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"La Familia" taumelt: Wie gefährlich ist Europameister Spanien noch?

kicker

Kein anderes europäisches Team blickt auf einen ähnlich dominanten Lauf zurück wie Spanien: Weltmeister 2019, dazu vier EM-Titel seit 2009 (2009, 2011, 2015, 2022) und ein Rekord von sieben EuroBasket-Medaillen in Folge. Selbst als 2022 eine eher unerfahrene Mannschaft als vermeintlicher Außenseiter antrat, stemmte sie am Ende überraschend wieder den EM-Pokal in die Höhe. Dieser Mythos der "La Familia", den Bundestrainer Alex Mumbru unlängst im Interview mit basketball-world.news erklärte, sorgt bis heute für Respekt, auch wenn er aktuell mehr Historie als Gegenwart verkörpert.

Denn, die Liste der Ausfälle ist lang wie nie: Alberto Abalde, Lorenzo Brown, Eli Ndiaye, Mario Saint-Supery. Alle verletzt oder nicht einsatzfähig. Dazu wackeln mit Santi Aldama und Alberto Diaz zwei Schlüsselspieler. Schon die Qualifikation verlief ernüchternd (3-3-Bilanz mit dem zweiten Anzug), nun reiht sich auch die Vorbereitung auf die anstehende EuroBasket 2025 nahtlos ein mit zwei Niederlagen gegen Frankreich sowie durchwachsenen Tests gegen Tschechien und Portugal.

Gleichzeitig ist es der erste Sommer seit Jahrzehnten ohne Namen wie Gasol, Navarro, Llull, Rodriguez oder Rubio. Spieler, die "La Familia" verkörperten. Was bleibt? Ein blutjunges, unerfahrenes Team, mit nur einem echten NBA-Spieler im Kader (Aldama). Für spanische Verhältnisse aber dramatisch wenig Starpower.

Sergio Scariolo: Die letzte Konstante einer goldenen Ära

Doch einen Faktor darf man nicht unterschätzen und das ist Trainer Sergio Scariolo, der sein letztes Turnier als Nationaltrainer bestreiten wird. Der 64-Jährige ist der Architekt von vier EM-Titeln, dazu Weltmeister-Coach. Kaum ein Trainer versteht es besser, aus scheinbar mittelmäßigem Material eine Turniermaschine zu bauen. Sein Credo: Taktik, System, Disziplin.

Nach den ernüchternden Testspiel-Niederlagen gegen Frankreich blieb der Erfolgscoach von La Roja gelassen und setzte gewohnt auf Psychologie. "Die Ergebnisse bedeuten mir nichts. Die Moral des Teams alles", betonte Scariolo. Man sei "nicht hier, um Niederlagen zu feiern", sehe aber positive Zeichen, vor allem in der Haltung und Persönlichkeit der jungen Mannschaft.

Spaniens Frontcourt glänzt - Backcourt wackelt

Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Aldama, 24-jähriger Forward der Memphis Grizzlies in der NBA. Dazu kommen die Hernangomez-Brüder, Kampfgeist von Spielern wie Alberto Diaz und Scariolos System-Bausteine aus Valencia (Puerto, Pradilla, Lopez-Arostegui). Spanien bleibt defensiv bissig, variabel und taktisch oft einen Schritt voraus.

Doch so viel Talent Spanien im Frontcourt auch hat, das größte Fragezeichen bleibt auf den Guard-Positionen. Der naturalisierte Lorenzo Brown war 2022 der entscheidende Faktor. Nun fällt er verletzt aus, ebenso wie Alberto Abalde. Auch Routine von Sergio Llull oder Sergio Rodriguez gibt es nicht mehr. Wer also kreiert in engen Momenten den Wurf? So könnte es trotz solider Frontline mit Aldama und den Hernangomez-Brüdern genau an dieser Stelle eng werden.

In ihrem letzten Power-Ranking führte die FIBA die Spanier nur auf Platz elf. Und genau das macht sie gefährlich. Denn zum ersten Mal seit Jahrzehnten reisen sie nicht als Gejagte an, sondern als Jäger.

Europas stolzer Kaiser ist gefallen, doch tot ist er nicht

Ja, Spanien ist verletzungsgeplagt. Name für Name abgestürzt und scheinbar weit entfernt von der goldenen Generation. Doch solange Scariolo an der Seitenlinie steht, bleibt diese Mannschaft ein Turnier-Team. Vielleicht nicht mehr gut genug für Gold, aber gut genug, viele der auf dem Papier vermeintlich besseren Teams zu ärgern oder gar auszuschalten.

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