Es hatte fast schon etwas Geschäftliches, als die finale Sirene in Riga ertönte und Deutschland erstmals seit 20 Jahren wieder ins EM-Finale einzog. Es wurde sich ein wenig gefreut, dann ging es sofort weiter. Auch die Interviews im Anschluss ließen keinen anderen Schluss zu.
Das DBB-Team ist in Lettland, um eine Medaille zu gewinnen und nicht irgendeine. Gold soll es sein, das ist das Selbstverständnis, welches die Mannschaft spätestens seit dem WM-Titel 2023 umgibt. Damals zählte man zwar schon zum Favoritenkreis, bei dieser EM ist man jedoch seit dem Ausscheiden der Serben der Top-Favorit. Die Rollen haben sich geändert. Deutschland jagt nicht mehr, sie sind die Gejagten. Das Team, das es zu schlagen gilt.
Vor einem Jahr scheiterte die Mannschaft noch an diesem Druck im Halbfinale gegen Frankreich, bei dieser EM war ein ähnliches Szenario kein Problem. Natürlich hat Finnland nicht das Niveau der Franzosen, aber schlagen muss man sie erst einmal. Serbien kann ein Lied davon singen.
Deutschland nimmt Favoriten-Rolle an
Und das gelang erneut, ohne selbst den besten Basketball zu spielen. Gerade in der K.o.-Runde gegen Portugal, Slowenien und eben Finnland spielte das DBB-Team keinen Basketball am oberen (eigenen) Limit. Es reichten stattdessen jeweils gute Phasen, um die Spiele zu gewinnen. Der furiose Spielstil der Vorrunde wurde nicht mehr erreicht und trotzdem schrammte der Weltmeister zweimal knapp an 100 Punkten vorbei.
Es zeigt, wie groß der Spielraum für Fehler für diese Mannschaft ist. Das Finale gegen die bärenstarken Türken wird zwar eine andere Hausnummer, dennoch wird auch hier Deutschland favorisiert sein. Es unterstreicht, welche Rolle die DBB-Auswahl inzwischen im Welt-Basketball eingenommen hat.
Vier Halbfinal-Teilnahmen in vier Jahren sind kein Zufall, sie haben auch die eigenen Ambitionen immer weiter gesteigert. Die Final-Teilnahme ist inzwischen die neue Norm und solange das Team so tief und von Dennis Schröder sowie Franz Wagner geführt werden, ist das auch richtig so.
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