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Erkenntnisse nach Spiel 2: Indiana vermisst seinen guten Freund

kicker

Ist OKC noch zu stoppen?

1. Indiana Pacers: Mit Haliburton steht und fällt alles

Hätte man Spiel 2 als objektiver Beobachter ohne Vorwissen geschaut, wäre einem eine Frage unbeantwortet geblieben: Wer ist der Anführer dieses Teams? Ja, die Pacers spielten wie gewohnt gut als Team und ließen den Ball laufen, ihnen fehlte aber merklich dieser eine Spieler, der den Ton angab. Der in wichtigen Situationen zur Stelle war und die Zügel in die Hand nahm.

Dabei gibt es in Tyrese Haliburton genau diesen Spieler, was er in der Vergangenheit oft - und erst jüngst in Spiel 1 - eindrucksvoll demonstriert hat. Haliburton ist einer der besten Passgeber der Liga, versteht es wie kaum ein anderer, mit dem Ball in der Hand Tempo im Fastbreak zu machen, und ist einer der talentierteren Shotmaker der Liga. Umso unverständlicher ist es, wie er in Spiel 2 so abtauchen konnte.

In Spiel 1 war es von Beginn an unglaublich aggressiv, suchte seinen Wurf und öffnete damit das Feld für diese urgewaltige Pacers-Offensive. Alleine im ersten Viertel hatte er 15 Punkte, fünf Rebounds und sechs Assists verzeichnet. Und in Spiel 2? Drei Punkte bei 1/4 FG in Viertel eins, dazu drei Assists. In Viertel zwei? Null Punkte bei 0/1 FG, null Assists. In Viertel drei waren es zwei Punkte bei 1/2 FG und ein Assist.

Dabei müsste er selbst am besten wissen, wie viel besser sein Team ist, wenn er gut wirft. Schließlich belegen die Zahlen dies deutlich. In der Regular Season standen die Pacers bei 25-3, wenn Hailburton mindestens 20 Punkte auflegte.

Erst im vierten Viertel, als die Messe schon gelesen war, schien der Guard auf einmal seine Spielfreude entdeckt zu haben und warf sich fröhlich zum Topscorer seines Teams. "Ich muss einfach herausfinden, wie ich zu Beginn der Spiele besser sein kann. Kompliment an die Thunder - sie sind ein großartiges Defensivteam. Aber ich werde mir das Spiel nochmal anschauen und sehen, wo ich mich verbessern kann", sagte er anschließend.

2. Indiana vermisst seinen guten Freund

Entscheidend für den zukünftigen Erfolg in der Serie wird auch sein, ob Indiana einen guten Freund wiederfindet: die Zone. Die Pacers lieben es, nach einem Turnover oder sogar nach einem erfolgreichen Korb des Gegners den Ball hart zu pushen. Dabei tragen sie den Ball in der Regel zunächst in die Zone, um den Gegner zu einer Reaktion zu zwingen und daraufhin den freien Mann am Perimeter zu finden. OKC ist darauf aber vorbereitet und versucht unter allen Umständen, Indiana, und allen voran Haliburton, aus der Zone fernzuhalten.

Das unterstreichen auch die Zahlen. Laut ESPN Research hatte Haliburton den Ball in Spiel 2 100 Mal in der Hand, davon allerdings nur neunmal in der Zone (9 %), in Spiel 1 waren es sogar nur sieben Ballkontakte in der Zone bei 107 Touches (6,5 %).

"Wir wissen, dass die Zone uns gehört und dass sie unser Freund ist", erklärte Haliburton nach dem Spiel. "Je mehr wir die Zone attackieren, desto bessere Dinge passieren in der Regel für uns. Es geht also darum, sich die Dreier zu erarbeiten. Wenn man den Ball nur herumpasst und dann spät in der Uhr einen Dreier nimmt, ist das wirklich schwer. Und manchmal steckt man genau in so einer Situation fest."

In der Theorie hört sich das leicht an, mit OKC hat Indiana aber die mit Abstand beste und ekligste Defensive der Liga vor der Brust, was vor allem Haliburton deutlich zu spüren bekommt. "Es fühlt sich an, als wären jedes Mal fünf Gegenspieler um einen herum, sobald man in die Zone geht", ergänzte er. In Spiel 2 zwang OKC ihn zu fünf Turnovern - die meisten für ihn in der gesamten Saison.

Die Thunder haben in Spiel 2 konsequent die Zone zugemacht, schafften es dank ihrer überragenden Perimeter-Verteidiger aber zugleich, nahezu keinen einfachen Wurf an der Dreierlinie zuzulassen. Die Folge waren schwere Abschlüsse spät in der Wurfuhr oder Turnover beim Versuch, dem defensiven Druck zu entkommen.

Die Pacers müssen sich dringend etwas einfallen lassen, um Haliburton einen einfacheren Weg in die Zone zu garantieren. Eine Maßnahme könnte sein, mehr Pick-and-Rolls zwischen ihm und Pascal Siakam zu laufen, der in Spiel 2 ebenfalls überhaupt nicht zu seinen Spots kam (15 Punkte, 3/11 FG).

3. OKC im Stile seines Champions

Gleichzeitig muss man OKCs Leistung auch einfach anerkennen als das, was sie war: die Leistung eines Champions. Nach dem verschenkten Sieg in Spiel 1 lastete der gesamte Druck auf dem jungen Team, das sich auf keinen Fall eine weitere Niederlage in heimischer Halle erlauben durfte.

Vor allem Jalen Williams war dieser Druck zu Beginn auch anzumerken, spätestens nach der Hälfte des ersten Viertels war davon aber nichts mehr zu sehen. OKC spielte seinen Schuh runter, wie sie es unzählige Male in dieser Saison schon getan haben. Sie verteidigten hart, ließen keine einfachen Punkte zu und ihre Star-Spieler lieferten. Allen voran Shai Gilgeous-Alexander, der nach schwachen Quoten in Spiel eins sofort wieder in seinem Rhythmus war und gewohnt einfach zu Punkten kam.

Dazu ist auch Chet Holmgren endlich in dieser Serie angekommen, nachdem er in Spiel 1 noch ein Schatten seiner selbst war (6 Punkte 2/9 FG). Der Center war von Beginn an aktiv, tankte sich mehrmals zum Korb durch und traf auch seinen Dreier, was ihm merklich Selbstvertrauen gab. So kam er alleine in den ersten zwölf Minuten auf mehr Punkte (9) als im gesamten Spiel 1.

Die Erkenntnis für OKC muss sein: Wenn er aggressiv seinen Wurf sucht und gut aufgelegt ist, hat Indiana keine Antwort. Myles Turner kann mit seinem Skillset schlichtweg nicht mithalten. Ähnlich war das schon bei Karl-Anthony Towns in den Conference Finals.

Aber nicht nur die Starting Five spielte an diesem Abend auf Championship-Niveau, sondern auch die Bank. Mark Daigneault hat seine Rotation nach Spiel 1 etwas umgestellt und anstelle des unglücklichen Ajay Mitchell Veteran Kenrich Williams Minuten geschenkt, der ihm dies mit einigen guten Aktionen belohnte. Gleiches galt auch für Isaiah Hartenstein, der der beste Rebounder seines Teams war (8) und immer wieder mit seinem Playmaking glänzte (4 Assists).

Die wahren Stars der Second Unit waren aber Alex Caruso und Aaron Wiggins, die beide mehr Punkte erzielten (20 bzw. 18) als jeder Pacers-Spieler. Beide waren brandheiß von draußen (9/16 Dreier) und waren vor allem in den entscheidenden Phasen im zweiten und dritten Viertel zur Stelle.

Apropos zweites und drittes Viertel: Hier zeigte OKC in Spiel 2 seine ganze Klasse. Erst zogen sie im zweiten Viertel eindrucksvoll davon, ließen sich dann auch von einem 10:0-Lauf der Pacers kurz vor der Halbzeit nicht aus der Ruhe bringen und brachten das Viertel gut zu Ende. Im dritten Viertel drohte das Spiel dann einige Male zu kippen, wie es am Ende von Spiel 1 der Fall war. Jedoch hatte OKC auf jeden Mini-Run der Pacers eine Antwort. Sie überhasteten nichts, ließen den Ball gut laufen, forcierten keine Würfe und machten so gut wie immer das richtige Play.

4. Shai in dieser Form ist zu viel für Indiana

Wenn man über die Gründe für den klaren Thunder-Sieg spricht, kommt man nicht daran vorbei, ein besonderes Lob für SGA auszusprechen. Gibt es wirklich Leute, die ernsthaft dachten, die Pacers hätten in Person von SGAs Kindheitsfreund und Nationalmannschaftskollegen Andrew Nembhard die Geheimformel gefunden, um den MVP einzudämmen? Die Erkenntnis nach Spiel 2 ist auf jeden Fall klar: Man kann ihn nicht stoppen.

Gilgeous-Alexander hat nach zwei Finals-Spielen 72 Punkte angesammelt, so viel wie noch kein anderer Spieler in der Geschichte in seinen ersten zwei Spielen. Trifft er in Spiel 1 mit elf Sekunden auf der Uhr seinen Fadeaway, wie er es normalerweise tut, würden wir ihn jetzt schon vorläufig als Finals-MVP erklären. Für die Spannung der Serie ist es natürlich schön, dass dies nicht passiert ist - das schmälert seine Leistung aber in keinem Fall.

Nachdem er in Spiel 1 mit schlechteren Quoten zu kämpfen hatte, war er jetzt wieder in seinem automatischen Modus. Bedeutet im Klartext: Er trifft im Schnitt 50 Prozent seiner Würfe und legt über 30 Punkte auf. Übrigens so oft wie kein Spieler in der Thunder-Historie in einem einzelnen Playoff-Run (12 Mal). Zuvor gehört dieser Rekord einem gewissen Kevin Durant.

Generell wirkte Shai in Spiel 2 auch klarer in seinen Aktionen, die Aufregung der ersten Finals-Teilnahme scheint verflogen. Er zog deutlich öfter zum Korb als in Spiel 1, ging wieder regelmäßig an die Freiwurflinie (12 vs. 8 Versuche in Spiel 1) und fand seine Mitspieler wieder zuverlässig (8 Assists).

"Du kannst schon mal 34 Punkte eintragen, bevor sie morgen überhaupt ins Flugzeug zum nächsten Spiel steigen. Der Typ wird einfach punkten. Wir müssen Wege finden, es ihm so schwer wie möglich zu machen", erkannte auch Rick Carlisle nach der Partie. Ob die Pacers das wirklich schaffen, ist jedoch zu bezweifeln. So richtig ist das in der Saison schließlich noch niemandem gelungen.