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Gegen den Trend: Kayil als Hoffnungsträger für DBB, BBL und Alba

kicker

Die Vorzeichen für junge Spieler in Deutschland haben sich geändert. Durch die Goldgräber-Zeiten auf den US-amerikanischen Colleges durch die NIL-Regelungen (Einnahmemöglichkeiten über "name, image, likeness") wechselten über den Sommer fast alle vielversprechenden deutschen Youngster in die USA.

Es war ein Aderlass sondergleichen. Hannes Steinbach, Sanandra Fru, Ivan Kharchenkov, Johann Grünloh, Jacob Patrick und viele andere deutsche Talente verließen die BBL, um in der NCAA großes Geld zu verdienen und sich gleichzeitig auf den Radar der NBA-Scouts zu spielen. Einerseits ist es ein Verdienst für die gute Jugendarbeit im Land des Welt- und Europameisters, andererseits frustrierend, dass die Klubs die Früchte ihrer Arbeit nur bedingt ernten konnten.

Eine Ausnahme gab es - und zwar Jack Kayil. Der gebürtige Berliner wählte die Bundesliga und kehrte nach zwei Jahren in Vechta sowie beim serbischen Ausbildungsklub Mega Basket in seine Geburtsstadt zurück. "Ich bin froh, wieder bei ALBA zu sein - zurück in einem vertrauten und guten Umfeld. Ich hoffe, dass wir als Team, als Klub und auch ich persönlich als Spieler gemeinsam wachsen und viele Erfolge feiern werden", wurde der 19-Jährige zitiert.

Kayil: Neustart in der Heimat

Sowohl für Kayil als auch für ALBA war es gewissermaßen ein Neustart. Berlin musste nach dem Rückzug aus der EuroLeague das Budget einkürzen und kleinere Brötchen backen, Kayil suchte eine neue Chance, nachdem es in Serbien durch diverse Verletzungen nicht wie gewünscht lief.

In der BBL kommt der Spielmacher derzeit knapp 20 Minuten pro Spiel zum Einsatz, dabei gelingen ihm durchschnittlich 9,3 Punkte sowie 3,8 Assists bei einer Quote von knapp 40 Prozent aus dem Feld. Nicht überragend, doch für einen Teenager bei einem ambitionierten Klub eine durchaus achtbare Ausbeute.

Seinen besten Auftritt legte der Point Guard dann am vergangenen Wochenende ausgerechnet gegen Bayern München hin. Beim 67:61-Erfolg der Berliner erzielte Kayil in der Schlussminute den entscheidenden Dreier über Andi Obst und traf anschließend die Freiwürfe zum Sieg. Acht seiner zwölf Punkte machte er im letzten Viertel und setzte damit ein Statement in eigener Sache. "Ich habe das Vertrauen vom ganzen Team, das macht es deutlich leichter und man macht einfach sein Spiel", sagte der Youngster nach der Partie.

Kayil: Symbol für den Berliner Umbruch

Zugutekam ihm auch der überraschende Abgang von Boogie Ellis. Der US-Guard war in den ersten Partien Albas Go-to-Guy, dann flatterte ein Angebot aus Dubai rein und Alba erteilte die Freigabe. "Damit müssen wir leben, gleichzeitig ist es eine Chance", sagte Geschäftsführer Marco Baldi bei Dyn vor dem Spiel gegen die Bayern. "Boogie braucht den Ball und davon gibt es nur einen. Man muss schauen, wie man den verteilt und das war nicht Boogies Stärke."

Diese Chance nutzte Kayil, auch er wusste nach dem Ellis-Abgang, dass er mehr Gelegenheiten bekommen würde: "Ich muss mehr Verantwortung übernehmen. Er war Leistungsträger und dann müssen wir kompensieren. Da fühle ich mich auch angesprochen."

Dass er das kann, zeigte Kayil bereits bei diversen Jugendturnieren mit dem DBB. 2024 wurde die U18 Europameister, einen Sommer später holte der gleiche Jahrgang Silber bei der WM - mit Kayil als wichtige Säule. Zwischendurch debütierte der Guard auch im A-Team und Bundestrainer Alex Mumbru staunte: "Er hat gespielt wie ein Veteran."

Kayil: Nur ein Jahr Bundesliga

Die Mischung aus Spielintelligenz, Übersicht und Sicherheit am Ball tut Alba spürbar gut. Steht Kayil auf dem Feld, erzielen die Berliner derzeit 22,5 Punkte mehr pro 100 Ballbesitze als der Gegner - Bestwert aller Alba-Spieler. Natürlich ist die Stichprobe noch klein, doch es zeigt auch, wie weit der 19-Jährige bereits ist.

Speziell Guards haben es im jungen Alter in Profi-Ligen schwer, Kayil beweist derzeit das Gegenteil. Zumindest noch in dieser Saison, denn dann wird auch er die BBL schon wieder verlassen. Seit einigen Wochen ist bekannt, dass Kayil den Gonzaga Bulldogs, hier wurden unter anderem Chet Holmgren und Elias Harris ausgebildet, eine Zusage ab 2026 gegeben hat.

Mit einem Jahr Verspätung folgt also auch er dem Trend der unausweichlichen Talentflucht aus Deutschland (es gibt siebenstellige Beträge im Jahr zu verdienen), zumindest in dieser Saison wird Kayil aber noch in Deutschland zu sehen sein - und als Teil der ebenfalls goldenen neuen Generation sollte dies jeder Basketball-Fan in Deutschland genießen.

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