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"Kaum Schwächen zu identifizieren": Ex-Bundestrainer Dettmann vor Duell mit DBB-Team

kicker

Außerdem plauderte der langjährige Coach über Finnlands neuen Shootingstar Miika Muurinen sowie über die Evolution im Basketball hin zum positionslosen Spiel.

Aus Tampere/Finnland berichtet Robert Arndt.

Herr Dettmann, Finnland empfängt im letzten Gruppenspiel Deutschland. Bisher hat der Weltmeister alle vier Spiele deutlich gewonnen und immer über 100 Punkte erzielte. Was macht das DBB-Team ihrer Meinung nach besonders?

Henrik Dettmann: Deutschland ist für mich spätestens seit der Verletzung von Serbiens Bogdan Bogdanovic der Turnier-Favorit. Das hat ihre Stellung noch einmal gestärkt. Sie spielen tollen, modernen Basketball. Ich finde es unglaublich, wie zum Beispiel Dennis Schröder in den vergangenen Jahren gereift ist. Das ist schön, weil wir oft zu schnell darin sind, junge Spieler schlechtzureden. Dennis hat das überwunden und ich sehe in jedem Spiel die Leidenschaft für seine Mannschaft, für den Basketball. Ich bin stolz darauf, Finne zu sein und er zeigt, dass er stolz darauf ist, für Deutschland zu spielen.

Sehen Sie Deutschland stärker als beim WM-Titel vor zwei Jahren?

Dettmann: Je älter der Wein, desto besser wird er, sagt man doch in Deutschland. Für den Moment sieht es so aus, dass sie immer besser werden. Man kann kaum Schwachpunkte identifizieren. Wenn wir das im Spiel gegen sie schaffen können, dann wäre das schon ein Erfolg für uns. Ich erwarte nicht, dass wir gegen Deutschland gewinnen können, aber ich glaube, dass wir Schwächen finden können. Das würde zeigen, dass wir uns als Team verbessern können.

Zumindest ist das Achtelfinale schon einmal sicher.

Dettmann: Wir wissen alle, dass das Achtelfinale und das Viertelfinale die Spiele sind, die wir gewinnen müssen. So funktioniert ein Turnier, alles andere ist nur Vorbereitung. Für Deutschland war die Vorbereitung das Anschwitzen und die Gruppenphase die echte Vorbereitung. Hier legen sie die Grundlagen dafür, dass es im Turnier für sie so weit wie möglich geht.

Sehen Sie Chancen, dass Finnland auch außerhalb von Tampere überraschen kann?

Dettmann: Es wird sehr schwer, weil wir vermutlich auf Serbien, die Türkei oder Lettland treffen werden. Bei der Auslosung braucht es immer ein bisschen Glück, wir hatten diesmal keines. Das Viertelfinale wäre ein Erfolg, dann wären wir wieder auf dem Niveau von 2022, als uns im Viertelfinale gegen Europameister Spanien fünf Minuten zum Weiterkommen gefehlt haben. Dennoch ist es dafür noch zu früh. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen und der Fokus muss auf dem Achtelfinale am Samstag liegen.

Dettmann: Litauen hat uns eine Lehrstunde gegeben

Wie zufrieden waren Sie mit den bisherigen Auftritten? Es gab Siege gegen Schweden, Großbritannien und Montenegro, sowie eine knappe Niederlage gegen Litauen.

Dettmann: Wir wussten, dass wir die Favoriten in den ersten beiden Spielen waren und dass es gegen Montenegro ausgeglichen sein wird. Unser Team kann schwächere Teams dominieren, weil wir modern und schnell spielen. Davon profitieren wir. Aber für das nächste Level müssen wir lernen, aggressiver zu spielen und das Niveau konstant zu halten. Litauen hat uns eine Lehrstunde gegeben, was es braucht, um auf dem nächsten Level erfolgreich zu sein.

Dennoch war es bis zum Ende knapp.

Dettmann: Es waren zwei unterschiedliche Spiele. Es war ein Spiel mit Rokas Jokubaitis und eines ohne ihn aufgrund seiner unglücklichen Verletzung. Mit Jokubaitis haben die Litauer gewonnen, ohne ihn wir. Es zeigt die Wichtigkeit eines Schlüsselspielers in unserem Sport. Das Spiel verändert sich stetig, die Rollen ändern sich, aber am Ende des Tages ist Basketball das Spiel der Point Guards.

Dettmann: Tragisch, wie mit unseren Stars umgegangen wird

Ist es nicht eher ein Spiel der Skills?

Dettmann: Natürlich und hoffentlich in der Zukunft auch noch mehr. Es ist wichtig zu verstehen, was die Priorität in diesem Show-Geschäft ist. Wenn wir über Skill Ball reden, dann denke ich an die Regular Season in der NBA und daran haben sich die Schiedsrichter angepasst. Der europäische Basketball wird dagegen von der Physis dominiert. Die Schiedsrichter lassen hier Kraft vor Skills gewinnen. Ich finde es tragisch, wie mit unseren Stars, die überragende Fähigkeiten haben, umgegangen wird. Es ist nicht schön, wenn herausragende Spieler mit beiden Händen einfach festgehalten werden.

Wie meinen Sie das?

Dettmann: Nehmen wir Schröder als Beispiel. Die Schönheit in seinem Spiel sind seine überragenden Fähigkeiten. Aber er kann sie nicht nutzen, wenn ihn sein Gegenspieler hält und er sich nicht bewegen kann. Ohne Bewegung kann er seine Skills nicht zeigen.

Zumindest ist die Linie der Referees bislang sehr einheitlich.

Dettmann: Das will natürlich jeder und das ist das Minimum. Für mich ist das kein Argument. Ich bin Trainer und als Trainer will ich tolle Leistungen auf dem Feld sehen. Die Stars sind die besten Spieler, weil sie am härtesten an ihren Fähigkeiten arbeiten, um zu den Besten zu gehören. Wir sollten diese Arbeit und ihr Training mehr schätzen.

Trotz allem spielt Finnland attraktiven Basketball, gegen Litauen standen am Ende vier große Forwards auf dem Feld, was durchaus extrem ist. Einer davon war Superstar Lauri Markkanen. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Dettmann: Lauri ist ein unglaublicher Spieler und es ist toll, dass er immer wieder für Finnland spielt. Er hatte gegen Litauen ein paar Probleme, weil sie ihm den Rhythmus genommen haben. Wir haben leider keinen Jokubaitis, der ihn immer in gute Positionen bringt. Wir müssen ihm als Team mehr helfen. Das fängt schon in der Verteidigung an, wo wir zu "soft" sind. Wir haben noch immer Spieler, die sich an anpassen müssen, weil es zwei verschiedene Arten gibt, wie Basketball gespielt wird - das internationale Spiel und das auf dem College. Das sind zwei komplett andere Dinge. Es ist wie, als ob ich chinesisch lernen möchte und dann dafür nach Japan gehe.

Dettmann: Muurinen muss die Balance finden

Lauri Markkanen war auch auf dem College, ihm hat es vermutlich geholfen, dass er in die USA gegangen ist. Auch Top-Talent Miika Muurinen, der als kommender NBA-Pick gehandelt wird, wählte diesen Weg.

Dettmann: Ich beziehe mich hier ausschließlich auf Guards. Für Muurinen ist es nur ein Schritt in seiner Entwicklung, Lauri ging nach Arizona, damit er den Lebensstil erfährt und die Sprache besser lernt. Die NBA ist Entertainment. Für Muurinen wird das kein Problem sein, weil er schon jetzt ein Entertainer ist. Er muss aber lernen, wie man richtig trainiert, wie er seine Fähigkeiten ausbalanciert.

Wir haben Muurinen nun bei der EM einige Male gesehen und sein Stil ist wirklich noch sehr wild, positiv wie negativ. Seine Emotionen nach gelungenen spektakulären Aktionen haben die Fans aus den Sitzen gerissen.

Dettmann: Ich habe vor bestimmt 30 Jahren mal mit Svetislav Pesic gesprochen. Er sagte immer, dass junge Spieler Enthusiasmus bringen, aber auch Fehler. Ältere Spieler bringen Erfahrung. machen weniger Fehler, spielen dafür aber mit weniger Enthusiasmus. Mika ist erst 18 Jahre alt, hat aber hier schon große Fortschritte gemacht. Wir wissen, dass sein Temperament eine Stärke von ihm ist. Wenn er es aber übertreibt, wird diese Stärke aber zu einer Schwäche. Er muss lernen, eine Balance in seinem Spiel zu finden. Für junge Spieler ist das aber völlig normal, nicht nur für Miika.

Dettmann über Markkanens Situation in Utah

Markkanen ist dagegen schon ein etablierter Star. Wie sehen Sie seine Zukunft in Utah? Die Jazz befinden sich im Rebuild, Markkanen ist zwar All-Star, hat aber in acht Jahren NBA noch kein Playoff-Spiel gemacht.

Dettmann: Für die Medien scheint es ein großes Problem zu sein, für Lauri ist es keines. Es ist ein Geschäft und er ist Teil des Systems. Sie müssen verstehen, dass er eine Frau und drei kleine Kinder hat. Keiner lebt auf diesem Planeten alleine. Lauri hat vergangenen Sommer bewusst, seinen Vertrag erst einen Tag später unterschrieben, sodass er bis nach der Trade Deadline nicht getradet werden konnte. Er hat es nicht gesagt, aber im November wurde dann seine jüngste Tochter geboren und er wollte so die Familie schützen, damit es auf keinen Fall einen Trade gibt, wenn das Baby frisch auf der Welt gibt.

Das war vergangene Saison, aber jetzt wäre es jederzeit möglich.

Dettmann: Wenn ein Trade kommt, dann akzeptiert er das. Er soll in Utah der Anführer und das Fundament für den Rebuild sein, den es in Utah gerade gibt. Natürlich will er jedes Spiel gewinnen, er ist Sportler. Man kann im Leben aber nicht alles haben und ich glaube, dass man mit Lauri gut arbeiten kann. Er hat sich an die Situation angepasst. Hier sind sich Finnen und Deutsche sehr ähnlich. Du gibst ihm eine Aufgabe, er passt sich an und es geht weiter. So sind wir Finnen auch.

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