Aus Riga/Lettland berichtet Julius Ostendorf.
Die deutschen Basketballer haben auch ihr siebtes Spiel bei der laufenden Europameisterschaft gewonnen. Ganz so linear, wie sich das anhört, war der jüngste Turnierverlauf dann aber doch nicht. Nachdem man die fünf Gruppenspiele mit durchschnittlich 32,5 Punkten Unterschied gewann, tut sich man in der K.o.-Runde in Riga bislang enorm schwer.
Gegen starke Slowenen wäre der Traum vom EM-Titel dabei beinahe zu einem vorzeitigen Ende gekommen. Mehr als 26 Minuten liefen die deutschen Basketballer im gestrigen EM-Viertelfinale einem Rückstand hinterher, darunter im gesamten zweiten und dritten Viertel. Erst im Schlussdurchgang gelang, ähnlich wie schon gegen Portugal, die Wende.
"Wir haben die erste Halbzeit für unsere Verhältnisse verschlafen, nicht gut gespielt und auch defensiv viele Fehler gemacht", kritisierte Johannes Thiemann im Anschluss. Dabei spielte er natürlich auch auf den überragenden Luka Doncic an, der die Partie mit 39 Punkten beendete und den deutschen Verteidigern mit seiner Cleverness ein Foul nach dem anderen angehängt hatte.
Teams stellen sich besser auf deutsche Spielweise ein
"Wir müssen nicht über Luka reden", machte Franz Wagner klar. "Er ist einer der besten Spieler der Welt. Trotzdem kann man natürlich die Frage stellen, wie man ihn manchmal sonst verteidigen soll. Aber es gab, glaube ich, schwierige Pfiffe auf beiden Seiten."
Wenngleich die Linie der Unparteiischen durchaus etwas unklar war, beginnt die Fehlerkette bei der deutschen Mannschaft selbst. War man in der Vorrunde noch die beste offensive Mannschaft des Turniers, wirkte das Angriffsspiel zuweilen statisch. "Zum einen stellen sich die Teams natürlich darauf ein, was wir machen wollen und sind besser vorbereitet", so Thiemann. "Auf der anderen Seite ist es unser Fehler, dass wir langsamer spielen als in der Vorrunde. (...) Wir müssen zu unseren Habits zurückfinden und wieder ins Laufen kommen."
Besonders die Vorstellung in der erste Hälfte war mitunter besorgniserregend. Die beiden Stars Dennis Schröder und Franz Wagner fanden aus dem Spiel heraus kaum Touch, wenngleich letzterer über seine Aggressivität und Freiwürfe das DBB-Team stets in Schlagdistanz hielt. Rhythmus, so wie man das aus Tampere gewohnt war, kam allerdings bis zum Schlussviertel nicht auf.
Defensivrebounds: Die deutsche Achillesferse?
Eine große Problematik bleiben auch die Defensivrebounds. Bis zum Seitenwechsel schnappte sich Slowenien neun offensive Bretter, während Deutschland mit zwölf Rebounds das Duell unter dem eigenen Korb nur knapp für sich gewinnen konnte. Die 16 slowenischen Punkte aus zweiten Chancen entstanden zu großen Teilen in diesem Zeitraum.
Neu ist diese Thematik nicht. Schon in den zurückliegenden Turnierspielen offenbarte Deutschland hier eine enorme Schwäche. Mit Ausnahme des Auftaktspiels gegen Montenegro ließ man nie weniger als 13 offensive Rebounds des Gegners zu. Das Fehlen vom 2,11 Meter großen Johannes Voigtmann wird da erst so richtig deutlich.
Lo: "Müssen besser spielen"
Dass Deutschland im Schlussviertel dennoch die (nach dem Portugal-Spiel erneute) Wende gelang, ist auf zweierlei zurückzuführen. Einerseits ist es Zeugnis einer enormen mentalen Stärke dieser Mannschaft, in den finalen und entscheidenden Momenten bei sich zu bleiben.
Andererseits muss man sich auch bei den Slowenen bedanken, die im Schlussviertel einige - teils auch sehr offene - Würfe liegen ließen, die man zuvor noch getroffen hatte. "Wenn anderen Teams die Kraftreserven ausgehen, dann sind wir in der Lage, durch unsere Tiefe den Unterschied zu machen", merkte Maodo Lo richtigerweise dazu an.
Klar ist allerdings, dass die Aufgaben in den kommenden zwei Runden zumindest nicht kleiner werden. Slowenien ist in seiner Spielweise stark auf Doncics Produktion fixiert, gleiches gilt aber nicht zwingend für die anderen verbliebenen EM-Teilnehmer. "Wir haben auch im Huddle danach gesagt, dass wir besser sein müssen", so Lo weiter. "Wir müssen noch besser spielen, um das zu erreichen, was wir wollen."
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