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Antetokounmpo und die Griechen vor Turnierstart: Reicht es diesmal?

kicker

So begegnen sie sich wieder - die beiden Protagonisten des Moments, der zumindest in den Sozialen Medien der berühmteste der EM 2022 wurde: Als Gianmarco Pozzecco, Head Coach der Italiener, unmittelbar nach dem schockierenden Triumph über Serbien im Achtelfinale im Kabinengang auf Giannis Antetokounmpo zusprintete und diesem in die Arme sprang.

Für beide beginnt die EM 2025 im Duell, schon zum Start treffen sich die beiden womöglich besten Teams der Gruppe C (je nachdem, wie man zu Spanien steht) auf Zypern, in einem Spiel, das maßgeblich sein könnte. Dass beide die K.o.-Runde erreichen, ist zwar sehr wahrscheinlich - die Position jedoch kann entscheidend sein, gibt sie doch den weiteren Weg vor.

In Berlin kam der Höhepunkt vor drei Jahren für beide Seiten zu früh. Verloren wurde jeweils im Viertelfinale, Italien unterlag Frankreich, Griechenland strich gegen Deutschland die Segel, genau wie vergangenen Sommer bei Olympia. Gerade die stolzen Hellenen sind in diesem Sommer mit dem Ziel angereist, den einen, entscheidenden Schritt weiterzugehen.

Schließlich wird es auch mal wieder Zeit, nüchtern betrachtet.

Griechenland: Tradition verpflichtet

Zweimal hat Griechenland die EuroBasket in seiner Geschichte gewonnen - 1987 mit dem großen Nikos Galis als Anführer, 2005 mit einem tiefen, hochkarätig besetzten Team, in dem ein damals 23 Jahre junger Vassilis Spanoulis, der später zum größten EuroLeague-Star von allen werden sollte, eine kleine Rolle als Bankspieler spielte. Anders als 2009, als "Kill Bill" die Griechen als Topscorer zu ihrer bisher letzten (Bronze-)Medaille führte.

Spanoulis steht mittlerweile an der Seitenlinie. 2023 folgte er auf Dimitris Itoudis, der die Griechen in Berlin noch betreut hatte. Ihm soll das gelingen, woran seine Vorgänger seit über einer Dekade gescheitert sind: Die Tatsache, dass einer der weltbesten Spieler griechische Farben trägt und in fast jedem Sommer verfügbar ist, zu einer Medaille zu nutzen.

Wobei sich das in der Vergangenheit etwas schwieriger gestaltete, als auf den ersten Blick anzunehmen gewesen wäre.

Giannis und die Griechen: Es ist kompliziert

Seit Jahren begleitet die Griechen ein ähnliches Problem. Das Team ist simpel gesagt (enorm) Giannis-zentriert, die Teamkollegen sind in der Regel gute, aber nicht zwingend dominante Spieler. Sie sind zudem nicht unbedingt alle elitär in den Bereichen, in den Giannis‘ Teams elitär sein müssten, insbesondere beim Wurf.

Als Folge waren smarte, physische Defensiv-Teams bis dato in der Lage, Antetokounmpo die gesamte Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen, eine Mauer vor ihm aufzubauen, ohne große Angst, dass die anderen Griechen dies konstant bestrafen könnten. Besagte Defensiven machten es sich dabei zunutze, dass das Feld im FIBA-Basketball etwas kleiner ist als in der NBA und dass Giannis es dadurch ohnehin etwas schwerer hatte, Tempo aufzunehmen und seine beispiellose Physis und Athletik einzusetzen.

Nicht, dass dieser nicht trotzdem individuell dominieren würde (2022 war Giannis EM-Topscorer, als Beispiel) - bisher wurde jedoch stets irgendwann ein Limit erreicht, ein Team getroffen, welches den doch recht simplen Ansatz der Griechen irgendwie stören konnte. Wird das in diesem Sommer anders sein?

Griechenland: Schwierige Vorbereitung

Die Vorbereitung auf das Turnier gestaltete sich reichlich kompliziert, nicht zuletzt deshalb, weil Antetokounmpo erst spät die Freigabe seitens der Milwaukee Bucks erhielt. Mitwirken konnte er lediglich in den letzten drei Testspielen, von denen zwei (gegen Lettland und Italien) gewonnen und eins (gegen Frankreich) verloren wurden.

Es war nicht die einzige Komplikation, mit der Spanoulis zurechtkommen musste. Einige Absagen trafen das Team, frühere Leistungsträger wie Nick Calathes, Thomas Walkup oder Georgios Papagiannis, der wohl beste Center des Landes, der vergangene Saison noch unter Spanoulis in Monaco spielte und nicht im Guten ging, sind diesmal nicht dabei.

Mit Nikos Rogkavopoulos sagte zudem eins der größeren Talente des Landes ab, wie schon im Vorjahr - aufgrund dessen Wurfstärke besonders bitter (weshalb ihn Spanoulis dafür öffentlich deutlich kritisierte). Der Kader kommt insofern etwas anders daher als womöglich geplant und in der Vergangenheit gesehen, woraus sich allerdings auch eine Chance ergeben könnte.

Griechenland: (Auch) Gründe zur Hoffnung

Gründe zur Hoffnung gibt es bei den Griechen auch. Kostas Sloukas ist im Gegensatz zu Olympia wieder dabei und wird sein wohl letztes großes Turnier bestreiten, als Organisator der Offensive ist der Routinier nach wie vor kaum zu ersetzen. Im Backcourt ist außerdem Tyler Dorsey zurück, der in der Nationalmannschaft konstant über 40% seiner Dreier trifft und Giannis‘ wohl wichtigster Floor-Spacer ist.

"Ich liebe es, mit ihm zusammenzuspielen", sagte Dorsey kürzlich über die Zusammenarbeit mit dem Superstar. "Er zieht das ganze Team auf sich, fünf Jungs sehen ihm über das gesamte Spiel zu. Wir anderen sind mehr oder weniger offen. Das macht unser Leben sehr viel leichter."

Zu den "anderen" gehört erstmals auch der 20-jährige Alexandros Samodurov, ein 2,10 m großer Forward, der werfen und den Ring beschützen kann und den Griechen neue Lineup-Möglichkeiten eröffnen soll. Als Team trafen die Griechen in der Vorbereitung immerhin solide 37,2% ihrer Dreier, inwieweit das gegnerische Teams dazu bringen wird, die Shooter am Perimeter tatsächlich ernst zu nehmen, muss sich indes erst noch zeigen.

Wo stehen die Griechen wirklich?

Antetokounmpo selbst hat wiederum selbst eine Facette zu seinem Spiel addiert, die in der Form 2022 noch kein Thema war. Den Dreier hat er fast komplett aus seinem Spiel gestrichen, dafür ist er nun ein viel gefährlicherer Schütze aus der Mitteldistanz (24/25 traf er bei den Bucks 47% seiner langen Zweier) und verbietet es der Defense, zu weit von ihm abzusinken.

Die Letten taten das in der Vorbereitung dennoch - und wurden verbrannt. Sehr schwer taten sich die Griechen dafür mit Frankreich (77:92), das Giannis gut einschränkte, dafür allerdings mit seiner Athletik, seiner Länge und seinen defensiven Möglichkeiten auch besser geeignet ist als jedes andere Team im gesamten Teilnehmerfeld.

Grundsätzlich ist die tatsächliche Klasse der Griechen aufgrund der abgehackten Vorbereitung nicht leicht zu beurteilen. Zum engsten Favoritenkreis kann man sie (wohl) nicht zählen. Auffällig war jedoch, dass Spanoulis versuchte, das Spiel durch schnelleres Tempo ein wenig zu öffnen, dadurch auch neue Möglichkeiten für Giannis zu kreieren.

Die Abwesenheit von Papagiannis forciert auch von den Lineups her ein gewisses Umdenken. Statt den Two-Big-Lineups der Vergangenheit dürfte Griechenland nun weitaus mehr Five-Out spielen, mit Giannis auf der Center-Position; was naheliegt, um die Offense anzukurbeln, was allerdings auch (noch) mehr Last auf Antetokounmpo bedeutet, der dadurch defensiv dann auch noch mehr als Anker auftreten muss.

Antetokounmpo: Alles zerstören

Die gute Nachricht ist, dass Antetokounmpo solche Herausforderungen gern annimmt. "Er versucht, alles zu zerstören, was sich ihm in den Weg stellt", adelte ihn Willy Hernangomez kürzlich. An seinem Hunger, seiner Bereitschaft wird es nicht scheitern, zumal Spanoulis erklärte, dass es keinerlei Einschränkungen gebe und "Giannis so viel spielt, wie ich will."

Unterm Strich ist die Gleichung bei den Griechen nicht wirklich neu. Antetokounmpo wird ihnen in jedem Spiel eine Chance verschaffen - und alle anderen müssen versuchen, ihn bestmöglich zu unterstützen. Im Wissen, dass ihr Kader nicht so tief und hochkarätig besetzt ist wie der von Serbien, Deutschland oder auch Frankreich.

Was nicht bedeuten muss, dass nicht auch solche Teams für sie schlagbar sein könnten. Gerade im Do-or-Die-Modus weiß man nie, wann ein Team mal von der Dreierlinie eskaliert und einen haushohen Favoriten schlagen kann. Gianmarco Pozzecco kann ein Lied davon singen - 16 Dreier traf seine Mannschaft, als sie 2022 Serbien eliminierte.

Der Distanzwurf kann gerade bei Talentunterschieden so etwas wie der große Gleichmacher sein. Versuche kreieren können Teams mit Giannis aufgrund dessen Dominanz eigentlich immer. Können sie genug treffen? Gut möglich, dass sich daran entscheidet, ob es für Hellas in diesem Turnier wieder einmal für einen Platz auf dem Podium reicht.

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