Spielerinnen eine hart zu spielende Truppe sind, die sich vor niemandem verstecken muss. Copper dürfte spätestens in zwei Wochen wieder zurück sein und auch Thomas hat immerhin schon an Shootarounds teilgenommen, was bedeutet, dass ihr Comeback auch nicht in allzu weiter Ferne liegt.
Erst dann wird sich zeigen, ob diese hart spielende Mannschaft auch mit den ganz Großen mithalten kann, vieles deutet aber darauf hin. "Trotz der Verletzungen sehen diese drei das Potenzial, das wir haben, auch wenn ein paar von ihnen nicht dabei sind", sagte Tibbetts. Sabally hat bisher ihren Teil bravourös dazu beigetragen und wird sich darüber freuen, noch mehr Platz für ihre Aktionen zu haben. In Phoenix scheint sie auf jeden Fall ein passendes neues Zuhause gefunden zu haben.