Trainer Anton Gavel, einst als Spieler eine Legende in Freak City, steht nun selbst unter Druck. "Ich weiß, dass wir liefern müssen", sagte er jüngst gegenüber der SZ. Geschäftsführer Philipp Höhne sieht es ähnlich, hofft aber auf eine Lernkurve beim Coach: "Wir haben Erfahrungswerte gesammelt und Spieler rekrutiert, die Drucksituationen kennen." Der Etat bewegt sich mit rund 6 bis 6,5 Millionen Euro im unteren BBL-Bereich. Die Erwartungen in Bamberg sind traditionell höher.
Individuelle Qualität war, trotz des schlechten Abschneidens in der Vorsaison, aber durchaus vorhanden: Ronaldo Segu gehörte mit 14,7 Punkten zu den 15 besten Scorern der BBL und verteilte mit 6,8 Assists die drittmeisten Vorlagen ligaweit. Filip Stanic (11,1 Punkte, 8,1 Rebounds) war der viertbeste Rebounder der gesamten Liga und eine der wenigen verlässlichen Konstanten im Frontcourt. Offensiv erzielte Bamberg 83,8 Punkte pro Partie. Platz sieben im Ligavergleich.
Doch die Probleme lagen tiefer: Von der Dreierlinie traf das Team schwach, in engen Spielen fehlte die Abgezocktheit und defensiv brach die Mannschaft zu oft auseinander. So blieb trotz einzelner Top-Leistungen die dritte enttäuschende Saison in Serie stehen. Mit dem Abgang von Stanic und Veteran Karsten Tadda geht nun ein Stück Identität verloren - und Bamberg muss sich neu erfinden.
BMA365 Bamberg Baskets: Zu- und Abgänge im Überblick
Zugänge: Daniel Keppeler (HAKRO Merlins Crailsheim), Zachary Ensminger (Kauhajoen Karhu, FIN), Richard Balint (Basket Brno, CZE), Demarcus Demonia (BBC Bayreuth), Finn Döntgens (Team Ehingen Urspring), Cobe Williams (MKS Dabrowa Gornicza, POL), Austin Crowley (SCM CSU Craiova, ROU), EJ Onu (Legia Warschau, POL)
Abgänge: Karsten Tadda (Karriereende), Filip Stanic (EWE Baskets Oldenburg), Kevin Wohlrath, Gabriel Kuku, Kyle Lofton (Oldenburg), Noah Locke,Ronaldo Segu, Brandon Horvath, Craig Moller, Marlon Stephan, Simon Franke, Ben Diederichs
Das neue Gerüst
Der Neuaufbau begann früh. Allen voran mit Cobe Williams. Der Texaner kommt aus Polen, wo er im Saisonendspurt mit 16,7 Punkten und 4,3 Assists überzeugte. Er gilt als pfeilschneller Spielmacher mit explosivem Antritt, der Spiele mitreißen kann. Er soll Bambergs neuer Taktgeber werden und die Lücke von Segu schließen.
Dazu gesellt sich Austin Crowley, der aus Rumänien kommt. Dort legte er starke 17,2 Punkte bei fast 40 Prozent Dreierquote auf. Crowley bringt Länge (1,96 m) und defensive Anlagen mit, ist aber noch ein Projekt, das sich erst an das BBL-Niveau gewöhnen muss.
Mit Richard Balint verpflichtete Bamberg zudem einen jungen Guard aus Brünn (Tschechien), der beim FIBA-Voting zu den größten europäischen Talenten des Jahrgangs 2002 auf Platz zwei landete. Kreativ, mit Wurf, aber noch unbewiesen auf höchstem Niveau. Zach Ensminger, Sohn von Bamberg-Legende Chris Ensminger, kennt die Liga bereits von Stationen in Bonn und Göttingen.
Wichtige Rückkehr von EJ Onu
Unter dem Korb kehrt EJ Onu zurück. Der 2,11-Meter-Center war bereits 2023/24 in Bamberg und gilt als herausragender Shotblocker, der in der Canadian Elite Basketball League einst 3,3 Blocks pro Spiel auflegte. Nach einem Umweg über Spanien und Polen soll er der defensive Anker werden.
Demarcus Demonia kommt aus Bayreuth. Der 25-Jährige war einer der besten Scorer der ProA (18,9 Punkte) und bringt vor allem Athletik und Aggressivität mit. Mit 2,01 Metern ist er flexibel auf den Forward-Positionen einsetzbar.
Deutsche Säulen und Nachwuchs
Neben Noah Keppeler, Moritz Krimmer und Ibrahim Watson-Boye hat Bamberg weiter eine ordentliche Basis an deutschen Spielern. Ergänzt wird sie durch die Talente Nico Höllerl und Finn Döntgens, die über den Kooperationspartner BBC Coburg behutsam herangeführt werden.
Einschätzung
Der Kader ist jünger, athletischer und in der Spitze noch schwerer einzuschätzen als bereits in den Vorjahren. Namen wie Williams, Crowley oder Demonia kennt außerhalb von Insiderkreisen kaum jemand, doch genau darin könnte Bambergs Chance liegen: Hungrige Spieler mit Entwicklungspotenzial.
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