Mit 27 hat Ferdinand Zylka bereits fast jede Abzweigung des deutschen Basketballs genommen: Alba-Jugend, erste Profiminuten in Berlin, Lehrjahre beim MBC und in Gießen, der bewusste Schritt in die ProA, dann Belgien. Seit der Rückkehr spielt er für Braunschweig - in seinem zweiten Jahr wurden die Löwen Dritter und scheiterten im Viertelfinale in fünf Spielen an Würzburg.
Aus der Alba-Jugend (JBBL/NBBL) kommend, sammelte der Shooting Guard früh Einheiten bei den Profis. "Die Jugendzeit bei Alba war entscheidend - sie hat mich an den Profibereich herangeführt", sagt Zylka gegenüber basketball-world.news. Damals sei das Niveau in NBBL/Regionalliga "richtig gut" gewesen, die Umgebung professionell - ein wichtiger Anlauf für die ersten BBL-Minuten. Es folgten lehrreiche, aber wechselhafte Jahre beim MBC und in Gießen: unregelmäßige Rollen, viele Trainerwechsel, wenig Konstanz.
Der Reset, der alles veränderte
Der bewusste Neustart kam in der ProA: In Karlsruhe erhielt Zylka Rolle, Rhythmus und Verantwortung - 19,0 Punkte im Schnitt bei einer Dreierquote von knapp 40 Prozent. "Das war die wahrscheinlich geilste Saison meiner Karriere", erinnert sich der Guard. Der Schritt ins Ausland bestätigte das Profil: In Brüssel legte er erneut 19,0 Punkte auf, ehe Antwerpen ihn für den Playoff-Run holte. "Ich wollte unbedingt wieder den Schritt nach vorn machen. Seit meiner Alba-Zeit ging es gefühlt stetig bergab - als Antwerpen mich aus Brüssel verpflichten wollte, war klar: Es muss wieder aufwärts gehen."
Mit gestiegenem Marktwert entschied er sich bei der Rückkehr für Braunschweig. Dabei wählte der Berliner bewusst Minuten vor Glanz: klare Rolle statt kleinem Rotationsplatz bei einem Topteam. Dabei erklärte sich der Berliner selbstbewusst: "Wenn ich regelmäßige Minuten bekomme, liefere ich." Das Ergebnis: Platz drei in der Hauptrunde, die Viertelfinalserie gegen Würzburg ging über die volle Distanz. Zylka kam auf 9,0 Punkte und 3,0 Rebounds - verlässliche Produktion in einem funktionierenden Gefüge. "Letzte Saison war außergewöhnlich - es hat alles gepasst. Einzelne Spieler sind aufgeblüht, aber vor allem als Team sind wir zusammengewachsen. Realistisch ist das nicht jedes Jahr zu wiederholen", findet Zylka. Als verlässlicher Rollenspieler wurde er für die laufende Saison zum Co-Captain ernannt. Sein Weg bleibt beispielhaft dafür, wie ein "Schritt zurück" über Karlsruhe und Belgien zu stabiler BBL-Rolle führen kann.
Basketball Löwen Braunschweig Kader
Der Schröder-Effekt in Braunschweig
Parallel professionalisierte der Club sein Umfeld (neue Trainings-Facility, internationaler Wettbewerb), auch befördert durch Impulse von Mitgesellschafter Dennis Schröder. Für die Gegenwart peilt Zylka realistisch den Play-in-Kampf an, allerdings ging der Start für die Löwen in die Hose (0-4).
Dennoch spürt Zylka rund um Schröder Rückenwind im Klub - sportlich wie strukturell. "Die Facility, das neue Trainingszentrum - man merkt schon, da tut sich was", sagt er. "Der Verein ist auf jeden Fall im Aufschwung, auch dank Dennis Schröder." Dass Schröder seine Rückkehr angekündigt hat, setze zusätzlich Energie frei: "Da hat man schon das Gefühl, sie wollen das fertig haben, wenn er da ist."
U19-WM gegen USA - warum nicht der Schritt aufs College?
Internationaler Meilenstein: Bei der U19-WM legte Zylka im Viertelfinale gegen die USA 20 Punkte auf - Gegenspieler unter anderem Payton Pritchard und Immanuel Quickley. "John Calipari kam nach dem Spiel zu mir und meinte: 'Great game, you’re a great player, you’re going to have a great career.'" Konkrete College-Angebote blieben damals aus - andere Zeit, andere Mechanik. "Heute wäre das anders - als 18-Jähriger lehnst du solche Summen kaum ab", sagt er mit Blick auf NIL. Sein Fazit: "College ist situationsabhängig" - Top-Programm plus Minuten und Entwicklung können sinnvoll sein, reine D3/JUCO-Moves "nur für die Erfahrung" weniger. "Im Worst Case gehst du vier Jahre aufs College, verdienst Geld und kommst als interessanter BBL-Spieler zurück."
Die Frage, ob die BBL ihre jungen Talente verliert, weil sie als Entwicklungsstandort weniger attraktiv geworden ist, verneint Zylka vehement: "Nein, auf keinen Fall. Da, wo viel Geld ist, werden immer die besten Spieler sein. Ich hätte es genauso gemacht wie Hannes Steinbach, Sananda Fru oder Martin Kalu."
Mit Blick auf verlorene Talente hat der Trend für Europa Nebenwirkungen; Zylka wählte den Gegenentwurf der europäischen Basketballschule: Spielzeit, tägliche Entwicklung, klare Aufgaben. Der Reset in Karlsruhe und das Schaufenster Belgien ebneten ihm den Weg zur stabilen BBL-Rolle in Braunschweig - mit Blick auf sein langfristiges Ziel.
Aufschwung oben, Fragezeichen unten: Deutschlands Basketball-Paradox
Deutschland ist Welt- und Europameister, acht Deutsche sind in der NBA - doch unterhalb der Spitze wirkt das Niveau fragiler. "Wenn du heute JBBL und NBBL anschaust, wirkt vieles zufällig - das Niveau ist spürbar gesunken. Damals war selbst die 1. Regionalliga 'serious', mit Amis und echter Competition." Aus seiner Sicht waren Training und Umfeld schon früher professionell, "aber die Ligen darunter fühlten sich deutlich härter an".
Besonders auffällig findet Zylka den körperlichen Aspekt: "In meiner NBBL-Zeit wurde über Leute gedunkt, wir hatten echte Körper. Heute sehe ich viele sehr dünne Jungs - manchmal wirken 17-Jährige wie 13." Auch quer durch 1. Regio, ProB und Nachwuchs höre er von Kollegen, dass Spiele sich "manchmal wie ein Spaziergang" anfühlen - weniger physische Gegenwehr, weniger echte Competition.
Den Eindruck teilt aus Ligaperspektive Würzburg-Manager Kresimir Loncar, der im Interview mit Dyn hart austeilte: "Die BBL hat vielleicht die schlechteste Qualität der letzten zehn Jahre. Wir haben Top-Deutsche verloren, viele Junge gehen in die NCAA. Leider haben wir keine Stars - die Liga ist schlechter geworden."
Parallel verschiebt sich die Talentkarte: "Alba bleibt eine Top-Adresse, aber nicht mehr die eine. Ulm und Vechta machen einen richtig guten Job - viele Doppel-Lizenzen wandern dorthin", sagt Zylka. Sein Fazit: Der Boom an der Spitze ist real; damit die Breite nachzieht, braucht es mehr Härte im Alltag, klare Minuten- und Rollenmodelle für Jugendliche und starke Entwicklungsumfelder in Regio, ProB und ProA. "Wenn Konkurrenz und körperlicher Standard steigen, profitieren am Ende alle - von der Jugend bis zur BBL." Trotzdem wiederholt Zylka mehrfach: "Die besten Spieler sind immer da, wo das meiste Geld ist".
Die BBL-Tabelle
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