Freitagmittag, 12.30 Uhr: Das zweite deutsche Spiel bei der Basketball-EM liegt nicht nur für Fans ungünstig. Bundestrainer Mumbru ist weiter im Krankenhaus und muss erneut aussetzen.
Besonders verlockend ist diese Perspektive für Dennis Schröder und seine Kollegen nicht. An den kommenden beiden EM-Tagen müssen die deutschen Basketball-Stars früh raus, um zur Mittagszeit - kurz nach Aufsperren der Halle im finnischen Tampere - auf dem Parkett zu sein.
"Ich mag frühe Spiele nicht, aber am Ende des Tages müssen wir alles tun, um ready zu sein. Da hätte man schon bessere Zeiten kriegen können als Weltmeister", sagte Schröder. Gegen Schweden am Freitag und gegen Mitfavorit Litauen am Samstag geht es jeweils bereits um 12.30 Uhr (MESZ/Ortszeit 13.30 Uhr) los.
Mumbru fehlt mindestens zwei weitere Spiele
Einen Vorgeschmack bekamen Schröder und Co. an diesem Donnerstag, als sie in leerer Halle mittags trainierten. An der Seite stand erneut Alan Ibrahimagic, der den erkrankten Bundestrainer Alex Mumbru auch gegen Schweden und Litauen vertreten wird. Mumbru liegt aufgrund eines "akuten Abdomens" in der Bauchgegend seit Montag im Krankenhaus, der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist offen.
Nach dem souveränen Auftaktsieg gegen Montenegro vor gerade einmal 3.495 Zuschauern drohen bei den nächsten EM-Spielen erneut viele leere Plätze. Ibrahimagic, der von Tag zu Tag lockerer ins Plaudern kommt, scherzte bereits, dass die Ränge bei den internen Playstation-Duellen im Teamhotel besser gefüllt seien als bei den echten Spielen der EM.
Präsident hofft auf I-Pads am Arbeitsplatz
Auf die übertragenden Sender RTL und Magentasport wartet die Aufgabe, das Publikum fernab der besten Sendezeiten, die der Weltmeister am Mittwoch gegen Gastgeber Finnland erstmals bekommt, zu erreichen. "Man spielt natürlich lieber in der Primetime", betonte Center Johannes Thiemann - doch die bleibt in der Vorrunde Finnland und nicht dem Weltmeister vorbehalten.
"Es ist schade für die deutschen Fans - gerade hat mir mein Augenarzt gesagt: Ich würde Euch gerne anschauen, aber ich muss um 12.30 Uhr arbeiten. Ich kann nur hoffen, dass viele Arbeitgeber ihren Leuten mittags erlauben, nebenbei auf dem I-Pad Basketball zu gucken", sagte Verbandspräsident Ingo Weiss der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist sehr schade, dass wir die Primetime nicht bekommen", bekräftigte Andreas Obst.
500.000 Zuschauer zum EM-Auftakt
Die EM-Ansetzung ist ein kompliziertes Konstrukt, bei dem die Interessen der Gastgeber und vor allem der TV-Anstalten eine Rolle spielen. Finnland entschied sich für den besten Sendeplatz. Dahinter gibt es ein Rotationsprinzip, bei dem der Weltmeister gleich zweimal in der Mittagszeit gelandet ist. "Ich hoffe, dass der Weltmeister-Titel sich dann bei der Ansetzung der K.o.-Spiele auszahlt", sagte Weiss.
Den Auftakt gegen Montenegro sahen im Schnitt rund 500.000 Fans bei RTL, das bei dieser EM alle deutschen Spiele überträgt. In der für Privatsender wichtigen Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte das Spiel solide 9 Prozent Marktanteil. Alles in allem war der EM-Start aus Tampere aber mit 5,6 Prozent im Gesamtpublikum kein Quotenhit. Die Zuschauer beim Dauerpartner Magentasport, der ebenfalls kostenlos überträgt, kommen obendrauf.
Am Freitag und Samstag dürfte die Situation kaum besser werden. Und Magentasport muss bei den Partien zu ungewöhnlicher Uhrzeit sogar auf seinen Experten verzichten. Moritz Wagner, der derzeit in Los Angeles ist, wird nicht dabei sein, weil es in Kalifornien 3.30 Uhr am Morgen ist, wenn die Spiele gegen Schweden und Litauen beginnen.
Experte Wagner packt "Gesicht in die Eistonne"
Schon für das Nachmittags-Spiel gegen Montenegro hatte er sehr früh aufstehen müssen, um rechtzeitig um sechs Uhr morgens vor der Kamera zu sitzen. "Es ist nicht optimal vom Timing her, aber es ist machbar", sagte Weltmeister Wagner, der nach einem Kreuzbandriss im Aufgebot fehlt. Er habe sein "Gesicht in die Eistonne gepackt", um morgens für den Einsatz als TV-Experte fit zu sein.
Aushilfs-Bundestrainer Ibrahimagic sagte, mittags sei "nicht die Lieblingszeit" des Teams. Nach Jahren voller Euphorie mit Spielen in Köln, Berlin, Manila und Paris treten die Basketballer nun in der ruhigen Halle von Tampere vor überschaubaren Kulissen an.
Ex-Nationalspieler Per Günther verglich das Team im Podcast "Abteilung Basketball" mit einer "Rock'n-Roll-Band", das sich plötzlich fühle wie beim Soundcheck. "Dann spielst du in der kleinsten Kulisse, die für eine deutsche Mannschaft irgendwie möglichst ist", sagte Günther. Spätestens zum Spiel gegen den Gastgeber wird die Kulisse größer.
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