Mumbrus Handschrift zeigt sich sofort
Mumbru hatte vor dem Test angekündigt, schneller spielen lassen und mehr switchen zu wollen. Das sah man auch im Spiel der Deutschen deutlich. Der Ball wurde selten lange gehalten, sondern fand schnell den richtigen Mann im Mismatch im Post oder an der Dreierlinie. Auch nach gegnerischen Körben war stets viel Tempo im Spiel.
Und auch auf der Gegenseite sah es oft gut aus. Das gesamte Team spielte unglaublich physisch: Die Bigs blitzten immer wieder aggressiv und zwangen den Ball aus den Händen des ballführenden Spielers und die defensivstarken Guards Nelson Weidemann und Justus Hollatz beackerten ihre Gegner übers ganze Feld.
Die sehr strenge und auch oft zweifelhafte Linie der Schiedsrichter machte den Spielfluss aufgrund der vielen Fouls (54 Freiwürfe für Slowenien!) leider etwas kaputt, der Plan von Mumbru war aber gut erkennbar.
Für Christian Anderson könnte die EuroBasket zu früh kommen
Shooting-Star Christian Anderson sorgte mit seinem krachenden And-One-Dunk zwar für das Highlight des Spiels, eine EM-Nominierung könnte für den 19-Jährigen aber zu früh kommen. Er hat seine Stärken klar in der Offensive und ließ sein enormes Talent gegen Slowenien auch mehrmals durchblitzen, in der Defensive ist er aufgrund seiner Physis (1,85 Meter, 75 kg) aber angreifbar. Das passt nicht ganz in das System von Mumbru, der viel Wert auf die Defensive legt.
Hinzu kommt die große Konkurrenz auf den kleinen Positionen. Dennis Schröder ist natürlich gesetzt, genau wie Routinier Maodo Lo. Danach kommen mit Anderson, Weidemann und Hollatz drei Spieler, von denen Mubru wohl nur einen mit zur EM nehmen wird. Hollatz ist von den dreien der erfahrenste, hat aber auch den schwächsten Wurf. Den hat Weidemann, dazu ist er in der Defensive eine Pest und spielte ein starkes Jahr in Ulm. Es würde schon sehr überraschen, wenn Mumbru Anderson den beiden vorzieht.
Deutschland hat die beste Shooting-Guard-Rotation Europas
Während es auf der PG-Position viele Fragezeichen gibt, ist die Sache bei den Shootern glasklar. Mit Andi Obst und David Krämer ist Deutschland hier in einer unglaublich komfortablen Position. Dass Obst der vielleicht beste Werfer Europas ist, weiß spätestens seit der WM 2023 jeder, Krämers Qualitäten sind jedoch nicht minder beeindruckend.
Der neue Spieler von Real Madrid war gegen Slowenien eine absolute Bank. Er traf vier von sieben Dreiern, darunter einen Wurf von hinter der Mittellinie und einige absurde Würfe gegen gute Verteidigung. Man merkt dem 28-Jährigen an, dass ihm sein starkes Jahr in Spanien ordentlich Selbstvertrauen gegeben hat, denn genau so tritt er auf.
Mit der Rotation aus Obst und Krämer, die beide in einem normalen Spiel deutlich über 40 Prozent von draußen treffen (54 Prozent bei 13 Versuchen gegen Slowenien), kann schlichtweg kein anderes Land in Europa mithalten.
Ohne Theis wird es vorne dünn
Die großen Positionen sind dagegen ziemlich dünn besetzt. Ohne den verletzten Daniel Theis startete Leon Kratzer gegen Slowenien, machte mit null Rebounds in 15 Minuten aber ein eher unglückliches Spiel. Wie es um die Gesundheit von Theis steht, ist dazu nicht klar. Der Big Man leidet seit längerer Zeit an Kniebeschwerden und spielte das letzte Mal am 30. Mai.
Wenn er tatsächlich auch bei der EM nicht fit ist, hat Deutschland ein dickes Problem. Er ist der Defensivanker und brilliert offensiv durch sein blindes Verständnis mit Dennis Schröder. Die Offensive können Johannes Thiemann und Johannes Voigtmann zwar kompensieren, defensiv wird es gegen dominante Center aber schwer. Körperlich kann hier, wenn es zum Beispiel gegen Serbien und Jokic geht, am ehesten Kratzer mithalten, offensiv ist er aber sehr limitiert.
Auch die Da-Silva-Brüder sind hier nicht die Antwort, auch wenn Oscar mit zehn Punkten und neun Rebounds ein ordentliches Spiel machte. Hier wäre ein Isaiah Hartenstein die ideale Lösung, der aus gesundheitlichen Gründen aber ja bekanntlich absagen musste. Es wird interessant sein, wenn Mumbru auf den großen Positionen noch streicht, die Entscheidung wird wohl zwischen Oscar da Silva und Kratzer fallen.
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