Am Ende schmeichelten die 73 Punkte den Münchnern. Knapp sieben Minuten vor dem Ende waren es gerade einmal 46 magere Zähler, bevor Fenerbahce den Fuß vom Gas nahm und das Spiel ein wenig austrudelte. Es zeigte sich, dass die Bayern ihre Gegner natürlich nicht immer unter 60 Punkten wie gegen Mailand halten würde. Der desaströse Auftritt der Italiener am Dienstag vernebelte so ein wenig, dass der bayrische Offensiv-Motor gewaltig stottert.
Dafür gibt es Gründe, vornehmlich den Ausfall von Königstransfer Rokas Jokubaitis, um den die Münchner ihr Team zusammenstellten. Der Litauer sollte der Fixstern der Bayern-Offense sein, er sollte Druck auf den Korb ausüben und Tempo ins Münchner Spiel bringen. Dass sich der Spielmacher bei der EuroBasket so folgenschwer verletzte, ist bitter und die ersten Wochen zeigen, dass man ihn nicht ersetzen kann.
Zwar haben die Münchner mit der Nachverpflichtung von Stefan Jovic reagiert, der 36-Jährige ist aber ein ganz anderer Spielertyp und fehlt derzeit ebenfalls verletzt. Auch Justus Hollatz ist eher defensiv orientiert und keiner, der durch seine Dynamik beständig Vorteile kreiert. Vielmehr fällt der Blick auf zwei andere Neuzugänge - Kamar Baldwin und Xavier Rathan-Mayes.
Rathan-Mayes noch nicht in München angekommen
Bei Baldwin gibt es zumindest Ansätze, dass er sowohl als Scorer wie als Passgeber in Erscheinung treten kann. Ein echter Unterschiedsspieler ist aber auch er nicht. Mehr Hoffnung gab es bei Rathan-Mayes, doch der Kanadier ist derzeit die große Enttäuschung, auch wenn Sportdirektor Dragran Tarlac vor dem Mailand-Spiel noch etwas komplett anderes bei MagentaSport von sich gab.
"Wir sind sehr zufrieden mit seinem Level an Professionalität. Seine Arbeitseinstellung ist hervorragend. Er ist einer der Jungs, die gar nicht mehr aus der Halle rauskommen. Er macht sehr viele Extraschichten. Manchmal haben wir sogar das Gefühl, dass er sich mal ausruhen muss bei der ganzen Arbeit, die er reinsteckt. Er hat hohe Erwartungen an sich selbst und performt im Moment sehr gut für uns."
Die Zahlen sprechen bisher eine andere Sprache. In drei der fünf Spiele erzielte der Guard, der in Russland mal die Scorer-Krone gewann, vier oder weniger Punkte. In Istanbul stand sogar ein Donut, alle seine sieben Würfe gingen daneben.
Bayern hat die NBA im Blick
Stattdessen ist Andi Obst die derzeit verlässlichste Option, was kein gutes Zeichen für die Bayern ist. Obst kann kreieren, es ist aber keine wirkliche Stärke und auf Dauer kein Erfolgsrezept, auch wenn der 29-Jährige sich in diesem Aspekt deutlich verbessert hat. Stattdessen sollte man im Westpark ernsthaft über eine Nachverpflichtung nachdenken, wenn es das Budget zulässt.
Jokubaitis wird noch einige Monate fehlen, das derzeitige Personal scheint auf EuroLeague-Niveau einfach nicht gut genug, um eine anständige Offensive zu sein. "Wir sind voll besetzt", widersprach Tarlac, ließ aber eine Hintertür offen: "Wir haben die NBA im Blick. Da wird sich sicherlich einiges tun, deshalb werden die nächsten Wochen intensiv."
Bayern mit drei Heimspielen in Serie
Gemeint sind die derzeitigen Entlassungen in den USA, da die Teams dort kurz vor Saisonstart ihre Kader auf 15 Spieler reduzieren müssen. Der ein oder andere Spielmacher sollte also zeitnah auf den Markt kommen.
Gleichzeitig ist auch noch alles im Lot, wenn auch die Niederlage gegen Kaunas etwas schmerzt. Schlappen bei Panathinaikos oder eben Fenerbahce sind zu verkraften, doch nun folgen Heimspiele gegen Olympiakos Piräus, Real Madrid und Bologna. Es könnte der erste Fingerzeig dafür sein, ob die Bayern realistische Chancen haben werden, um erneut ins Playoff-Rennen einzugreifen. Klar ist auch: Mit Offensiv-Leistungen wie in den vergangenen drei Partien dürfte es sehr schwer werden.
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