Fehlercode: %{errorCode}

Jahr drei des Aliens: Gelingt Wembanyama nun der "echte" Durchbruch?

kicker

Es ist nicht außergewöhnlich, wenn ein Spieler beim Media Day von seinem harten Training im Sommer berichtet, von neuen Muskelmassen, neuen Skills, neuen Erfahrungen. Eigentlich. Bei Victor Wembanyama allerdings gibt es grundsätzlich nicht viel, das nicht außergewöhnlich ist, und so war auch sein Sommer schwerlich als normal zu bezeichnen.

Wemby verbrachte Zeit in einem Shaolin-Tempel in China, um dort Chan-Meditation und Kung Fu zu lernen. "Es lässt dich Lektionen verstehen, die du durch nichts anderes verstehen kannst", erklärte der Franzose. Er besuchte die NASA-Zentrale in Houston, staunte "wie ein kleines Kind" über das Gespräch mit der Astronautin Peggy Whitson, die 695 Tage am Stück im All verbracht hatte.

Diese "Side-Quests" definierten nicht seinen gesamten Sommer, waren aber doch elementar - denn in gewisser Weise auch eine Art Trauma-Bewältigung. Die tiefe Venenthrombose in der Schulter, die im Februar bei Wemby diagnostiziert wurde, beendete nicht nur seine Saison, sie konfrontierte den 21-Jährigen mit der eigenen Sterblichkeit.

"Es gibt dieses Gefühl, dass das Leben nicht ewig gehen wird und dass es Erfahrungen geben wird, die wir verpassen", sagte Wembanyama. "Aber ich will so wenig verpassen wie möglich. Diese traumatische Erfahrung steht in direkter Verbindung zu allem, was ich im Sommer getan habe."

Das bezieht sich logischerweise auch all das, was er in Vorbereitung auf seine dritte NBA-Saison und darüber hinaus unternommen hat.

Wembanyama: Ein brutaler Sommer

Um sein Spiel weiterzuentwickeln, konsultierte Wembanyama unter anderem Legenden wie Hakeem Olajuwon und Kevin Garnett. Vor allem aber investierte er unheimlich viel Zeit und Ressourcen in die Arbeit an seinem Körper und seiner Kondition, um künftig eben keine Ausfallzeiten mehr erleiden zu müssen und die Zeit zu maximieren, die er in der NBA haben wird.

"Diesen Sommer habe ich entschieden, etwas Brutaleres zu machen", sagte Wembanyama beim Media Day. "Vielleicht nimmt mir das etwas Zeit, in der ich den Ball werfen kann, aber das ist egal. Ich wollte meinen Körper wiederhaben." Im Training Camp bekamen die anderen Spurs bereits Kostproben davon zu spüren.

Julian Champagnie berichtete gegenüber The Athletic von einem Drill: Jeder Spur versucht, über Wemby zu scoren, stellt sich danach wieder an, wartet auf seinen nächsten Versuch. Wemby selbst erhält keine Pause: Er verteidigt nacheinander jeden seiner Teamkollegen, dann rennt er zum Korb auf der anderen Seite und macht das Gleiche noch einmal. Und dann immer so weiter.

"Ich habe so noch nie jemanden trainieren sehen", sagte Champagnie. "Das ist verrückt zu sehen." Und es soll Resultate bringen.

Wembanyama: Kommt der Sprung?

Die Erwartungen bei den Spurs haben sich verändert, nach 22 und 34 Siegen (und insgesamt unerhörten sechs Jahren ohne Playoffs) wird nun wieder etwas größer gedacht. Eigentlich war das ja auch schon in der Vorsaison der Fall.

Die Gesamtsiege von 23/24 hatte San Antonio 2025 bereits im Februar eingefahren, die Minuten mit Wemby auf dem Court waren die eines Playoff-Teams (Net-Rating: +2,3). Da die Minuten ohne ihn jedoch sehr schlecht waren, tradeten die Spurs für De’Aaron Fox, einen zertifizierten All-Star. Sie konnten ja nicht ahnen, dass Wembys Saison wenige Wochen später enden würde.

Nun wird Fox zwar wahrscheinlich aufgrund einer Oberschenkelverletzung auch den Saisonstart verpassen, trotzdem soll der Schritt nach vorn in diesem Jahr realisiert werden. Die Spurs haben ein weiteres Top-Talent in Nr.2-Pick Dylan Harper hinzugewonnen, dazu neben Fox auch noch den amtierenden Rookie des Jahres Stephon Castle im Backcourt.

Neu im Team sind außerdem zwei Bigs in Luke Kornet und Kelly Olynyk, die Wemby Pausen verschaffen und bisweilen wohl auch neben ihm spielen sollen. Um in der neuen Spielzeit mit einer klaren Ausrichtung anzutreten: "Defense ist nicht verhandelbar", sagte Wembanyama. "Verteidigen ist etwas, das du tun musst, wenn du Teil dieses Teams sein möchtest."

Wembanyama: Eine Defense für sich

Tatsächlich ist die Defense der Bereich, in dem die Spurs wohl am schnellsten zu einem Top-Team werden können. Vergangene Saison erlaubten sie zwar 117,9 Punkte pro 100 Ballbesitzen (Platz 25), mit Wemby auf dem Court waren es jedoch 112,4, was für Platz 8 gereicht hätte. Mit Kornet als Backup sollte die Defense ohne Wemby deutlich kompetenter aussehen.

Und mit ihm … es hilft, den verheerendsten Defensivspieler der Liga in seinen Reihen zu haben. Das war Wembanyama bereits in Jahr zwei, niemand beeinflusste das Spiel des Gegners so massiv, wie er es Spiel für Spiel tat. Obwohl er bloß 46 Spiele absolvierte, blockte er fast 30 Würfe mehr als der Spieler mit den zweitmeisten Blocks der Liga.

Trotz der mittelmäßigen Bilanz schien es vor seinem Ausfall absehbar, dass Wembanyama zum DPOY werden würde - und vor der neuen Saison ist er bei diesem Award erst recht der Topfavorit. Selbst ohne weitere massive Änderungen sollte es nicht lange dauern, bis die Spurs eine Top-10-Defense stellen.

Die Offense ist die spannendere Thematik, sowohl beim Team als auch Wembanyama selbst.

Wembanyama: Eine Verschiebung der Diät

Bisweilen war Wemby bereits in der Lage, auch an diesem Ende des Courts Spiele an sich zu reißen. Gerade dann, wenn sein Dreier fiel - das schwache Spacing der Spurs führte nicht selten dazu, dass der Franzose selbst für Platz sorgte, indem er 8,8 Dreier pro Spiel nahm (Platz 9 in der NBA). Die Quote steigerte sich auf immerhin 35,2%, unterm Strich war das jedoch noch immer unter Liga-Durchschnitt, sodass Gegner mit dieser Art von Wemby-Offense gut leben konnten.

In Korbnähe war Wembanyama eigentlich deutlich effizienter. Kein Wunder, der Mann kann im Stehen dunken. Was seltener passierte, da die Spurs oft nicht so gut darin waren, Platz zu kreieren und ihn in vorteilhafte Positionen zu bringen; ein stärkerer Körper und insbesondere die Creation von Fox sollten bei diesem Problem jedoch helfen.

Überhaupt sollte Fox Wemby dabei unterstützen, mehr leichte Abschlüsse zu erhalten, die Wurfauswahl zu verbessern und die Turnover-Anfälligkeit zu reduzieren - die wesentlichen Punkte also, die bisher noch verhinderten, dass er im Angriff jederzeit dominieren konnte. Shooting ist im Spurs-Kader zwar noch immer zu wenig vorhanden, dennoch sollte das Team es nun eigentlich etwas besser schaffen, seine einzigartige Waffe effizienter einzusetzen.

Wembanyama: Der beste Sommer

Denn einzigartig, das ist Wemby. Wie beim Media Day bekannt wurde, ist er erneut gewachsen und misst nun 2,26m, ist jetzt also neben Zach Edey der größte Spieler der Liga. Vergangene Saison schickte er sich bereits an, ein Kandidat für das All-NBA First Team zu werden (mehreren Advanced Stats zufolge war er ein Top-5-Spieler).

Nun spricht eigentlich fast alles dafür, dass er noch einmal besser sein wird - und hoffentlich gesünder. "Ich versichere euch, niemand hat so wie ich in diesem Sommer trainiert", sagte Wembanyama. "Und das war bisher mein bester Sommer. Der Fortschritt ist einfach unglaublich."

Diese Aussagen klangen dann wiederum doch wie gar nicht so außergewöhnliche Media-Day-Aussagen - aber bei ihm kann man es besser wissen. Es steckt etwas dahinter. Wemby mag erst 21 Jahre alt sein, allem Anschein nach ist er jedoch bereit, die Hackordnung in der Liga eher früher als später auf den Kopf zu stellen.

Folge basketball-world.news auf Instagram

Alle News zur NBA im Ticker