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Nach Mega-Umbruch und Tatum-Aus: Kann Brown die Celtics auf Kurs halten?

kicker

Nach neun Jahren sind üblicherweise die meisten Geheimnisse enthüllt. Spieler können sich fraglos noch entwickeln, Skills entwickeln oder verfeinern, neue Iterationen zeigen - aber im Gesamtkontext der Liga sind sie nach beinahe einer Dekade im Wesentlichen das, was sie sind.

Jaylen Brown steht nun bei ebendiesen neun Jahren. Er ist: mehrfacher All-Star, einmaliger All-NBA-Spieler (und deshalb Besitzer eines Supermax-Vertrags), Finals-MVP, NBA Champion. Er ist ein Spieler, der etabliert ist als Kernmitglied eines der erfolgreichsten Teams der letzten Jahre. Seit 2017 hat er die meisten Playoff-Spiele aller NBA-Spieler auf dem Buckel (135).

Brown ist in der Liga ein gemachter Mann - einerseits. Auf der anderen Seite steht der Swingman vor einer Situation, die er in seiner Karriere so noch nie erlebt hat. In gewisser Weise könnte dieses zehnte Jahr eben doch sozusagen enthüllen, wer Brown als Spieler wirklich ist.

Fast alles ist anders

Der Achillessehnenriss von Jayson Tatum am 12. Mai 2025 stand bereits in dem Moment, als die Diagnose da war, als seismisches Ereignis fest: Der Osten öffnete sich endgültig für die 2025er Playoffs, aber höchstwahrscheinlich auch für 2026 (wenngleich Tatum eine frühere Rückkehr nicht ausschließt). Den größten Einfluss hatte die Verletzung indes fraglos auf Boston.

Die finanziellen Realitäten forderten dort im Lauf des Sommers mehrere prominente Opfer. Jrue Holiday ist weg, ebenso Kristaps Porzingis, Luke Kornet, und Al Horford: Immerhin vier der neun Spieler, die 24/25 die meisten Minuten für den 24er Meister absolvierten. Darunter die gesamte gestandene Big-Man-Rotation.

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"Es fühlt sich wie eine neue Ära an", bekundete Brown selbst. "Das halbe Team ist weg. Ich wünsche ihnen das Beste, ich schätze sie alle. Sie waren großartige Teammates und es ist hart, sie gehen zu sehen. Jetzt fängt eine neue Ära an, alles hat sich verändert."

Brown wiederum ist so wie einige andere immer noch da. Obwohl es im Sommer durchaus Spekulationen gab, ob ein Trade des noch 28-Jährigen ebenfalls eine Option sein könnte. Was im Prinzip bereits andeutet, dass nicht jeder Experte darin übereinstimmt, welchen Wert Brown als Spieler tatsächlich mitbringt.

Die zwei Seiten des JB

Die einen sehen Brown als Superstar, als Top-15-Spieler, der sich im Dienst des Teams unterordnet. Der zwar seit Jahren im Schatten Tatums wandelt, bei Bedarf aber auch jederzeit die erste Geige bei den Celtics übernehmen kann. Die 24er Playoffs gaben dieser Denke recht, gewissermaßen.

Dort war es Brown, der sowohl den MVP-Award der Conference Finals als auch den der Finals abräumte. Weil er in mehreren großen Momenten zur Stelle war, weil er den primären Verteidiger für Luka Doncic gab, weil er jeweils etwas effizienter scorte als Tatum. Kritik an diesen Award-Entscheidungen gab und gibt es indes bis heute jede Menge.

Nüchtern betrachtet sah Brown in diesen Serien ja auch deshalb so gut aus, weil er nicht konstant die erste Geige geben musste. Tatum zog die Aufmerksamkeit auf sich, die Double-Teams; Brown konnte die etwas leichteren Matchups attackieren, mehr Play-Finisher und weniger -Initiator sein. Die "leichtere" von zwei sehr wichtigen Rollen spielen.

Es war ein Mix, der funktioniert - seit Jahren. Nicht aus Zufall haben sich die "Jays" zu einem der besten Duos der Liga entwickelt, obwohl sie oberflächlich betrachtet relativ ähnlich sind. In der Realität gibt es doch ausreichend Facetten, in denen sich beide zum Teil sogar recht gravierend unterscheiden.

Ungleiche Partnerschaft

Tatum ist ein Chamäleon. Er kann defensiv im Teamkontext jede Rolle ausfüllen, bisweilen fast wie ein Center auftreten. Vorn ist er in der Regel der Topscorer, aber auch der primäre Playmaker. Er macht von allem etwas - selbst in den 24er Playoffs, in denen Tatum vermeintlich Probleme hatte, führte er die Celtics bei den Punkten, Rebounds und Assists an.

Brown ist etwas kleiner, dafür explosiver als Tatum. Und als Spieler spezialisierter: Am besten sieht er in der Regel dann aus, wenn er bereits kreierte Vorteile attackieren kann. Sein Playmaking ist zwar über die Jahre auch etwas besser geworden, aber noch immer keine Stärke. Defensiv ist er am Point of Attack bisweilen sehr gut, die Team-Defense schwankt.

Was den statistischen Impact angeht, liegen seit Jahren Welten zwischen Tatum und Brown. Metriken wie Box Plus/Minus oder Value Over Replacement Player zufolge etwa zählt Tatum zu den besten Spielern der Liga, während Brown nur leicht positiv bewertet wird (24/25 lag sein BPM bei exakt 0). Für ein Advanced-Stats-freundlicheres Spiel fehlen Brown insbesondere bessere Quoten von den Dreier- und Freiwurflinien sowie häufigere Abschlüsse am Ring.

Die neue Saison der Celtics wird auch insofern interessant, da sie zeigen wird, ob Brown bei Bedarf etwas mehr von dem übernehmen kann, was Tatum seit Jahren liefert. "Er wird mehr Chancen dazu erhalten, seine Vielseitigkeit zu zeigen", zeigte sich Celtics-Legende Paul Pierce optimistisch. "Normalerweise hat er nicht die gleiche Verantwortung, die Tatum bekommt."

Kann Spiel 5 zur Norm werden?

39mal lief Brown seit Tatums Ankunft ohne den Kollegen neben sich auf, und produzierte in diesen Spielen sehr starke Counting Stats (27,3 Punkte, 7,1 Rebounds, 3,9 Assists, 1,2 Steals, 50,1% FG, 34,5% Dreier). Seit 2023 hatten die Celtics in Browns Minuten ohne Tatum ein Net-Rating von +7,3 - unter ihrem Gesamtschnitt zwar, aber immer noch ein sehr starker Wert.

Spiel 5 der Knicks-Serie, unmittelbar nach Tatums Verletzung, präsentierte die bestmögliche Version von Brown. Effiziente 26 Punkte, dazu das beste Playmaking-Spiel seiner Karriere (12 Assists, 2 Turnover). Mit diesem Spieler im Zentrum schien es absolut vorstellbar, dass die Celtics auch 25/26 eine gute Rolle würden spielen können.

Spiel 6 sah dann wieder ganz anders aus; Brown foulte aus, leistete sich mehr Ballverluste (7) als er Assists spielte (6). Wenige Tage später wurde sein Knie operiert, das ihm bereits in den letzten Saisonmonaten und über die Playoffs Probleme bereitet hatte. Das wohl dazu beitrug, dass Brown unterm Strich keine wirklich gute Saison spielte.

Bürde und Chance

Nun soll Brown wieder fit sein. "Ich bin fokussierter als je zuvor in meinem Leben", verkündete er kürzlich in einem Stream. Seine Rolle wird eine neue sein: Erstmals in seiner Laufbahn wird er die erste Option sein, dauerhaft. Die Celtics verfügen nach wie vor über eine gewisse Firepower, mehr denn je wird es aber Browns‘ Aufgabe sein, die Kollegen freizuspielen.

Ist er dieser Herausforderung gewachsen? Horford zumindest geht davon aus. "Seitdem er in der Liga ist, hat er immer Wege gefunden, sich selbst und sein Spiel zu verbessern, immer nach Wachstum zu suchen. Das macht ihn so besonders", sagte der Oldie, der im Sommer zu den Warriors abwanderte, zu Forbes. "Er weiß immer, dass es Raum für ihn gibt, sich zu verbessern."

In dieser Hinsicht ist die neue Spielzeit auch eine Chance. Zu zeigen, dass Brown - neun NBA-Saisons hin oder her - eben noch nicht alles gezeigt hat, was in ihm steckt.

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